SAGEN.at  FORUM  

Zurück   SAGEN.at FORUM > Magische Orte

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 08.10.2005, 13:35
hexchen hexchen ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 08.10.2005
Beiträge: 159
Standard Die drei Bethen

gehen scheinbar auf vorchristliche Wurzeln zurück und wurden (wie so vieles) von der katholischen Kirche übernommen und umgewandelt - so lebte die Trinität weiter in den drei heiligen Madln - Margaretha mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm und Katharina mit dem Radl.

Es gibt aber in Nordtirol noch eine Kapelle, wo die ursprünglichen drei (Ambeth, Wilbeth und Gwerbeth oder auch Barbeth genannt) verehrt werden - in Obsaurs bei Schönwies! Gleich neben der wunderschön gelegenen Kapelle findet man unter einem alten Baum einen Brunnen (Quelle).

Weiß jemand mehr über diese Frauen-(Göttinnen)-Trinität?

Bemerkenswert sind doch auch die Symboliken - rote Halsketten, weiße Lilie, und alle drei haben Bücher in den Händen?!

lg das hexchen
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg dreibethen2.jpg (38,3 KB, 126x aufgerufen)
Dateityp: jpg obsaurs3.jpg (37,0 KB, 110x aufgerufen)

Geändert von hexchen (08.10.2005 um 13:50 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 08.10.2005, 22:59
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.866
Standard AW: Die drei Bethen

Hallo Hexchen,

das von Dir angesprochene Bild ist aus der Sicht der Kunstgeschichte ein Leinwandbild der Hll. Jungfrauen Anbett, Gwerbett und Wilbett, um 1700 entstanden (Dehio-Tirol).

Aus der Sicht der Europäischen Ethnologie (Volkskunde) sieht die Sache etwas komplexer aus. Ich beziehe mich in den folgenden Ausführungen maßgeblich auf das Buch des Volkskundlers Hans Haid, Mythos und Kult in den Alpen, 1992:

Südlich von Schönwies im Weiler Obsaurs (Bezirk Imst / Tirol) steht das alte Heiligtum, wo die drei Heiligen Frauen Ambett, Gwerbett und Wilbett verehrt werden, ähnlich wie in Meransen / Südtirol. In unmittelbarer Nähe der Kirche wird auf dem markanten Platz, "Burschl" genannt, ein alter Kultplatz vermutet.
Dort soll ein Schatz begraben liegen, in einer eisenbeschlagenen Truhe verwahrt. Den Schlüssel dazu hat ein schwarzer Hund im Maul. Soweit die Sage.

In den Gebieten des heutigen Kantons Graubünden, im heutigen Tirol, Vorarlberg, im Veltlin, dem Tal Camonica, dem Großteil Südtirols, Teilen von Oberbayern dürfte Rehtia (auch Rätia geschrieben) von den Rätern verehrt worden sein.

Die Räter waren kein Volksstamm, sondern die Anhänger eines Kultes, die Diener und Verehrer einer weiblichen Gottheit.

Rehtia tritt uns - zuerst noch zaghaft - in der Hallstatt-Zeit entgegen. In der nachfolgenden La-Téne-Zeit ist sie DIE Muttergottheit im venetisch-alpinen Raum. Vor allem in der Römerzeit (Isis Noreia) wird sie in Verbindung mit dem Wasser- und Quellenkult immer wieder genannt und verehrt. Vielleicht ist sie auch eine Patronin der Bergschätze (Salzbergwerke). Sicher hat sie Kraft zu Quellen und damit zum Wasser.

Drei Parzen oder die "drei Heiligen Madln" Katharina, Barbara und Margaretha und Aubet, Cubet und Quere auch Ainbet, Gwerbet und Wilbet. In Worms am Rhein - dem zweiten Zentrum der Drei-Frauen-Verehrung - hießen sie vom 13. bis zum 15. Jahrhundert Embede, Warbede und Willebede.

- Ambet soll die junge Frau und Göttermutter sein

- Borbet soll die vorgeschichtliche Sonnenfrau sein

- Wilbet wird mit dem Mond identifiziert und wäre somit die kultisch-mythologische Mondfrau.

In Meransen haben laut Visitationsprotokoll im Jahre 1650 übereifrige Geistliche die kultischen Gestalten in die drei göttlichen Tugenden Spes, Fides und Caritas umgewandelt.

