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  #71  
Alt 20.09.2010, 20:06
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Hieß nicht Täschner/Täschnerin : in Handarbeit Taschen herstellen?
- Haben Bachelor und Master (habe ich es richtig geschrieben?) nicht die
Bezeichnung Diplom ersetzt? Wer erklärt mir dies mal genau? - Mein Mann
war "nur" Staatl. gepr. Techniker, zur damaligen Zeit war es schon was, wenn
man nach der Berufsausbildung die Technikerschule besuchte. Heuer mußt du
schon Ingenieur sein! - Es gibt übrigens immer noch den Ausbildungsberuf:
Vermessungstechniker (sind das nicht die Menschen, die mit den Meßlatten
durch die Gegend rennen - und sie manchmal recht lange an einer Stelle
festhalten müssen). Vielleicht haben sie dafür auch Gehilfen? - Übrigens
hatte ich mal den Beruf : Bauzeichnerin - ins Auge gefaßt. Verdient wurde auch
nicht viel! Dies war aber ein früherer Beruf für Männer, den immer mehr Frauen
ergriffen (vielleicht wegen der schlechten Bezahlung für Männer weniger
atraktiv). - Viele Grüße von Ulrike
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  #72  
Alt 23.09.2010, 20:33
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

@Ulrike,

die Technikerausbildung gibt es auch heute noch. Sie ist zwischen Meister und Ingenieur angesiedelt, spielt aber keine so große Rolle wie in vergangenen Jahrzehnten mehr.

Vermessungstechniker gibt es ebenfalls weiterhin, die Technik, derer sich die dort Beschäftigten bedienen, ist allerdings einem starken Wandel unterworfen.

Was die Bachelor- und Masterausbildung anbetrifft, kann ich nur für D sprechen. Vor einigen Jahren wurde "auf Teufel komm raus" versucht, die Diplomstudiengänge auf B&M-Studiengänge umzustellen. Hauptgründe war der Studienaufbau sowie die bessere internationale Vergleichbarkeit der Studiengänge. Der Bachelorabschluss ist im Prinzip nichts wert, der Master ist zwingend notwendig. International ist zumindest in den Ingenieurwissenschaften der Bachelor jedoch auch nicht gefragt; gefragt ist der Diplomingenieur. So haben viele Unis und TH auf diesem Gebiet bereits wieder auf Diplomstudiengänge umgestellt bzw. die B&M-Studiengänge gar nicht erst eingeführt. An Deutschlands größter TU, der TU Dresden sieht das z.B. so aus: http://detektor.fm/politik/trotz-bac...iengaenge-ein/.

Wie sich die Sache in A darstellt, kann dir unser Admin genau erklären, er arbeitet ja an der Quelle; ansonsten siehe zur Uni Innsbruck: https://www.uni-absolventen.at/unive...taet-Innsbruck.

Dresdner
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  #73  
Alt 26.09.2010, 14:54
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Dass der Bachelorabschluss "nichts" wert sei, kann absolut nicht zugestimmt werden!

Alle Bachelorstudien enthalten harte Proseminare und Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten, die von Studierenden erarbeitet werden müssen. Weiters eine oder sogar mehrere Bachelorarbeiten, die in manchen Studien einer Diplomarbeit im früheren Sinne nicht nachstehen. Ein Bachelorabschluss ist damit ein vollwertiger akademischer Abschluss.

Dennoch sind in der europäischen Bildungspolitik in den letzten Jahren enorme Fehler passiert, es ist zudem auch gar nicht absehbar, wie das wieder korrigiert werden kann.

Die sogenannte "Internationalität" der Studien ist ein völlig übertriebenes und haltloses Versprechen. Ganz im Gegenteil: durch die Einführung der Bachelorstudien haben die einzelnen Universitäten Studienrichtungen entwickelt, die andernorts nur Kopfschütteln auslösen und nirgendwo anerkannt werden. Die so groß von der Politik angepriesene "Mobilität" ist ebenso ein haltloses Versprechen, denn selbst mit einem Bachelorabschluss ist ein Wechsel auf ein anderes Fach so gut wie unmöglich (zumindest an unserer Uni).

Es würde hier zu weit führen, alle weiteren Kritikpunkte an der europäischen Bildungspolitik anzuführen.

