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Alt 24.10.2012, 12:19
Hojeweible
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Standard Die Hojemännlen

Karl von Leoperchting schreibt:

"So werden am Lechrain die Kobolde geheißen. Dieser Name rührt wohl allein von ihrem gewöhnlichen Schrei Hojo Hoje, wenn sie tanzen oder Räder schlagen. Sie zeigen sich noch oft und vielfältig, obwohl sie sich aus den Häusern und Städeln beinahe ganz zurückgezogen haben und nur mehr eingegangene Höfe und einsame Waldungen bewohnen. Doch scheuen sie die Menschen nicht sehr und diemalen kann man welchen selbst am lichten Tage begegnen.

Sie sind sehr klein, allzeit grün angethan und ihr Haar und Bart ist wie ein graulechtes Mies (= Moos - Anm. Hojeweible). Sonderlich im Advent, wo allen Geistern vom heiligen Abend bis Dreikönig große Macht gegeben ist sich zu zeigen und vielen Spuk zu treiben, da kann man den Hojemännlen oft begegnen. Sie thun den Menschen nichts zuleide, suchen sie aber zu necken und zu ängstigen.Sie springen dann auf Händen wie auf Füßen und schreien Räder schlagend ihr wehmütig lautes Hojo Hoje. Sehen sie jemanden, der darob Furcht bezeigt, und das ist bei den mehrsten der Fall, dann stürzen sie mit ihren Sprüngen demselben oft zwischen den Beinen durch und in so rascher, toller Folge, daß viele vor Angst vergehen mögten und Manche schon recht krank auf diesen Spuk geworden sind. Auch verbergen sie sich gern in der Nähe menschlicher Wohnungen, sonderlich bei viel aufgerichtetem Holze und weinen nun stundenlang so herzdurchdringend, daß die, so es hören, es auf die Läng nit aushalten können und darüber selbst recht traurig werden.Solcher Erfolg macht den Hojemännlen rechten Gspaß, und zeigen sie sich dann gütig, werfen wohl auch denen, die mit dem Weinen ein Mitleid gezeigt, irgend einen Fund in den Weg, der ihnen wohl nutzbar.

Alterlebte Schäfer und Hüeter, die ihrer wohl viele gesehen, behaupten, den Hojemännlen fehle alle Kraft, denn sie seyen ohne Mark geboren und könnten nur im Verborgenen schaden. Dieß ist aber kaum glaubbar, denn sie haben sich noch immer solchen, die sie tratzen wollten, oder sogar beleidigten, furchtbar an Macht und Stärke gezeigt.

So ging vor längerer Zeit der Vorgänger des jetzigen Wirths in Pitzling, - Raffler hatte er sich geschrieben und war ein starker Mann, denn er war zugleich auch Schmid, eines Abends von Landsberg nach Hause. Wie er auf das Härtel kam, sah er ein Hojemännl lustig herumspringen und schreien. Das hatte er schon öfter gesehen und war ihm nichts Neues; doch hatte er diesen Abend in Landsberg ein bissl zuviel in den Maaßkrug geschaut und war deßhalb etwas aufgeregt und kecken Muths.Wie er nun dem Hojemännl näherkommt und es immer so schreien hört, ruft er ihm herausfordernd zu: "Schreist du hui, so schrei ich Pfui!" Da ward er aber trotz aller Wehr von demselben um den Leib erfaßt und mit Riesenkraft das Härtl hinunter geschleudert, daß er gerade vor der Thür des Pfarrhofs niederfiel. Es sind dies gute fünfhundert Schritte und dem armen Wirth waren, wie man sich denken kann, alle Beiner im Leib zerbrochen, so daß er unter elenden Wehtagen wenige Tage darnach seinen Geist aufgab. Sein Unglück hat er noch allen seinen Leuten recht zu ihrer Warnung erzählen können, und ist es noch vielen erinnerlich, als wär es gestern geschehen.

Da, auf diesem Härtl, so nächst der Teufelskuchen, und auf der Burgwies nach Muntraching zu begegnet man noch häufig denselben. Die Mahder, so mit Tagesgrauen im Hochsommer auf die Burgwies zur Mahd kommen, haben schon öfter im Thau des Grases die schönsten Ringe gesehen, oft weitgedehnt, daß ihrer viele den Reigen getanzt haben müssen. Die Fußstapfen sind aber so buttawinzig klein und leicht auf den Thau gedrückt, daß sie so schnell verschwinden, wie ein Hauch.

Vorigen Sommer spielten einige Kinder auf einer entlegenen Wies am Sonntag Abend das Kinderspiel Messerl, Messerl thue dich kehren, wobei alle in einem Ring um eine kleine Gruben sitzen und ein Messer in die Höhe werfen. Dieß geschieht oft; auf einmal kam das Messer nit mehr herunter, weßhalb die Kinder ganz verhofft in die Höhe schauten. da stand hinter ihnen ein Hojemännl, hatte das Messer zwischen den Zähnen und grinste recht lustig die Kinder an. Die thaten aber einen Allerweltsschrei und liefen in größtem Bang heimwärts."




Es zitierte Euer Hojeweible, - zum besseren Verständnis meiner Verwandtschaft…


Quelle:"Aus dem Lechrain. zur deutschen Sitten- und Sagenkunde" 1855 Karl von Leoprechting, Textneudruck süddeutscher Verlag München 1975, "Karl von Leoperchting - Bauernbrauch und Volksglaube in Oberbayern"
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