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  #1  
Alt 12.11.2014, 13:00
Babel Babel ist offline
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Das sind zwei Seiten aus einem alten Schulheft. Am 6. Mai 1903 schreibt die Schülerin (6. Schuljahr), was sie im Unterricht über die alten Germanen gelernt hat.

Wer kann das noch lesen? Wer kann es noch schreiben? Hat es noch jemand in der Schule gelernt? Oder wo bzw. von wem sonst?
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Schulheft1903.jpg  
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  #2  
Alt 12.11.2014, 16:37
harry harry ist offline
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Ich musste (durfte) diese Schrift in der Schule noch lernen. Leider ist sie inzwischen, wie die Fraktur, ausgerottet, da man sie nach dem Krieg mit gewissen politischen Ansichten verknüpfte. Was kann denn da die Schrift dafür?
Ich halte die Sütterlin oder deutsche Schreibschrift, wie sie bei uns genannt wurde, für die typische Schrift underer Sprache. Auch wenn manche Regeln das Schreiben erschweren, pflege ich sie immer noch dann und wann.

In der Beilage ist eines meiner Schriftblätter zu sehen, auch wenn es an das der Schülerin aus Neuburg an der K(ammel?) nicht heranreicht. Ich habe auch nie einen "Römischen Einser" dafür bekommen
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Harry
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  #3  
Alt 12.11.2014, 17:30
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
Ich musste (durfte) diese Schrift in der Schule noch lernen. Leider ist sie inzwischen, wie die Fraktur, ausgerottet, da man sie nach dem Krieg mit gewissen politischen Ansichten verknüpfte. Was kann denn da die Schrift dafür?
Ich halte die Sütterlin oder deutsche Schreibschrift, wie sie bei uns genannt wurde, für die typische Schrift underer Sprache. Auch wenn manche Regeln das Schreiben erschweren, pflege ich sie immer noch dann und wann.

In der Beilage ist eines meiner Schriftblätter zu sehen, auch wenn es an das der Schülerin aus Neuburg an der K(ammel?) nicht heranreicht. Ich habe auch nie einen "Römischen Einser" dafür bekommen
Na, das ist doch wunderschön geschrieben!

Wir haben sie in der Schule nicht mehr gelernt. Ich habe sie "privat" gelernt, weil ich sie schön fand: Ich sah diese Schrift bei meinem Vater, der sie auch nur "privat" benutzte, da sie ja offiziell bereits abgeschafft war. Meine Mutter (Jahrgang 1911), die sie ja in der Schule noch als die "normale" Schrift gelernt haben muß, konnte sie in den 50er, 60er Jahren kaum noch lesen. Ich kann sie noch genauso gut schreiben wie die lateinische Schrift – wenn man davon absieht, daß ich kaum noch mit der Hand schreibe und Notizen in Lebenslagen ohne Computer (unterwegs etc.) eher in Steno mache.

Meine erste Arbeitsstelle hatte ich 1962 bei der Ulmer Stadtverwaltung. Ich wurde gefragt, ob ich möglicherweise diese altmodische Schrift noch lesen könnte. Als ich es bejahte, bekam ich ein dickes Papierbündel vorgelegt – ich solle das in Maschinenschrift übertragen. Es war der Prüfbericht über die Arbeit des Standesamtes; ein Beamter im Ruhestand hatte sie angefertigt, und sie lag da schon seit zwei Jahren, ohne daß man jemanden gefunden hätte, der das noch hätte lesen können. 1962! – das hat mich schon sehr gewundert.

Für diejenigen, die die zwei Seiten aus dem Schulheft nicht mehr lesen können, sollte ich vielleicht eine Übersetzung liefern:

Die alten Germanen.
1. Name. Die ältesten Deutschen wurden Germanen genannt.
2. Aussehen. Sie waren von hoher Gestalt, hatten eine weiße Hautfarbe, herabhängende, blonde Haare, blaue Augen und einen kühnen Blick.
3. Kleidung. Ihre Kleidung bestand aus Tierfellen, oder aus grober Leinwand.
4. Nahrung. Fleisch und Milch bildeten die gewöhnliche Nahrung und besonders gern tranken sie Bier und den süßen Met aus den Hörnern des Ur.
5. Wohnung. An einen Fluß mitten in ihren Feldern bauten sie ihre hölzerne Hütte.
6. Beschäftigung. Sie beschäftigten sich besonders mit der Jagd, wenn sie der Krieg nicht hinderte. Die Hausarbeiten versorgten die Hausfrauen und die Feldarbeiten die Leibeigenen.
7. Fehler und Tugenden. Trunksucht und leidenschaftliches Würfelspiel waren die Hauptfehler der Germanen. Die Haupttugenden aber waren: Gastfreundschaft, Tapferkeit und Vaterlandsliebe.

Der Sonntag.
Feierlich tönt das Geläute der Morgenglocke über das Feld dahin. Tiefe Ruhr liegt über der ganzen Natur ausgebreitet. Die Hirten ruhen friedlich neben ihren Herden auf dem Felde. Die Bauern ziehen im Sonntagskleide zur Kirche. Die Natur hat auch ihr Sonntagskleid umgelegt; denn überall erglänzt der Tau. Die Vögel begrüßen den Sonntag mit schönem Gesang. Würziger Duft entströmt den Blumen in Feld u. Wald.


