SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > Aberglaube

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 01.11.2009, 10:18
Benutzerbild von Hornarum48
Hornarum48 Hornarum48 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2009
Ort: Horn und Wien
Beiträge: 1.211
Standard Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Im nördlichen Niederösterreich (zuletzt gehört im mittleren Weinviertel) war es im 20. Jahrhundert bei der ländlichen Bevölkerung noch gelegentlich üblich, den bei einem Begräbnis zu Ehren des Beerdigten obligaten Leichenschmaus unter dem Titel "Jetzt ess man zam" (jetzt essen wir ihn zusammen) abzuhalten. Spötter meinen dazu, dass damit nicht primär der Leichenschmaus sondern eigentlich symbolisch der Tote gemeint war.
Ob sich dadurch der letzte Rest einer Ersatzhandlung für Kannibalismus dokumentiert?
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 01.11.2009, 10:39
gropli gropli ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.09.2006
Beiträge: 304
Standard AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Hoi Hornarum

Ich glaube du interpretierst das falsch, mit Kannibalismus hat das nichts zu tun. Das Leichenmahl ist eher ein typisches Übergangsritual: Die Zeit der Trauer ist vorbei, es kehr wieder der Alltag ein.

In der Trauerzeit richtet sich der Fokus auf den Verstorbenen. Man trauert und gedenkt ihm. Diese Phase gipfelt sozusagen in der Beerdigung; der Leichnam wird im Beisein der Bevölkerung bestattet und „der Erde zurückgegeben“. Das anschliessende Leichenmahl bildet dann den Wendepunkt. Nicht mehr der Tote ist im Zentrum, sonder der Alltag kehrt zurück.
Schon manches Leichenmahl entwickelte sich im Laufe des Tages zu einem rauschenden Fest. Die Normalität ist wieder zurück …

Bei uns trifft sich die Trauerfamilie nach einem Monat zum „Dreissigsten“. Und nach einem Jahr zum „Erstjahrzig“. Und damit ist die Trauerzeit dann endgültig beendet.


Gruss gropli


.
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 01.11.2009, 10:59
Benutzerbild von Hornarum48
Hornarum48 Hornarum48 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2009
Ort: Horn und Wien
Beiträge: 1.211
Standard AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Natürlich! So kann man das ja auch bei Wikipedia nachlesen! Hier sollte die Meinung von Zeitzeugen, die in derselben Tradition wurzeln, aufgeführt werden! Archaisch anmutende Aussagen und Handlungsweisen sind auch heute immer wieder feststellbar, lassen sich aber meist nicht weit und vor allem zweifelsfrei rückverfolgen!
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 01.11.2009, 11:09
gropli gropli ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.09.2006
Beiträge: 304
Standard AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Zitat:
Zitat von Hornarum48 Beitrag anzeigen
Natürlich! So kann man das ja auch bei Wikipedia nachlesen! Hier sollte die Meinung von Zeitzeugen, die in derselben Tradition wurzeln, aufgeführt werden! Archaisch anmutende Aussagen und Handlungsweisen sind auch heute immer wieder feststellbar, lassen sich aber meist nicht weit und vor allem zweifelsfrei rückverfolgen!
Das tönt für mich eher etwas nach Wunschdenken.
Auf welche Tradition, archaisch anmutenden Handlungsweisen beziehst du dich? Bitte erläutere das mal etwas ausführlicher...


Gruss gropli


.
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 01.11.2009, 12:18
Benutzerbild von Hornarum48
Hornarum48 Hornarum48 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2009
Ort: Horn und Wien
Beiträge: 1.211
Standard AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Ich denke dabei beispielsweise an das Wallfahrtswesen oder an die sogenannte Volksmedizin, Bereiche, die sicherlich seit der Urzeit in irgend einer Art existieren! Auch das Numen wurde ja nicht immer wieder neu erfunden, das existiert jedenfalls seit der Steinzeit!
Mit Wunschdenken hat das meinerseits nichts zu tun, ich stehe diesen Dingen neutral gegenüber und versuche nur zu dokumentieren!
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 01.11.2009, 15:14
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Frage AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Das gemeinsame Essen war manchen nicht so wichtig wie ein feucht-fröhliches
"Gedächtnisstrinken". Vulgär gesprochen heißt es bei uns: Fell versaufen.
Woher stammt wohl dieser Ausdruck? Ist er auch woanders( noch )geläufig?
Dies fragt sich Ulrike
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 02.11.2009, 12:41
Benutzerbild von Käuzchen
Käuzchen Käuzchen ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 25.12.2007
Ort: Thüringen/Deutschland
Beiträge: 40
Standard AW: Letzte Zeugnisse von Kannibalismus?

Es könnte auch was damit zu tun haben, daß früher in der Regel der Leichenschmaus aus dem zurückgelassenen Vermögen des Verstorbenen bezahlt wurde.

Bei den Germanen/Wikingern war es früher üblich, das Vermögen eines Toten dreizuteilen.
Ein Teil wurde dem Toten mit ins Grab bzw. ins Feuer gegeben.
Einen Teil erhielten die Hinterbliebenen.
Und den dritten Teil verwendete man, um ein Fest für den Toten zu feiern.
Mit Zitat antworten
Antwort

Stichworte
feier, grab, kannibalismus, leichenschmaus, tod

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:41 Uhr.


©2000 - 2019 www.SAGEN.at