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  #1  
Alt 16.06.2007, 02:02
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Registriert seit: 02.04.2005
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Standard Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Wir stehen vor einer Fragestellung, für die wir hoffen, dass wir gemeinsam eine Lösung finden?

Die SAGEN.at-Fotogalerie versteht sich ja primär als Foto-Forum für kulturelle Dokumentation jeder Art.

Nun stellt sich das Problem, dass mit HDR-Fotos (High Dynamic Range, also das Erhöhen des Kontrastumfanges der Fotos durch Mehrfachbelichtung) zwar mehrere Fotos eines Motives aufgenommen werden, diese Mehrfachbelichtungen aber auf Endgeräten zum derzeitigen Stand der Technik nicht dargestellt werden könnnen.

Es benötigt dazu noch einen Zwischenschritt, das so genannte "Tone-Mapping", um das Foto für Endgeräte (Bildschirme, Drucker etc.) des heutigen Standes der Technik zu berechnen.

Damit ergibt sich zweifellos die Fragestellung, ob ein künstlich berechnetes Bild als volkskundliches Dokumentarfoto anerkannt werden kann oder nicht?

Im Rahmen unserer Fotogalerie, stellt sich u.a. die Frage, ob der/die Bildautor/in HDR-Fotos als solche markieren soll oder nicht?

Was ist nun ein kulturelles Dokumentarfoto mit authentischer Berechtigung? Das Foto aus der Kamera oder das berechnete Bild?
(Ich denke, das ist eine Fragestellung, der sich neben uns auch eine Reihe anderer kulturwissenschaftlicher Institutionen stellen muss...)

Es ist damit zu rechnen, dass noch innerhalb des Jahres 2007 die ersten Kameras auf den Markt kommen, die HDR-Fotos im Gerät produzieren.

Nimmt das menschliche Auge die Realität tatsächlich so wahr wie in HDR-Dokumentationen?

Waren alle Digitalkameras die vor dem Jahr 2008 produziert wurden Sondermüll wegen des geringen Kontrastumfanges?

Wir freuen uns auf Eure Diskussionsbeiträge und Lösungsvorschläge für die SAGEN.at-Bildgalerie.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 16.06.2007, 09:24
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
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Registriert seit: 04.03.2006
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Ausrufezeichen AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Guten Morgen!
als Informationsverarbeiter bin ich der Meinung dass solche Fotos gekennzeichnet werden sollen, um die Unterscheidbarkeit zu gewährleisten. Ich hoffe aber, dass dies durch den Hersteller/Entwickler in einer Form geschieht, das Manipulationen unterbindet. Die Endungen .JPG, .RAW usw. sind leider nicht aussagekräftig weil Umrechnung möglich ist und dadurch der Hinweis auf das Erstformat verlorengeht.

Daß ein "berechnetes" Foto bei HDR entsteht, stört mich in keinster Weise, da dadurch Details wohl besser Sichtbar werden, die Dokumentation dadurch exakter.

Auch bisher schon wurden digitale Bilder ja "berechnet" - man vergleiche mehrere Bilder mehrerer Kameras in mehreren Formaten (GIF-TIF-RAW-JPG), auch bisher kamen differente Ergebnisse mit differenten Farbwerten, Schärfen, Kontrasten heraus.

Nimmt man die differenten Lichtempfindlichkeiten der Filme bzw. Lichtstärken und Vergütung der Optiken analoger Kameras her, sind auch hier schon differente Ergebnisse "geplant" (=errechnet im weitesten Sinn) erarbeitet worden .... von der erfolgten weiteren Bearbeitung im Fotolabor ganz zu schweigen ...

Liebe Grüße
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
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  #3  
Alt 16.06.2007, 10:33
harry harry ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 29.04.2005
Ort: Klosterneuburg, Bezirk Tulln
Beiträge: 11.748
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Das ist wirklich ein interessantes Thema, das ich bisher noch nicht beachtet habe. IMHO muss man unterscheiden zwischen Bearbeitung und Verfremdung.

Verfremdung wäre Hinzufügung und Entfernung von Bildinhalten und ist bei Dokumentarfotos abzulehnen.

Unter Bearbeutung verstehe ich z.B. perspektivische Entzerrung, Belichtungskorrektur, Wahl des Ausschnittes oder Drehen eines schief aufgenommenen Fotos. Alles eben, das den Bildinhalt und die Aussage nicht verändert. Das ist bei vielen Bildern auch unumgänglich.
HDR ändert nichts am Bildinhalt, ganz im Gegenteil, es zeigt Details, die man so, ohne diese Technik bisher nicht wiedergeben konnte.

Es ist die hohe Verantwortung des Fotografen, den Betrachter seiner Bilder nicht zu täuschen.