Ich fand diese Germanentümelei im Jahre 1903 (!!!) interessant.
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  #4  
Alt 12.11.2014, 17:59
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Elfie Elfie ist offline
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Ich kenne das unter Kurrentschrift. Meine Mutter hat sie geschrieben (natürlich nicht nur), scheinbar war das damals (Jahrgang 1928) die normale Schulschrift. Ich hatte sie in "Schönschreiben". Lesen kann ich sie noch, schreiben nicht mehr so gut.
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  #5  
Alt 12.11.2014, 18:08
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von Elfie Beitrag anzeigen
Ich kenne das unter Kurrentschrift. Meine Mutter hat sie geschrieben (natürlich nicht nur), scheinbar war das damals (Jahrgang 1928) die normale Schulschrift. Ich hatte sie in "Schönschreiben". Lesen kann ich sie noch, schreiben nicht mehr so gut.
Lt. Google wurde sie in den Schulen 1942 abgeschafft.
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  #6  
Alt 12.11.2014, 19:55
harry harry ist offline
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Zitat:
Zitat von Babel Beitrag anzeigen
Lt. Google wurde sie in den Schulen 1942 abgeschafft.
Das stimmt nur teilweise: Als "Normalschrift" ja, aber im Fach (Schön-) Schreiben musste ich sie noch Anfang der 1960er Jahre in der Schule lernen.
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Harry
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  #7  
Alt 12.11.2014, 20:09
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von harry Beitrag anzeigen
Das stimmt nur teilweise: Als "Normalschrift" ja, aber im Fach (Schön-) Schreiben musste ich sie noch Anfang der 1960er Jahre in der Schule lernen.
Schönschreiben – in welcher Klasse? Das habe ich in Deutschland zwar auch noch als Fach kennengelernt, aber nur in den alleruntersten Klassen – und da hätte man den Kindern doch nicht das Erlernen einer zweiten Schrift zumuten können?

Aber ich erinnere mich, daß einige Lehrer diese Schrift noch im Schnelldurchgang gelehrt haben, wenn bei den 13-, 14jährigen Schülern Interesse daran bestand (damit sie noch die Briefe ihrer Großeltern lesen konnten). In unserer Klasse wurde es nicht gelehrt, und ich weiß auch von keiner Freundin aus anderen Klassen oder Schulen, die das interessiert hätte.

Dann hätte es in Österreich 1962 genug Leute gegeben, die dieses Manuskript eines alten Beamten hätten lesen können, mit dem ich meinen beruflichen Einstand gab.
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  #8  
Alt 13.11.2014, 19:55
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baru baru ist offline
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Auch ich gehöre zur Generation, die die Kurrentschrift noch im "Schönschreiben" gelernt hat, und zwar in der 4.Kl. VS, in der 1.Kl. HS und im Zeichenunterricht in der LBA (Lehrerbildungsanstalt).
Geschrieben wurde entweder mit Bleistift oder Spitzfeder im Federstiel.
Ich kann sie noch schreiben und lesen (dadurch bekomme ich manchmal Zugang zu älteren interessanten Schriftstücken )

In den "Notenbücheln", die Lehrer am Schulanfang erhielten, waren neben aktuellen Neuerungen das Schulgesetz betreffend, auch immer Schrifttabellen mit den Schulschriften, incl. Kurrentschrift.

Verordnungsblatt 1951 Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

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Schreibenlernen in österr. Schulen: (Quelle: Frohes Lernen 1948, Reprint 1996)
1909 Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

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Mit "Frohes Lernen 1948" hat auch meine Schullaufbahn begonnen , hier kann man darin blättern: http://www.schulmuseum.at/vsm/raum2/froheslernen.pdf
Man beachte: Am Buchende sind Geschichten in Fraktur!
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Servus und a guate Zeit! Leni
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  #9  
Alt 13.11.2014, 20:15
Babel Babel ist offline
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Zitat:
Zitat von baru Beitrag anzeigen
Verordnungsblatt 1951
Schreibenlernen in österr. Schulen: (Quelle: Frohes Lernen 1948, Reprint 1996)

Mit "Frohes Lernen 1948" hat auch meine Schullaufbahn begonnen
Man beachte: Am Buchende sind Geschichten in Fraktur!
Schön, die Schriftproben und Lesebuchseiten!
Meine Schulzeit begann im Herbst 1944 und endete dann erstmal im April, als die Rote Armee vor Berlin ankam. Für ein paar Tage hatte die Schule ein Ausweichquartier näher an meiner Wohnsiedlung in Potsdam-Babelsberg, dann war Schluß. Bis dahin hatten wir alle Kleinbuchstaben und wohl auch die ersten Großbuchstaben durchgenommen. Was fehlte, lernte ich allein zu Hause. Da die Bücher in unserem Haus, die für eine Leseanfängerin "kindgerecht" genug waren, teilweise in Fraktur gedruckt waren, habe ich das gleichzeitig lesen gelernt, ohne daß mir ein Unterschied auffiel. Erst als Erwachsene habe ich gemerkt, daß die lateinische und die Fraktur zwei verschiedene Druckschriften sind.
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  #10  
Alt 13.11.2014, 20:49
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Elfie Elfie ist offline
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Ich denke auch grad drüber nach, wann ich Frakturschrift lesen gelernt hab und ob das mit der Schule zu tun hatte. Bei den Großeltern gab es so viele alte Bücher vom Onkel, der gefallen war, ich hab alles gelesen, was mir in die Finger kam.
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