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  #11  
Alt 12.01.2015, 20:32
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Schöner Bericht zum Thema! Vielleicht kommen noch mehr? -Ulrike
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  #12  
Alt 12.01.2015, 22:58
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
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Bei uns hieß das auch Kirtag und war meist nach einem Heiligen benannt, oft nach dem Kirchenpatron. Sehr bekannt ist z. B. heute noch der Kolomani-Kirtag in Melk. Koloman ist der Stadtheilige und wir – die Gemeindeangestellten – bekamen sogar den Nachmittag frei, um hingehen zu können. Konnte natürlich nur für die mit „normaler“ Arbeitszeit gelten, also deren Dienst von anderen, die Turnusdienst hatten, übernommen wurde. Als Entschädigung brachten wir den so Verhinderten meist etwas vorbei, einen „Kirda“.

In meinem Heimatort war das eine der wenigen Abwechslungen im Jahr. Es gab ihn 2 X im Jahr und er war früher sehr beliebt, weil es doch Waren gab, die man sonst nicht bekam. Es gab schon eine Liste, was die Großmutter kaufen mußte, wenn wieder Kirda ist. Allgemeines Gelächter bei der Jugend verursachten natürlich die Liebestöter, auch „Pumphosen“ genannt. Warme Damenunterhosen, vorzugsweise in rosa, außen glatt, innen rauh und mit Gummiabschluss knapp oberhalb vom Knie. Es gibt in der Fotogalerie so ein Wunderstück, leider kann ich sie nicht finden.
Sehr beliebt waren auch verschiedene Küchengeräte, die ein Marktschreier (das waren die meisten Standler) demonstrierend anbot, meist schon von einem Berg gehobeltem Gemüse und ähnlichem umgeben.
Der Großvater kaufte fast jedes Jahr einen Hut, aber meist beim Kirtag im Nachbardorf. Die Großmutter schlug schon die Hände überm Kopf zusammen und ich hatte den Verdacht, es gäbe da vielleicht eine hübsche Verkäuferin.

An einen der beiden war auch ein Viehmarkt angeschlossen, da war eine Alleeseite gesperrt und dort hingen dann am Geländer, das die Allee umgab, Rinder und Pferde. Stiere mit verbundenen Augen und Springleinen, das waren Seile, die an den Gelenken vorne angebracht waren, so konnte man verhindern, dass einer „durchging“. Den Pferden wurde ins Maul geschaut und ich hab mich immer gewundert, dass die sich das gefallen lassen. Sie mußten auch ein Stück laufen, damit man ihr Temperament sehen konnte.
Der Viehmarkt hat mich jedenfalls immer mehr interessiert, als der Rest.
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  #13  
Alt 12.01.2015, 23:37
far.a far.a ist offline
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Blinzeln AW: Kirmes

Ich denke, das könnte so eine sein:
http://www.sagen.at/fotos/showphoto....184/ppuser/579
far.a
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  #14  
Alt 13.01.2015, 00:17
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Wie oben geschilderte Waren (Hosen, Küchengerät usw.) gibt es bei uns
an den regelmäßigen Markttagen. Kirmes war Vergnügung(Fahrgeschäfte u. dgl.) u. Süßigkeiten,
natürlich "Bierbuden" ,Würstchenstände, Eis usw. Heuer werden auch
Schmuck, Schals u. einiges angeboten. Pommes u. Crepes haben den
"Türkischen Honig" abgelöst. Schön fand ich immer Kokosnußstückchen,
die durch einen kleinen Wasserbrunnen benetzt wurden. - Schiffschaukel
wurde mir mal schrecklich übel! - Wenn man nachdenkt, kommen viele
Erinnerungen! -Ulrike
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  #15  
Alt 13.01.2015, 10:40
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
In meinem Heimatort war das eine der wenigen Abwechslungen im Jahr. Es gab ihn 2 X im Jahr und er war früher sehr beliebt, weil es doch Waren gab, die man sonst nicht bekam.

Der Viehmarkt hat mich jedenfalls immer mehr interessiert, als der Rest.
Der Adorfer Viehmarkt, von dem ich berichtet habe, war für das Dorf das Ereignis des Jahres zu der Zeit, als man noch kein Auto hatte und nur zweimal täglich ein Bus in die nächste Kleinstadt fuhr. Früher, erzählte mein Großvater, habe jeder im Dorf zum Viehmarkt das Fachwerk seines Hauses frisch mit Ochsenblut gestrichen, damit das Haus wieder festlich glänzte; wer das nicht tat, galt als asozial.

Die Waren, die dort angeboten wurden, dürften die gleichen gewesen sein wie auf deinem Markt – es ist schon lustig, wie verschieden sich die Eindrücke zweier Kinder lesen ... Ich war halt ein geborenes Stadtkind und mein Interesse an Tieren, von denen ich annahm, daß sie mich beißen könnten, war sehr gering.
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  #16  
Alt 13.01.2015, 10:52
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Elfie Elfie ist offline
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Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Ich war halt ein geborenes Stadtkind
Die Unterschiede wurden mir auch erst beim ersten Zusammentreffen mit Stadtkindern (siehe Reisen) bewusst, wir waren von anderen Sternen .

Ich hab die Schießbuden ganz vergessen, vermutlich weil ich zu klein war, um schon Papierrosen zu bekommen . Auch Buden mit aufgestellten Dosen gab es, auf die schoss man mit irgendwelchen Fetzenbällen, die irgendwo hinflogen, nur nicht dort, wo man wollte, vermutlich ein gutes Geschäft für den Betreiber. Was Ulrike "Fahrgeschäfte" nennt, hieß bei uns "Vergnügungspark" mit Schaukeln, Autodrom, Ringelspiel ..., war bei Kirtag etwas abseits des Platzes wegen und auch sehr bescheiden. Richtig hoch her ging es diesbezüglich erst beim jährlichen Parkfest.

