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  #11  
Alt 03.03.2006, 14:45
Nicobär Nicobär ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

zu den Feldgeschworenen bin ich gerade auf diesen Link gestoßen. Den Begriff des Felgeschworenen definieren die Brüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch so. Eine andere Bezeichnung ist auch Vierrichter - da lohnt es sich sicherlich auch einmal nach zu googeln.
Ich wette, dass es auch in anderen Regionen eine derartige Institution gegeben haben muss.

Zum Thema Landvermesser: eine andere, ältere Bezeichnung ist auch - wie ich eben herausgefunden habe 'Feldmesser' (wenn man nachgoogelt sollte man eventuell den Begriff 'Grenzsteine' mit eingeben, denn sonst werden da auch noch Artikel gefunden, die mit der Landvermessung nichts zu tun haben.

Geändert von Nicobär (03.03.2006 um 15:34 Uhr)
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  #12  
Alt 03.03.2006, 23:31
Benutzerbild von gavial
gavial gavial ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

Die in Österreich heute noch übliche Bezeichnung für Landvermesser ist "Markscheider" (ein - mir nicht bekanntes - Vermessungsbüro firmiert sogar im Internet unter "markscheider.at") ...
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  #13  
Alt 04.03.2006, 17:23
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

Wirklich interessantes Thema, werde ich im Forum weiterhin aufmerksam
verfolgen! Grüße von Ulrike
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  #14  
Alt 04.03.2006, 20:00
Huber Huber ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

Kenne da eine Sage aus der Steiermark, muß ich aber noch genau nachschauen. Ich weiß nur, sie spielt in Tragöß in der Nähe des grünen Sees. Werde forschen und kundtun.

EH
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  #15  
Alt 04.03.2006, 20:59
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gavial gavial ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

Auf SAGEN.at habe ich zu "Grenzstein" 39 Ergebnisse bekommen und zu "Markscheider" immerhin 2 !!!
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  #16  
Alt 04.03.2006, 23:41
Lisa Lisa ist offline
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Standard AW: Grenzsteine

Langsam arbeitet es wieder, das Thema (iss ja schon ne Weile her, seit ich es hier eingebracht hab). Grad in Zusammenhang mit der armenischen Geschichte, mit dem Finger abhacken (auch den Kopf eines Kindes in das Loch zu stecken, damit es sich den Ort merkt, klingt ja barbarisch, aus heutiger Sicht)...

Es ist eigentlich merkwürdig. Unser Haus wurde 1904 gebaut, die Welt war schon damals nicht mehr so groß, trotzdem befindet sich der "More", der Grenzstein, außerhalb unserer Grundstückeinfassung. Land war damals längst nicht so teuer wie heute.

Geht es bei Grenzsagen, -mythen, -märchen vielleicht um noch viel tieferliegende Dinge? Die meisten dieser Sagen spielen auf dem Land, wo es auf ein, zwei, drei Quadratmeter nicht unbedingt ankam.

Muss ich weiter nachspüren, da ist was... ich weiß es, wenn auch nicht bewusst

Liebe Grüße von Lisa
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  #17  
Alt 05.03.2006, 07:05
D.F. D.F. ist offline
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Beiträge: 394
Standard AW: Grenzsteine

Darf ich zu zwei Punkten in aller Friedlichkeit Widerspruch anmelden?

1. Zum Markscheider:
Nach meinem Wortverständnis - vorsichtshalber abgesichert durch diverse Wörterbücher - beschäftigt sich der Markscheider mit dem Vermessungswesen nur, soweit es den Bergbau betrifft, legt also über Tage höchstens Grubenfeldgrenzen fest, und ist mitnichten dasselbe wie ein Feldmesser oder gar ein Feldgeschworener.

2. Zur Wichtigkeit von Grenzen:
Die Vorstellung, auf "ein paar Quadratmeter" komme es nicht an und hinter den zahlreichen Grenzsagen könne/müsse sich daher Tieferes verbergen, widerspricht meines Erachtens den ländlich-bäuerlichen Vorstellungen ganz und gar.
Hier das Offensichtliche anzuzweifeln, um ein Verborgenes zu finden, dürfte kaum weit führen.
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  #18  
Alt 05.03.2006, 10:15
Lisa Lisa ist offline
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Beiträge: 198
Standard AW: Grenzsteine

Ja D.F., natürlich gehts bei Grenzen auch ums Offensichtliche, vor allem in der heutigen Zeit, wo jeder qm sehr sehr viel wert ist. Der Altbauer hat erzählt, früher seien die Grundstücke vor allem durch Bäche etc. markiert gewesen, klar, irgendwann, mit zunehmender Bevölkerungsdichte grad bei uns im Alpenraum, war das zu unsicher. Diese unbeständigen Wasserläufe mit ihrer Willkür, lächel.

Doch denk ich eigentlich noch viel weiter zurück. Erst gabs umfriedete, gehegte, mit Hecken umgebene Plätze, die Schutz boten. Im Laufe der Zeit wurde die Welt außerhalb der Hecken immer fremder, unheimlicher. Zwielichtige Gestalten, Geister, hielten sich in den Hecken auf. Der Mensch - grenzte sich ab. Es gab dann zwar noch die Hexen, die sich auch auf der anderen Seite herumtrieben - aber - schleichend, vielleicht so richtig erst im Zuge der Christianisierung, dem Verteufeln der Natur - vom Hauch des Unheimlichen umgeben (ist ja kein Heim mehr, die Wildnis).