Wirklich schlimm und erwähnenswert ist jedoch noch die "Titelproduktion" der verschiedensten Fachhochschulen und diverser anderer Kurse. Ich denke, hier liegt auch eine wirkliche Gefährung der Öffentlichkeit vor, denn wie soll etwa ein Patient mit einer Krankheit nun wissen, ob er nun von einem "Dr. med.", also einem Arzt mit mehrjähriger und gründlicher akademischen Ausbildung behandelt wird oder von einem "Dr." der irgendeinen Kurs absolviert hat?
Oder im technischen Bereich: wie kann ich unterscheiden, ob es sich bei meinem Bauauftrag um einen Techniker mit mehrjähriger gründlicher Technikausbildung, also einen "Dipl. Ing" handelt, oder um einen HTL-Absolventen oder einen Fachhochschulabsolventen mit zweijähriger Kurzausbildung, also einen "Dipl. Ing. FH", bei denen das "FH" gerne mal in der Erwähnung vergessen wird?
Speziell im Gesundheitswesen ist es in meiner Umgebung (Tirol) wirklich eher krass, die Doktoren des Gesundheitswesens oder der Pflegewissenschaften ("Dr.") haben nicht mal ausreichend mit venia docendi befugte Lehrer. Diese seltsamen Studienrichtungen sind auch politisch sehr abhängig, gelegentlich zweifelt tatsächlich auch die Politik an der rechtlichen Grundlage solcher Doktorate bzw Doktortitel von sogenannten "Privatuniversitäten", die zudem nur etwa 20.000 Euro für den Studenten kosten. Hier oder dieser Bericht zu einer solchen "Privatuniversität" (UMIT) in Tirol, deren Akkreditierung für ein solches Studium eben wieder entzogen wurde...
Nachtrag:
die Tiroler Tageszeitung schreibt am 2. Oktober 2010 über die Privatuniversität UMIT ["Privat" heißt hier: im Besitz des Landes Tirol] in Hall in Tirol:

Man muss schon viel Phantasie haben, um Fachfragen der Automobilindustrie mit zentralen Aspekten der Gesundheitswissenschaften in Verbindung zu bringen. Zwei Professoren am Department für Human- und Wirtschaftswissenschaften an der UMIT waren dazu auch nicht in der Lage, trotzdem akzeptierten sie eine Dissertation, die sich mit der Bedeutung zwischenbetrieblicher Beziehungen und deren Zulieferpyramiden in der Automobilindustrie beschäftigt hat Diese Doktorarbeit steht aber stellvertretend für Dissertationen, die keinen Gesundheitsbezug haben.

Der Experte des Akkreditierungsrats, der die Vorgänge im Doktoratsstudium der Gesundheitswissenschaften untersucht hat, kommt deshalb zu einem eindeutigen Schluss: „Was Netzwerkstrukturen in den Lieferbeziehungen zwischen Automobilproduzenten mit Gesundheitswissenschaften zu tun haben, ist zwar auch den Gutachtern (...) nicht klar, hindert sie aber nicht daran, die 78-seitige Schrift nach weitgehend inhaltsleeren Aussagen in ihren Gutachten mit ,cum laude' resp. ,magna cum laude' zu bewerten."

Über die Dissertationsgutachten im betroffenen Doktoratsstudium der Gesundheitswissenschaften kann der Sachverständige nur den Kopf schütteln. 14 der 15 untersuchten Dissertationsgutachten, folgert der ÖAR-Experte, „wären auch für eine Diplom- oder Magisterprüfung nicht akzeptabel, weil oberflächlich, in ihren faktischen Feststellungen vielfach widersprüchlich und im Hinblick auf die Bewertungen nicht nachvollziehbar".

So wurden Studenten teilweise unter „Außerachtlassung gültiger Zulassungsbestimmungen“ in das Doktoratsstudium aufgenommen. Gleichzeitig meldet der ÖAR Bedenken gegen eine Habilitierungswelle von internen Mitarbeitern im Sommer 2008 an. Die Verfahren seien zwar, wie es heißt, formal korrekt abgewickelt worden, doch hinsichtlich der Qualität werden die zum Teil sehr kurzen wissenschaftlichen Karrieren im Gutachten als zweifelhaft bezeichnet. So kam es u. a. vor, dass jemand innerhalb von fünf Jahren zwei Masterstudiengänge sowie die Promotion und Habilitation mit anschließender Lehrverpflichtung an der UMIT absolviert hat.

In der Bevölkerung Tirols werden diese merkwürdigen Titel zwischenzeitlich "Dr. Tirolensis" oder "Jodeldiplom" genannt, als ein Synonym für mit Geld erkaufbare Titel. Die Unklarheit für die Bevölkerung bleibt jedoch...

Wikipedia bringt eine ganz gute Definition der Titelmühle.

Nach meiner Einschätzung hätte man das ganze Bildungs-Schlamassel niemals so unüberlegt starten dürfen, jetzt wird es schwierig, das ganze zu ordnen...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #74  
Alt 26.09.2010, 18:21
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Ich war der Meinung, die Bildungsmisere wäre nur in Deutschland so schlimm!? -
Unser Hausarzt hat übrigens keinen Doktortitel, wir sind aber sehr mit ihm
zufrieden. Nach dem frühen Tod seines Vaters mußte er die Praxis eher
übernehmen als geplant, so hatte er nicht mehr die Zeit, seine Doktorarbeit
zu schreiben. Übrigens soll ja dabei auch viel "gemogelt" werden, d.h.
"Auftragsarbeiten", Abschreiben usw. Heuer durch die technischen Hilfsmittel
leichter als früher das Bücherwälzen. Wer prüft eigentlich alle Quellenangaben?
Kommt nicht manchmal nur durch Zufall heraus, daß ganze Textpassagen
einen anderen Urheber haben (wenn überhaupt). - Nun erklärt mir auch noch
den Magister-Titel! Die weibliche Form kannte ich lange nicht! - Ulrike
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  #75  
Alt 21.10.2010, 00:15
volker333 volker333 ist offline
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Lächeln AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Dass der Bachelorabschluss "nichts" wert sei, kann absolut nicht zugestimmt werden!
Wolfgang (SAGEN.at)

