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  #1  
Alt 10.01.2016, 17:02
Babel Babel ist offline
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Standard Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Der Schulausflug hieß während meiner Schulzeit noch "Wandertag", und das war er auch. Man fuhr mit dem Zug irgendwohin, langte nach einer Wanderung irgendwo an, wo man einkehren konnte (wobei einkehren hieß: eine Limonade kaufen und dazu die mitgebrachten belegten Brote essen). Es folgte der zweite Teil der Wanderung und die Heimfahrt mit dem Zug. In der Schulzeit meiner Tochter gehörte zum Ausflug, daß man irgendwas Kulturelles oder sonstwie pädagogisch Wertvolles besichtigte – was natürlich niemanden interessierte.

Als ich kürzlich überlegte, ob es wohl noch Betriebsausflüge gibt, habe ich mal danach gegoogelt, und bin auf Firmen gestoßen, die sowas organisieren. Wenn früher jemand erzählte: "Wir hatten gestern Betriebsausflug", dann lautete die Gegenfrage: "Wo wart ihr denn?" Heute muß man wohl fragen: "Was für'n Event war's denn?" Das legen zumindest Websites wie diese nahe.

Das ist in gewisser Hinsicht natürlich. Früher war der Betriebsausflug eine Gelegenheit, etwas Neues zu sehen, irgendwohin zu kommen, wo man noch nicht war, wo man vielleicht auf andere Weise kaum hinkommen konnte. Heute, da jeder mit dem eigenen Auto überall hinfahren kann, reicht eine bloße Gegend als Ziel nicht aus. Trotzdem verursachen mir die Vorschläge der genannten Firma (es gibt etliche von dieser Sorte) ziemliches Unbehagen.

Hat jemand Lust, von Ausflügen zu erzählen, die er/sie mitgemacht hat?