Generell ist das Thema Abgrenzung ein sehr vielschichtiges, warum sollte es nicht auch bei "offensichtichen" Dingen dennoch vielschichtig sein?

Sind nur so Assoziationen, aber nur mit dem Offensichtlichen kommt man in der Welt der Sagen und Märchen nicht recht weit

Grüße von Lisa
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  #19  
Alt 05.03.2006, 13:29
Nicobär Nicobär ist offline
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Beiträge: 450
Standard AW: Grenzsteine

Ich glaube, das Phänomen der Grenzsteine müsste man eigentlich noch etwas erweitern - letztendlich sind mittelalterliche Grenzburgen auch eine Art von Grenzsteinen gewesen. Ein schönes Beispiel hierzu kann man im Oldenburger Land finden: dort gab es im Mittelalter eine ganze Reihe von Grenzburgen entlang der Grenze nach Ostfriesland. In Ostfriesland konnte sich die feudale Adelsherrschaft nie richtig durchsetzen - es gab dort eine z.T. demokratieähnlich verfasste Häuptlingsherrschaft. Versuche der Oldenburger Grafen, ihren Herrschaftsbereich auszudehnen, waren nach Norden entlang der Weser im 13. und 14. Jahrhundert erfolgreich, weil man dort mit den Hansestädten einen mächtigen Verbündeten hatte, die ein existenzielles Interesse daran hatten, den von den Küstenbewohnern betriebenen sehr ertragreichen Seeraub auf Hanseschiffe einzudämmen.

Nach Westen scheiterten sie regelmäßig und führten zu häufigen Grenzfehden mit den ostfriesischen Nachbarn. Beispiele hierzu finden sich zum Beispiel in Dreibergen am Zwischenahner Meer: unmittelbar an der Anlegestelle des Fahrgastschiffes befinden sich die Reste der Burganlage Elmendorf, einer sogenannten 'Motte'. Hierbei handelte es sich um eine sogenannte 'Turmhügelburg', die auf drei Hügeln errichtet worden war und vermutlich mit einem Palisadenzaun umgeben war.

Eine weitere ehemalige Burganlage befindet sich an der Strasse von Oldenburg nach Wiefielstede im Ammerland bei der Ortschaft Dringenburg. Auch von dieser ehemaligen Grenzfeste ist nur ein Hügel erhalten, der sich unmittelbar vor dem Ortseingang befindet. Der Ortssage nach soll er einen Schatz enthalten, der nur unter völligem Schweigen gehoben werden kann und vom Teufel bewacht wird.

Südlich von Westerstede befinden sich bei der Ortschaft Ocholt die Reste der Motte Mansingen. Auch zu dieser, im 13. Jahrhundert den Rittern von Mansingen gehörenden Burganlage gibt es eine Schatzsage.

Diese Schatzsagen deute ich als Indiz dafür, dass Grenzüberschreitungen vielfach eben nicht nur aus friedlichen, sondern vor allem auch aus räuberischen Gründen durchgeführt wurden. Vielfach trieb die Menschen aber wohl weniger Habgier dazu, sondern die pure Not - insbesondere Missernten als Folge von Naturkatastrophen. Interessant scheint in diesem Zusammenhang das Phänomen zu sein, dass das Zeitalter der Fehden im 13. und 14. Jahrhundert mit den katastrophalen Flutkatastrophen an der Nordseeküste zusammenfällt. Vermutlich haben sich die Auswrikungen beider Erscheinungen gegenseitig potenziert.
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  #20  
Alt 05.03.2006, 14:43
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Beiträge: 2.562
Frage AW: Grenzsteine

In dem hier schon häufiger gen. Wörterbuch d. Dt. Volkskde. steht unter
"Grenze" ein interessanter Beitrag m. Literaturhinweisen. Da fällt mir noch
ein, bei uns gibt es den Brauch des Schnadegangs, gewissermaßen eine
Umwanderung bestimmter Grenzwege innerhalb eines Ortes. Zum Schluß
wird natürlich Einkehr gehalten. Früher waren hier viele Grundstücke mit
Weißdornhecken umgeben, wurden fast alle durch sogen. Jägerzäune ersetzt.
Auch die Feldraine sind vielfach verschwunden. Dort hielten sich ja viele
Pflanzen und Tiere ! Die Nutzgärten wurden zu Rasenflächen mit immergrünen
Baumgruppen und Ziersträuchern, große Obstbäume verschwanden nach und
nach. Grenzstreitigkeiten gibt es immer noch , man kann aber zur
Bereinigung auch zunächst eine / n Schiedsmann/Schiedsfrau aufsuchen.
Ich wohne ja in der ehem. Grafschaft Mark, dort gab es schon im MA
Grenzstreitigkeiten z.B. m.d. Erzbistum Köln u. d. Reichsstadt Dortmund.
Ich glaube es gibt überall Sagen vom Grenzsteinversetzer! Es hört (liest)
gerne mehr zum Thema an dieser Stelle Eure Ulrike
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