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  #21  
Alt 09.04.2006, 16:32
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Ursprünglicher Beitrag von Pavel am 19.03.2006. (Wegen Datenbankfehler nachträglich vom Admin erneut eingebracht)

Darin wird Rimma Kyselytsa als Lehrerin beschrieben, die dann als Dolmetscherin bei der "Chornobylinterinform Agency" gearbeitet hat. Ihre Mitarbeit am Aufbau des Tourismus begründete sie in der Notwendigkeit der Region, Geld zu beschaffen, damit etwa Überschwemmungen verhindert oder Waldbrände gelöscht werden können, damit nicht noch mehr kontaminiertes Material freigesetzt wird.

So ist es, sie hat aber nicht für das Geld gearbeitet, denn Vergütung für Personal der Zone ist rein symbolisch, sie hat die Zone wirklich geliebt.

Touristen dürfen ganz kurz den Sarkophag (nur von einer Seite) ansehen und 10 Minuten in Pripjat verweilen, für länger darf sich nie wieder ein Mensch in der Region aufhalten.

Im Winter hat Moderatorteam von pripyat.com die Stadt Pripyat wieder besucht und dort Reporterteam einer russischen Zeitung getroffen. Mit Infrarotkameras ausgerüstet, wollten die nachts Widschweine filmen.
Jungs haben in Pripyat übernachtet.

Wenn man bestimmte Regeln beachtet, darf man mehrere Tage in der Stadt bleiben. Besonders im Winter, wenn es keine Staub gibt.
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  #22  
Alt 09.04.2006, 16:44
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Ursprünglicher Beitrag von Wolfgang am 21.03.2006. (Wegen Datenbankfehler nachträglich vom Admin erneut eingebracht)

Hallo Pavel,

Deine Beiträge zu Tschernobyl sind recht interessant auch auf Pripyat.com sind ausserordentlich gute Themen. Bei mir drängen sich zum Thema Tschernobyl ein paar Fragen auf, vielleicht kannst Du sie beantworten?

1) Der Unfall (besser: die Katastrophe) von Tschernobyl ereignete sich am 26.April 1986 in Prypjat.
Binnen Sekundenbruchteilen um 1 Uhr 23 Minuten und 44 Sekunden war die Region hochgradig verstrahlt, in den 10 Tagen, bis das Feuer gelöscht werden konnte, wurden Tonnen an strahlenden Stoffen zum Teil in sehr hohe Atmosphären-Schichten gebracht und auch über ganz Europa verteilt.

Warum und wie war es möglich, dass die anderen drei Blöcke des Kraftwerkes zum Teil bis in das Jahr 2000 in Betrieb sein konnten?
Ich denke, die Gegend ist für immer hoch verstrahlt, wie konnten da Menschen noch 14 Jahre arbeiten?

2) Kannst Du bitte den Begriff "Stalker" erklären?

Ich habe vor vielen Jahren den Film "Stalker" (1979) von Andrei Arsenjewitsch Tarkowski gesehen, welcher ein unglaublich dramatisches Meisterwerk einige Jahre vor Tschernobyl ist. (Tarkowski war wirklich genial, einer meiner persönlichen Helden).

Auf Priyat.com ist ein kurzer Film mit dem Thema "Stalker", der auf mich so wirkt, wie wenn die Crew unerlaubt in den Kern des Reaktors vorgedrungen wäre, um dort die Dokumentation zu drehen? Ist das wahr?

Hier werde ich nicht schlau, würde mich über Deine Erklärungen freuen.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #23  
Alt 09.04.2006, 16:46
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Ursprünglicher Beitrag von Lisa am 21.03.2006. (Wegen Datenbankfehler nachträglich vom Admin erneut eingebracht)

Servus Wolfgang,

Stalker ist der Film zum Buch "Picknick am Wegesrand" von den Gebrüdern Strugatzki geschrieben. Die "Stalker" sind - hm - vielleicht Raubritter in der "verbotenen Zone". Doch geschieht viel mehr, als dass sie nur verkaufbare Erfindungen etc. dort finden... schwer zu beschreiben...

Gerade heut haben wir uns nach dem Abendessen über die Zeit nach Bekanntwerden des Unglücks unterhalten und dabei sind wir auch auf dieses Buch gekommen. Es ist zu - mysteriös und vielschichtig, als dass ich es hier beschreiben könnte, allerdings kam es mir schon damals in den Sinn. Wenn Du es noch nicht gelesen hast - ein wirklich gutes Buch

Grüße von Lisa (die das Buch bald nochmal lesen wird)
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  #24  
Alt 19.04.2006, 19:09
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

In Österreich sind rund 1.700 Menschen an den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl gestorben oder werden in den nächsten Jahrzehnten noch sterben.

Das schätzt der britische Atomexperte Fairlie auf Basis von OECD-Daten über die Strahlenbelastung in den Ländern Westeuropas.

Österreich war auf Grund der damaligen Regenfälle in dem Gebiet am stärksten betroffen. Ein Drittel des gesamten EU-Gebiets sei durch die Strahlenbelastung verseucht worden.

Nach Messdaten der OECD wurden in Österreich in den ersten drei Jahren nach dem Unglück 16.600 Menschen mit einem Sievert (ein Messwert für biologische Verseuchung mit radioaktiven Strahlen) belastet. Im Durchschnitt könne man aber davon ausgehen, dass etwa zehn Prozent dieser Kennziffer in den Folgejahren als Todesopfer zu beklagen seien, meint der Experte, der so auf die Zahl von rund 1700 Menschen kommt.