Geändert von Babel (11.01.2016 um 11:37 Uhr)
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  #2  
Alt 11.01.2016, 10:34
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Liebe Babel, da hast Du ein interessantes Thema vorgeschlagen. Gerne
schreibe ich etwas dazu. Ich versuche, meine Erinnerungen chronologisch
und etappenweise aufzuschreiben!
Der erste Schulausflug ging in den heimischen Wald im Norden unserer Stadt
(Grenze zu Dortmund). Wir wanderten mit unserem Klassenlehrer von der
Schule dorthin. Unsere Außenbezirke waren noch recht ländlich. Wir bekamen
Pflanzen gezeigt, ihre Namen wurden genannt und viele interessante Dinge
erzählt.
Es war wahrscheinlich Teil vom Heimatkundeunterricht. Fotos wurden noch
nicht gemacht, Autos waren kaum vorhanden und einen Bus gab es auch nicht.
Laufen zu Fuß - auch längere Strecken - war einfach normal. Auch wenn man
in der Nähe wohnte: alle mußten erst zurück bis zur Schule, dann die
Wegstrecke zurück laufen. Es hieß: wegen der Versicherung, wenn etwas
passiere. Wegzehrung: Butterbrot und Apfel aus dem Garten, meine
Freundin und ich benutzten Umhänge-Handtaschen unserer Mütter.
Wer kennt diese Taschen mit" Knirpsfach", der Taschenschirm hatte ein
Fach mit seitlichem Verschluß unter dem Boden dieser Tasche?
Wird man überhaupt schlau aus dieser meiner Beschreibung?
Demnächst weitere Ausflüge und auch etwas zu Betriebausflügen. Ulrike
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  #3  
Alt 11.01.2016, 11:03
Benutzerbild von Elfie
Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Zitat:
Zitat von Ulrike Berkenhoff Beitrag anzeigen
Wer kennt diese Taschen mit" Knirpsfach", der Taschenschirm hatte ein
Fach mit seitlichem Verschluß unter dem Boden dieser Tasche?
Wird man überhaupt schlau aus dieser meiner Beschreibung?
Ich kenn die Knirpse, ihre Gestalt hat sich über die Jahre ja kaum geändert, das Fach kenn ich nicht.
Natürlich ist deine Beschreibung sehr anschaulich, da fällt mir ein: wir haben auch immer Pflanzen gesammelt und in der Schule bestimmt. Auf dem Gang hatte wir eine lange Holzleiste, in deren Löcher Eprouvetten steckten. Dort waren dann die Blumen mit Beschriftung ausgestellt. Ich glaube, dafür gingen wir öfter mal raus, denn einen Ausflugstag hätten sie vermtlich nicht heil überstanden.
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  #4  
Alt 11.01.2016, 14:26
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Unser nächster Ausflug (Grundschule) ging zum Dortmunder Tierpark,
wir hatten jetzt eine fröhliche junge Lehrerin. Sie hatte als Studentin dort
gearbeitet. Ich bin sicher, dass wir den Hinweg wanderten und nur den
Rückweg mit Bus oder Bahn antraten. Heute hat sich der Tierpark zum Zoo
gemausert, ich begleitete den Klassenausflug von unserem Sohn dorthin
(heuer ist es hier üblich, dass einige Mütter als Aufsichtsperson mitfahren u.
jede ungefähr für 5 Kinder "zuständig" ist), wir fuhren mit dem Schulbus bis zum Eingang und auch zurück. Die Kinder haben Rucksäcke Verpflegung mit,
Taschengeld für Eis usw. Fast 30 Jahre sind eben eine ganz andere Generation!
Im Bus wurde gesungen: I am looking for freedom (habe ich es richtig
geschrieben?), unsere Lehrerin spielte Gitarre und wir sangen Wanderlieder,
"Mundorgel" rauf und runter. -Ulrike
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  #5  
Alt 11.01.2016, 14:33
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Ich glaube es war in der 7. Klasse, mit der Bahn zur Dechenhöhle. Sie gehört
zur Bahn und hat eine eigene Haltestelle. Bei Bauarbeiten wurde sie
entdeckt, als ein Werkzeug in eine Felsspalte fiel. Dort wurden auch Fotos
gemacht, ein Hintergrundbild zeigt ein Höhlenpanorama. Die ganze Klasse
stellte sich davor auf, die Fotos konnten dann gekauft werden. Es ist
eine Tropfstein-Wunderwelt. Im internet: www.dechenhoehle.de
Wen es interessiert kann dort schauen, deshalb beschreibe ich hier nicht
ausführlicher. Dorthin wurde häufiger ein Ausflug gemacht, gute
Bahnanbindung und nicht teuer. Denn das liebe Geld spielte immer eine
Rolle! -Ulrike
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  #6  
Alt 11.01.2016, 17:59
Babel Babel ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

In der DDR-Einheitsschule (=Grund- und Hauptschule) in Babelsberg (zwischen Berlin und Potsdam) gab es nur eine Art von Ausflug, nämliche die jährlich am Schuljahresende stattfindende Dampferfahrt vom Potsdamer Bahnhof nach Ferch. Die Fahrt dauerte etwa drei (?) Stunden, dann ein kurzer Aufenthalt in Ferch, dann drei Stunden Rückfahrt. Ich habe diese Ausflugstage als grauenvoll langweilig in Erinnerung (noch heute halte ich Schiffsfahrten von mehr als 1/2 Stunde Dauer für unzumutbar ). Das einzig interessante war die Einkehr im "Haus am See" in Ferch oder vielmehr die große Entscheidungsfrage: Nehme ich diesmal rote oder grüne Limonade?