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  #76  
Alt 22.10.2010, 20:21
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Dresdner Dresdner ist offline
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Ich habe in meinem Beitrag geschrieben:
Zitat:
Was die Bachelor- und Masterausbildung anbetrifft, kann ich nur für D sprechen.
In D ist die Wertigkeit des Bachelorabschlusses leider so, wie von mir beschrieben. Darüber, wie dies in anderen Ländern ist, kann ich keine Einschätzung treffen.

In D ist die Wertigkeit offiziell mit einem FH-Abschluss vergleichbar, verliehen wird er jedoch auch von Berufsakademien.

An der TU Dresden z.B. kehrt man zumindest in den traditionellen technischen Studienrichtungen zum Glück wieder zu den guten alten und bewährten Diplomabschlüssen zurück - Absolventen mit diesen Abschlüssen sind auch im Ausland wesentlich gesuchter als Bachelor- und Masterabsolventen.

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  #77  
Alt 23.10.2010, 17:20
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Dresdner Dresdner ist offline
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Ergänzung:
Die TUD stellt nun auch die Lehramtsstudiengänge wieder auf Diplom um.
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  #78  
Alt 18.12.2010, 23:12
Mystika Mystika ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von cerambyx Beitrag anzeigen
Super Idee, nach dazu wo ich grade in meiner Region mich mit diesem Thema auseinandersetze ... guckst Du mir etwa irgendwie über die Schulter, Wolfgang? *ggg*

Übrigens: einen "Fast-Start" dieses Themas hatten wir schon im Bereich "Suche" mit dem Thread "Altes Handwerk in Ö" ...

Wie schnell in der heutigen Zeit Berufe kommen und gehen, zeigt mein Eigener:
Ich selber war in der allerersten Klasse der "Büromaschinenmechaniker" in der Berufschule Amstetten - und dieser Beruf wurde schon lange wieder durch die rasante technische Entwicklung am Elektronik-Sektor abgelöst und aufgespalten auf Mechatroniker, Elektroniker, Programmierer, EDV-Techniker, Softwaretechniker usw.
Wie ich diesen Beruf, sein Werden und Vergehen selber erlebt habe, schreibe ich gerade nieder - ich stelle bei Interesse gerne Auszüge davon hier herein ...

Hier bei uns im verträumten Molln sind alte Berufe Tradition - und einer der Traditionsreichsten ist mit dem letzten lebenden Meister der ca. 1600 begründeten Zunft im Jahr 2004 ausgestorben: der Mollner "Schaufelhacker" Norbert Zemsauer starb mit 76 Jahren und hat bis zum Schluss seine Kunst bei diversen Veranstaltungen gern gezeigt.

Literaturtipp: Mohr/Die Geschichte der Mollner "Schauflerzech", 1995, Verlag Ennsthaler, Steyr (hoffentlich noch nicht vergriffen, bei Interesse kann ich im örtlichen Museum nachfragen, die haben das auch angeboten)
Museum Molln

Es grüßt aus Molln
Norbert
Ich hab auch mal bei einem Schreibmaschinenmechaniker gearbeitet.
Ich musste die Schreibmaschinen ausliefern und die Bedienungsanleitung erklären.

Das gibts auch schon lange nicht mehr, so einen Service.

Leider, jetzt könnt ich für den neuen Fernseher solch einen Luxus benötigen, doch die Zeiten ändern sich, leider.
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  #79  
Alt 18.12.2010, 23:15
Mystika Mystika ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Das Beste daran ist ja noch. Es gibt da nicht einmal eine Beschreibung mitgeliefert. Die muß man sich vom Internet holen. Blöd für denjenigen, der keines hat.
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  #80  
Alt 22.12.2010, 02:26
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LS68 LS68 ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Berufe können sich aber auch ändern, oder regional erschlaffen.
z.B. gibt es heute bei uns kaum noch Maurer , die einen Rundbogen oder das alte Handwerk beherschen. in anderen Regionen , wo viel Verklinkert wird ist solche Kunst öfter zusehen. Aufgrund der großvormatigen Baustoffe werden Häuser gut und Günstig erbaut und ähneln sich wie ein ei dem anderen.
Das Berufsbild ändert sich momentan .
Andererseits bin ich momentan als Bohrmeister eingestellt ohne jemals in diesem Beruf auch nur eine einzige Prüfung abgelegt zu haben.
Als Maurer brauchte ich Gesellenprüfung und 3 Gesellenjahre um überhaupt zur Meisterprüfung zugelassen zu werden.
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Stichworte
beruf, diktat, hallknechte, halloren, salzwirker, stenotypistin

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