Noch mehr Tote habe das Unglück in Italien und Westdeutschland gefordert, wo laut dem Bericht 9200 beziehungsweise 6000 Menschen der Katastrophe zum Opfer fielen oder noch fallen werden. Als Begründung gibt Fairlie an, dass in den beiden Ländern "der Regen anders als in Österreich nicht über den Bergen, sondern über den weit dichter besiedelten Stadtgebieten niedergegangen ist".

Quelle: ORF.at, 19. April 2006 und "Der Standard", 19. April 2006

Wolfgang (SAGEN.at)

Geändert von SAGEN.at (19.04.2006 um 19:13 Uhr)
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  #25  
Alt 20.04.2006, 08:13
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baru baru ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Zitat:
In Österreich sind rund 1.700 Menschen an den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl gestorben oder werden in den nächsten Jahrzehnten noch sterben.

Das schätzt der britische Atomexperte Fairlie auf Basis von OECD-Daten über die Strahlenbelastung in den Ländern Westeuropas.

Österreich war auf Grund der damaligen Regenfälle in dem Gebiet am stärksten betroffen. Ein Drittel des gesamten EU-Gebiets sei durch die Strahlenbelastung verseucht worden.
Die Salzburger Nachrichten halten heute einen recht interessanten Rückblick auf den Frühling 86, die Maßnahmen, die bei uns getroffen wurden, die Unvernunft und die Panik wird geschildert, es wird auch festgestellt, dass seither die Anzahl von Schilddrüsenkrebs gestiegen ist.
Der ausführliche Artikel ist hier nachzulesen: http://www.salzburg.com/sn/06/04/20/...l/2006995.html
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Servus und a guate Zeit! Leni
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  #26  
Alt 24.04.2006, 09:58
terre4 terre4 ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

"Ich war in der Innenstadt Münchens, ein Gewitter lag in der Luft, lastete auf den Dächern, dunkle Wolken, dazwischen das Sonnenlicht, sehr früh für diese Jahreszeit, wie ein Sommergewitter.

Normalerweise liebe ich Gewitter, doch diese schwefliggelbe Stimmung gefiel mir nicht, deshalb flüchtete ich in ein Geschäft, als die Regentropfen fielen...."



Das verstehe ich nicht ganz, weil wir doch erst Tage nach der Katastrophe informiert wurden....
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  #27  
Alt 24.04.2006, 11:10
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Oh - verstehen kann ich es auch nicht, rational zumindest. Intuition? Zufall, dass mir ausgerechnet dieses Unwetter unheimlich war? Es war jedenfalls ein sehr eindrückliches Gefühl und ich hab gelernt, diesen Intuitionen zu trauen. So wie man nicht wissen kann, dass gleich von oben ein Stein herabfallen wird, beim Berggehen oder ein Ast im Wind abbrechen wird, doch irgendwas in uns weiß es doch. Ich glaube, wir haben eigentlich alle eine sehr gute Körperwahrnehmung (oder ich weiß nicht, welchem Sinn man das genau zuschreiben kann) nur leider hören wir oft nicht auf sie.

Grüße von Lisa
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  #28  
Alt 26.04.2006, 00:38
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Gewusst haben wir in den ersten Tagen sehr wenig und es erscheint mir nach zwanzig Jahren sehr schwierig, hier wirklich jenes zu notieren, was wirklich in diesen Tagen war, ohne Beeinträchtigung dessen, was wir später erfahren haben.

Ich glaube, bis zu den ersten Tagen des Mai ist bezüglich jeglicher Strahlenvorkehrung überhaupt nichts passiert. Wie weiter oben beschrieben, habe ich zu der Zeit mit Vorliebe zu Mittag Salat gekauft, bis dieser einige Tage später plötzlich aus dem Verkehr gezogen wurde. Das hat uns aber nicht wirklich beunruhigt.

Wirklich beunruhigt hat uns dann, als in den ersten Maitagen die Kehrmaschinen die Strassen gereinigt haben. Im Radio hieß es auch, der Sand der Kinderspielplätze würde ausgetauscht.

Niemand hat nach dem radioaktiven Regen die Leute gewarnt, die in der Freude auf den Frühling in ihre Gärten gegangen sind um zu "garteln" oder die vielen Ausflügler des 1. Mai 1986...


Nun zum nachträglichen Wissen:
In der ORF-Dokumentation "Thema" vom 24. April 2006 hat der damals zuständige Umweltminister Franz Kreuzer ohne jegliche Schuldgefühle erneut bestätigt, dass er die schon bekannten Strahlenfakten damals nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, da er "Angst vor Panik in der Bevölkerung" hatte...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #29  
Alt 26.04.2006, 10:41
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Was wir wohl alles nicht erfahren, weil wir in Panik geraten könnten? Wird ja nicht besser geworden sein.

Traurige Grüße von Lisa
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  #30  
Alt 26.04.2006, 11:19
peter peter ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Hallo Lisa,
was die Berichterstattung zur Strahlenbelastung im Mai 1986 angeht, fällt mir spontan eine Situation im Messlabor ein: draussen ging gerade ein Gewitter nieder und viele Menschen liefen durch den warmen Regen, eigentlich ganz schön und natürlich. Wir haten ein paar Milliliter Regenwasser gesammelt und begannen mit einer Analyse. Ich hatte bis dahin noch nie so hohe Radioaktivität in einer Umweltprobe gesehen. Alle im Labor waren schockiert.
Im Hintergrund lief, wie immer, ein Radio und in den Nachrichten versicherte uns der damalige Bundeskanzler Fred Sinowatz, dass Österreich viel zu weit weg sei vom Unglücksort und dass wir mit Sicherheit nicht betroffen sein würden.
Seit damals halte ich die Informationspolitik eben für Politik...........
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