Als 16-, 17jährige aber machten wir einen zweitägigen Ausflug in den Bayerischen Wald. Der Hinaufweg auf den Großen Falkenstein war nicht übermäßig angenehm, weil es die ganze Zeit nieselte. Ringsum war Wald, und die Lehrerin erklärte uns, das sei Urwald. Wir fanden das idiotisch, denn unter Urwald stellten wir uns was Tropisches mit Palmen, Lianen, Krokodilen etc. vor.
Oben war das Wetter gut. Es gab eine Wetterstation, die uns nicht interessierte, und eine Gruppe von Meteorologie-Studenten, die uns sehr interessierte.
Wir übernachteten im "16-Bett-Damen-Schlafraum" – das war ein eigenes Häuschen, und die Lehrerinnen schliefen im Haupthaus, weswegen wir uns stundenlang im Dunkeln Gespenster-, Mord- und andere Gruselgeschichten erzählen konnten.
Unvergeßlich ist mir aber vor allem der Blick ins Tal am andern Morgen: Überall lagen Fetzen von Nebel. Die Lehrerin erklärte, das seien normale Wolken, durch ebensolche seien wir am Vortag gelaufen, deshalb habe es die ganze Zeit genieselt ... Ich war mir sehr unsicher, ob man das glauben konnte.
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  #7  
Alt 11.01.2016, 10:54
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Schulausflüge, Betriebsausflüge – wer erinnert sich?

Unsere Schulausflüge hießen schon so, als sie noch Wandertage waren.
In den ersten Klassen ging es auf und rund um den Hiesberg, den "Hausberg" des Ortes. So auch zum Eisernen Bild.
Für die Eltern war das sicher gut, denn außer der Tochter des Schuldirektors und des Bahnvorstandes waren alle Arbeiterkinder. Die "Auswärtigen" - Kinder von Bauern, waren in einer anderen Klasse. Geld war also knapp, wir sparten Buskosten und das Jausenbrot hatten wir natürlich dabei.
Im letzten Jahr flogen wir tatsächlich aus.
Von Melk mit dem Schiff nach Aggstein und von dort per Pedes auf die Ruine, danach wieder ins Tal und mit dem Bus heim.

In der Hauptschule fuhren wir im ersten Jahr ins SOS-Kinderdorf Hinterbrühl, ein Mädchen war während des Schuljahres dorthin gekommen, nachdem ihre Mutter gestorben war.
Wir holten sie ab und besichtigten die Seegrotte.
Im letzten Jahr fuhren wir auf 2 Tage fort Richtung Hallstatt. Dort besichtigten wir das Salzbergwerk und fuhren dann zur Dachstein-Eishöhle.
Danach weiter mit der Gondel auf die Gjaidalm. Während es unten in Hallstatt regnete, schneite es oben natürlich. Und das seit Tagen, außerdem war Nebel und absolut nichts zum sehen. Plötzlich ein Ruck, eine flog hin und die Gondel stand. Es war grad mal vorne und hinten ca. 3 Meter Seil zu sehen, sonst nichts.
Irgendwie brachte der Gondelführer dann in Erfahrung, dass wir in eine Schneewächte gefahren waren. Das Gefährt wurde zurückgeholt und wir mussten umsteigen. Als wir an der Stelle vorbei kamen, sahen wir die Ecke, die die Gondel in den Schnee gedrückt hatte. Sehr weit weg war also die 2. Spur nicht.
Oben war alles tief verschneit und als die Schulklasse samt Wettersturz auf der Hütte ankam, wurde natürlich gleich wieder vom schweren Unglück 8 Jahre zuvor gesprochen.
Dann wurde es aber doch noch ein heißer Hüttenabend mit einer ziemlich schlaflosen Nacht.

Natürlich wurden im Spital jährliche Betriebsausflüge organisiert. Im ersten Jahr nach Salzburg war ich noch dabei, obwohl ich Auto- und Busfahren nicht gut vertrug. Naja, Auto war kein Problem - wir hatten keines und im Bus musste ich immer vorne sitzen.
Aber diese Fahrt blieb unvergessen. Einer brachte schon zur Abfahrt einen Doppler mit. In Salzburg, wo wir ausstiegen und zur Altstadtbesichtigung uns aufstellten, war zum Glück der Männer auch ein Stadtkeller (Ort und Namen weg ), dort fielen die gleich hinein und wurden erst wieder bei der Abfahrt nach Hellbrunn gesehen.
Der Heimweg war grauslich, im Bus wurde auch geraucht, mir war urschlecht und meinen Schwur, nie mehr mit zu fahren, hab ich durch die restlichen 36 Jahre gehalten.
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