Noch ein Gedanke dazu: Ein Schwarzweiß-Foto wäre ja ebenso eine Verfremdung, wie HDR, nur eben in die andere Richtung
__________________
Harry
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  #4  
Alt 16.06.2007, 12:33
siegi siegi ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 03.06.2007
Ort: Klagenfurt
Beiträge: 1.079
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Bis heute hab ich die HDR Technik mangels Stativ noch nicht ausprobiert, finde sie aber im Bereich von Innenaufnahmen in größeren Gebäuden bei schwierigen Lichtverhältnissen hervorragend geeignet. Besonders in Kirchen und Museen kommen durch den größeren Kontrastumfang hervorragende Ergebnisse, die als Dokumentation ihren Platz haben. Das Tone Mapping kann in erträglichen Grenzen gehalten werden.
__________________
mfG siegi
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  #5  
Alt 17.06.2007, 01:40
harry harry ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 29.04.2005
Ort: Klosterneuburg, Bezirk Tulln
Beiträge: 11.748
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Ich würde das ganze Thema, wie bereits geschrieben, etwas komplexer angehen und nicht nur HDR-Fotografie betrachten:

Hier ein Beispiel für doch recht starke Veränderung des Originals: Das Bild Bodenfliesen 6 konnte ich so nicht machen. Der Hausflur war finster und ein normal zu den Fliesen geblitztes Bild hätte so gespiegelt, dass es unbrauchbar geworden wäre. Also habe ich es schräg aufgenommen und die Kamera verkehrt herum gehalten, damit das Blitzlicht unten ist und besser ausleuchtet.

Das Original habe ich dann so entzerrt, dass die Fliesen wieder halbwegs quadratisch erschienen, was sie in Wirklichkeit ja auch sind


[SIZE=1]Original und Verfremdung[SIZE]

Für mich eine erlaubte "Verfremdung" des Originals. Oder?
__________________
Harry

Geändert von harry (17.06.2007 um 01:43 Uhr)
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  #6  
Alt 18.06.2007, 10:39
peter peter ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2006
Beiträge: 3.306
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Guten Morgen allerseits,
ich denke, die HDR-Technik serioes und verantwortungsbewusst eingesetzt, kann die Dokumentarfotografie durch Brillianz und Kontrastreichtum doch nur bereichern. Bildverfremdungen bis hin zu Retuschen sind eigentlich so alt wie die Fotografie selbst und es war von Anfang an eine Frage des Vertrauens ob man einem Bilddokument Glauben schenkt oder nicht.
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  #7  
Alt 18.06.2007, 11:48
Benutzerbild von claru
claru claru ist offline
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Daumen hoch AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

ich stimme peter vollinhaltlich zu!
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  #8  
Alt 25.06.2007, 01:48
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 31.336
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Ich denke, man solte den Wahrheitsanspruch bzw Wirklichkeitsanspruch von HDR-Fotos schon kritischer sehen.

Ich kann als Fotograph mit absoluter Sicherheit behaupten, dass etwa dieses Foto zwar am Bildschirm ganz interessant aussieht, jedoch mit der Realität hat der blaue Himmel (durch Tonemapping entstanden) relativ wenig zu tun, da es um 22.23 stockdunkel war...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #9  
Alt 25.06.2007, 10:58
Benutzerbild von claru
claru claru ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 28.04.2005
Ort: Saskatchewan, Canada
Beiträge: 2.199
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

wie ist es mit dem wahrheitsanspruch von diesem foto? ich kann als fotografin bestätigen, dass das gras zum zeitpunkt der aufnahme in realität nicht so grün und es stark bewölkt war und 10 minuten später ein grauslicher regenguss niederging. ohne hdr-technik habe ich im photoshop mittels gradationskurven und kontrasten das grün "betont".
der bildausschnitt ist also real, es gab und gibt das gras, das kreuz und die bäume. was das farbspektrum betrifft, nimmt wohl jede person farben individuell wahr bzw. stellt auch jeder bildschirm farben unterschiedlich dar. zum beispiel gibt es ganz allgemein digital-fotos mit fotobereichen, die auf meinem röhrenmonitor mit dunklem kontrast daheim stark unterbelichtet dargestellt werden und kaum erkennbar sind, während sie gleichzeitig auf meinem tft-monitor mit hellem kontrast im büro völlig anders wirken und detailliert erkennbar sind.

Geändert von claru (25.06.2007 um 16:38 Uhr)
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  #10  
Alt 25.06.2007, 17:12
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 20.07.2005
Beiträge: 2.512
Standard AW: Frage: HDR - Fotogalerie und Dokumentarfoto?

Ich glaube wir sollten uns nicht auf eine "Wahrheits- und Wirklichkeitsdiskussion" einlassen, auch wenn sie "nur" auf die Fotografie bezogen ist.

Im übrigen glaubt sicher niemand, dass das Sommersonnenwendfoto von Wolfgang bei hellichtem Tag geschossen wurde und auch wenn Claru das grüne Gras sehr gut bearbeitet hat, habe ich als Betrachter nicht auf einen traumhaften Sonnentag geschlossen.

Ich stelle eigentlich nur die dpi-Größe der Bilder in Frage....

Berit
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