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  #1  
Alt 01.04.2010, 12:03
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Hornarum48 Hornarum48 ist offline
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Standard Schwangerschaft und Tod

Im niederösterreichischen Weinviertel, hier ein Beleg aus Hohenruppersdorf, gibt es die Meinung, dass schwangere Frauen an Begräbnissen nicht teilnehmen sollen. Eine Teilnahme schadet dem Ungeborenen.
(Befragung 2008 durch Prof. Hermann Maurer, Horn)
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  #2  
Alt 01.04.2010, 15:03
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Hallo Hornarum,

diese Vorstellung finde ich in irgendeiner Art und Weise nachvollziehbar.

Es ist aber ein ziemlich beachtliches Ergebnis, das noch heute so ausdrücklich belegen zu können.

Das HDA bringt einen ziemlich umfangreichen Katalog an Vorstellungen, die an die Schwangerschaft geknüpft werden.

In Bezug auf den Tod könnte es einerseits die Vorstellung sein, dass die Schwangere in einem Zustand der Schwäche und Schutzbedürftigkeit sei, aber auch dass das Ungeborene Kind schädlichen Einflüssen ("böser Blick" etc) besonders ausgeliefert sei.

Eine Schwangere darf keiner Hinrichtung, keinem "armen Sünder" nachgehen, mit keinem Toten zu tun haben, keinen Toten sehen und ihm die Augen schließen, keine Kindsleiche tragen, sonst hat das Kind Totenfarbe, kann den Mund nicht schließen, bekommt eingefallene oder blinde Augen oder stirbt. Unglück bringt es dem Kind, wenn die Schwangere an der Tischecke sitzt u.a.m.

Sie muß dafür sorgen, daß die Schwangere nichts Häßliches sieht (man verbirgt vor ihr Gebrechen), sondern sie möge schöne Dinge betrachten, damit sich "die Frucht nach dem Gedankengang der Mutter entwickelt".
(zitiert aus HDA, Schwangerschaft)

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #3  
Alt 01.04.2010, 16:02
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Hornarum48 Hornarum48 ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Detaillierte Angaben konnten - wie oft bei archaisch wirkenden Aussagen -keine in Erfahrung gebracht werden. Aber vielleicht kann jemand vor Ort und bei Kenntnis einer redefreudigen Kontaktperson noch Ergänzungen beibringen.
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  #4  
Alt 01.04.2010, 17:12
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stanze stanze ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Das ist doch alles nur Aberglaube. Wer kann das alles wirklich beweisen? Ich glaube das nicht, sonst wären die Kinder von den schwangeren Frauen im Krieg ja alle Behindert.
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  #5  
Alt 01.04.2010, 17:50
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Ich hab als Kind noch sagen hören, dass sich eine Schwangere nicht vor Schreck ins Gesicht greifen darf, weil sonst das Kind an dieser Stelle ein Feuermal bekommt.
Sicher gibt es um das Thema viel Aberglauben, aber ich finde es bemerkenswert, dass man noch ganz ohne Wissenschaft wusste, dass sich Schwangere nicht bestimmten Situationen aussetzen sollten. Heute, wo man weiß, dass Ungeborene Vieles, vor allem aber die Mutter hören können, ist es keine Frage mehr, was besser ist: wenn die Mutter lacht oder wenn sie weint.
Aber ob die vielen Androhungen - was passiert wenn - und in manche Situation gerät man doch ob man will oder nicht, gesund waren, ist die Frage.
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  #6  
Alt 01.04.2010, 17:58
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Vor Schrecken ein Feuermal bekommen kenne ich auch, außerdem nicht aus dem Haus
gehen, bevor das Kind Taufe hatte. - Ulrike
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  #7  
Alt 01.04.2010, 18:03
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Hallo Stanze,

natürlich ist da viel "Aberglaube" dahinter, aber darin spiegeln sich eben die Ängste der Menschen in der früheren Zeit wider. Mir ist jetzt leider der Namen des Herzogs entfallen, der die "Zwergerln" aus dem Salzburger "Zwergerl Garten" entfernen ließ, damit seine schwangere Gattin kein mißgestaltetes Kind bekäme.

Vor ein paar Jahren wurde allerdings ein Forschungsprojekt in Belgien gestartet, wo Frauen aus dem Hungerjahr 1944 und ihre Nachkommen erfaßt/untersucht wurden. In diesem Projekt ist heraus gekommen, dass die Kinder von Frauen die einen lebensbedrohlichen Streß (Hunger) erfahren haben, häufig an Brustkrebs, Herzkreislaufproblemen und Übergewicht erkranken. Dazu wurden dann auch Versuche mit Ratten gemacht.

Das Sensationelle an diesen "Ergebnissen" ist, das wir unser Darwinsches Denken vergessen können, wo wir immer gelernt haben, das nur das was in den Genen liegt weitervererbt werden kann. Diese Studien würden belegen, dass auch starke Eindrücke oder anerlernte Talente Auswirkungen auf das Gengut haben und weitervererbt werden können.

Berit
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  #8  
Alt 01.04.2010, 18:11
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

Zur Taufe und den "unaufgesegneten Wöchnerinnen" gibt es natürlich auch sehr viele Sagen. Die Frau Percht, Stampa oder der Teufel, eine Hexe oder sonst ein Dämon kommt und holt sich das ungetaufte Kind oder auch die Mutter.
Daher sollte das "Taufwasser", also das Wasser in dem das KInd nach der Taufe gebadet wurde, unter einem Rosenstrauch - bei einem Mädchen - oder sonstwo am Hof ausgeschüttet werden, denn nur bis dorthin könne das Kind vertragen werden.
Die Mutter aber muß im Wochenbett "bewacht" werden und darf sich nicht einmal am Fenster zeigen, in manchen Gegenden darf sie der Hausarbeit nachkommen, darf aber nicht alleine das Haus verlassen, aber nie nach dem Abendläuten oder vor dem Morgenläuten!

Berit
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  #9  
Alt 01.04.2010, 18:20
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

@ stanze:

Zitat:
Das ist doch alles nur Aberglaube.
Ja, völlig richtig. Es sind Vorstellungen von Menschen.
Die Ethnologen beobachten solche Vorstellungen und versuchen dabei diese nicht zu bewerten.

Das für den Ethnologen interessante ist ua. wann diese Vorstellungen wo auftreten, wie sie sich verändern und vieles andere mehr.

Das ich viele dieser Vorstellungen für völligen Unfug erachte, spielt dabei genausowenig eine Rolle, als ich natürlich solche Vorstellungen keinesfalls als richtig propagieren würde.

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #10  
Alt 01.04.2010, 19:38
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Schwangerschaft und Tod

ich kenne eine liebe frau aus bosnien, sie ist heilerin in 10.generation und sie schrieb mir vor wenigen tagen erst, daß es bei ihnen tradition ist, daß ein kind nach der geburt sieben tage lang nur zu den engsten verwandten kontakt haben sollte, weil man in den augen der neugeborenen sozusagen "das universum noch sieht" und der böse blick da viel schaden anrichten könnte...
erst nach sieben tagen dürfe man das baby dann auch anderen zeigen.

ich habe das einer freundin erzählt die einen partner im kaukasus hat (muslimisch) und der sagte auch, daß babys bei ihnen erst nach drei tagen dem vater und später der familie gezeigt werden dürften, wegen dem bösen blick.

liebe grüße, sonja
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Stichworte
aberglaube, begräbnis, kinder

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