Das waren damals alles Sensationen, die man sich heute, wo zu jeder Zeit alles zu haben ist, gar nicht vorstellen kann. In den Städten war das natürlich viel früher der Fall.
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  #17  
Alt 13.01.2015, 11:26
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
In den Städten war das natürlich viel früher der Fall.
Im Prinzip ja. Aber die Städte bestanden und bestehen ja aus "City" und Vororten, und früher kam man trotz existierender Verkehrsmittel nur selten aus seinem Viertel raus, und wenn, dann waren das auch schon "Reisen". Mein Wohnort Babelsberg gehörte zu Potsdam, aber dort kannte ich nur den Park von Sanssouci von einigen Sonntagsausflügen. Berlin lag näher, aber davon kannte ich als Kind nur den Markt in Wannsee, der sich dort wegen der Ostzonen-Käufer angesiedelt hatte. Einmal fuhren wir zur Berliner Funkausstellung, des anschließenden Feuerwerks wegen, und das war schrecklich: Das Feuerwerk mit seiner Knallerei empfand ich als Krieg (der seit fünf Jahren vorbei war), und hinterher gab es im Bahnhof im Gedränge eine Massenpanik – sowas zu erleben wünsche ich keinem.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn es in Berlin zeitlich früher große Rummelplätze gab, so bekam das Babelsberger Vorstadtkind davon doch nichts mit.
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  #18  
Alt 13.01.2015, 12:19
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Elfie Elfie ist offline
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Zitat:
Zitat von far.a Beitrag anzeigen
Ich denke, das könnte so eine sein:
http://www.sagen.at/fotos/showphoto....184/ppuser/579
far.a
Entschuldige, das hab ich übersehen: ja, das Foto hatte ich gemeint, aber die hier ist schon die Luxusausgabe .

Das hörte ich später immer wieder: dass Kinder auch in der Stadt aus ihrem "Grätzel" kaum rauskamen, weil ja auch die Verkehrsmittel Geld kosteten oder schon beide Eltern arbeiten gingen, was auf dem Land ja noch nicht der Fall war - und daher auch die Mutter keine Zeit hatte, mit dem Kind wo hin zu gehen. Abgesehen davon, dass der Alltag schon mühsam und zeitraubend genug war ohne technische Hilfsmittel im Haushalt.

Interessant finde ich auch deine Erzählung vom Feuerwerk. Wie kann ein Kind unterscheiden, dass die Geräusche, welche es mal als schrecklich und lebensbedrohlich erlebt hatte, plötzlich Lust und Vergnügen sein sollten.
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  #19  
Alt 13.01.2015, 12:42
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Das hörte ich später immer wieder: dass Kinder auch in der Stadt aus ihrem "Grätzel" kaum rauskamen ...

Interessant finde ich auch deine Erzählung vom Feuerwerk. Wie kann ein Kind unterscheiden, dass die Geräusche, welche es mal als schrecklich und lebensbedrohlich erlebt hatte, plötzlich Lust und Vergnügen sein sollten.
In einer Stadt wie Berlin ist es immer noch so, daß man nicht Berlin als seinen Wohnort empfindet, sondern seinen "Kiez" – Spandau, Weißensee, Köpenick etc. –, daß man zwar mit der S- und U-Bahn überall hinkommt, das aber als "Staatsaktion" empfindet und nur in Anspruch nimmt, wenn irgendwas Besonderes anliegt. Ich wohnte von 1999 bis 2007 in Berlin-Weißensee und habe keine Ahnung, wo und wann es eigentlich Volksfeste gab, obwohl ich diese Veranstaltungen immer geliebt habe. Dafür habe ich ein Stadtteilfest in Weißensee mit organisiert.

Feuerwerk hat mich noch jahrzehntelang geängstigt. Aber da befand ich mich ja in guter Gesellschaft: Meine armen Katzen kamen immer erst am Neujahrsmorgen vorsichtig wieder unterm Bett hervor.
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  #20  
Alt 13.01.2015, 16:41
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Ich kenne viele Ältere, die kein Feuerwerk lieben, weil die Knallerei sie an den
Krieg erinnert. - Unsere Kirmes endet übrigens auch immer mit einem
Feuerwerk! Auch zum Jahreswechsel wurde diesmal gehörig "herumgeballert".
einige Haustiere verkriechen sich dann ängstlich. Es gibt ja auch "Goldregen"
u.a. schön anzusehender Feuerzauber, der nicht so laut kracht wie
z.B.
Chinaböller. Aber jedem das Seine...
Nochmal zur Kirmes: Zur Eröffnung werden immer Freifahrten unters Volk
gebracht, ein unwahrscheinliches Gedränge u." Gepuffe", ich hasse das.
Besser wäre es, wirklich Bedürftigen diese vorab zukommen zu lassen
(z.B. durchs Jugendamt, Diakonie oder so - was haltet ihr davon, denn
Kirmes ist ein teures Vergnügen geworden u. viele können es sich nicht
erlauben. Mir tut es immer leid, wenn Kinder zusehen müssen, wie andere
aus dem Vollen schöpfen. ) Ich ging übrigens mit 1 DM zur Kirmes, vor
ca. 55 Jahren , nur mal zum Vergleich. Heuer sind 20 Euro an Kaufkraft
weniger - meiner Meinung nach. Was meint ihr? -Ulrike
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