Die Beten sind eng verbunden mit Steinen und Höhlen, mit Bergen und Quellen. Im Raum Imst finden sich die drei - neben der Dreiheit in Obsaurs - auch getrennt: in Dormitz mit dem Heiligtum der Ambet, in Barwies mit dem der Borbet und in Wildermieming mit dem der Wilbet.

In der Volkssage leben die drei Frauen vermutlich unter der Bezeichnung "Salige Frauen" oder "Salige Fräulein" weiter, besonders deutlich wird das in der Sage "Die drei wilden Fräulein am Ferner".

Du findest auf SAGEN.at noch eine ganze Menge von Belegen im Abschnitt Traditionelle Sagen...

Noch zu den Quellen: Wir haben in unserem Kapitel "Heilquellen und Brunnen" noch einige Plätze in Vorbereitung, es mangelt uns leider etwas an Fotos. Also bitten wir immer um Fotos.

In Vorbereitung bezüglich obigem Thema ist ein weiteres Quellheiligtum, das nachgewiesenermassen als Stätte der Rätia-Verehrung diente, nämlich die heilige Quelle der Rätia im Stubaital.

Wolfgang (SAGEN.at)

Geändert von SAGEN.at (09.10.2005 um 11:33 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 09.10.2005, 10:47
hexchen hexchen ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 08.10.2005
Beiträge: 159
Standard AW: Die drei Bethen

Vielen Dank für die ausführliche und schnelle Antwort!

Hier häng ich gleich noch das Foto des Brunnens an (ich bin mir nicht sicher, ob es eine Quelle ist).

Falls jemand Lust hat, diesen Ort zu besuchen - die Kapelle ist normalerweise verschlossen, doch in einem der Häuser in unmittelbarer Nähe kann man sich den Schlüssel holen (einfach nachfragen).


lg s`hexchen
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg brunnen_dreibeth.jpg (34,8 KB, 107x aufgerufen)
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 09.10.2005, 11:46
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.866
Standard AW: Die drei Bethen

Das "Taferlbrünnele" in Alberschwende, Vorarlberg ist übrigens auch eine Heilquelle der drei Bethen.
Sie liegt etwas abseits der Wallfahrtskapelle zum Hl. Wendelin, von dort zum Gasthaus "Frohe Aussicht" fahren, den Lorener Höhenweg Richtung Lorenapass gehen. Am Ende des Hohlweges ist die Quelle.

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 09.10.2005, 18:33
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.866
Standard AW: Die drei Bethen

Hallo Hexchen,

einen ganz herzlichen Dank für Deinen Hinweis auf die Kirche St. Vigil in Obsaurs!
Da hast Du uns heute einen ganz herrlichen Ausflug beschert!


Wir sind heute auf Deinen Hinweis hin nach Schönwies und von dort nach Obsaurs gefahren. Schönwies wird wirklich dem Namen gerecht, das allein ist ja schon ein bezaubernder Ort.

Von dort sind wir weiter die romantische und eher steile Straße nach Obsaurs - das war ja echt paradiesisch! Die Gegend verzaubert einfach und das Quellheiligtum beeindruckt.

Ausführliche Dokumentation im Kapitel "Heilquellen und Brunnen" folgt in Kürze!

Super-Tipp - Danke!

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 19.04.2006, 20:38
Benutzerbild von Wassermann
Wassermann Wassermann ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 16.04.2006
Beiträge: 62
Standard AW: Die drei Bethen

Zitat:
Zitat von SAGEN.at
Das "Taferlbrünnele" in Alberschwende, Vorarlberg ist übrigens auch eine Heilquelle der drei Bethen.
Wenn die Quelle ursprünglich den Drei Bethen geweiht war, sollte dies im Text eigentlich auch erwähnt sein.

Klaus
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 09.10.2005, 20:10
Benutzerbild von baru
baru baru ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.04.2005
Ort: Salzburger Land
Beiträge: 3.187
Standard AW: Die drei Bethen

Hallo Hexchen!
Zitat:
Weiß jemand mehr über diese Frauen-(Göttinnen)-Trinität?

Bemerkenswert sind doch auch die Symboliken - rote Halsketten, weiße Lilie, und alle drei haben Bücher in den Händen?!
Ich möchte dir dazu das Buch "Druiden, Wilde Frauen, Andersweltfürsten" von Georg Rohrecker empfehlen, in dem die Frauen-Trinität natürlich auch angesprochen ist, ihr Bezug zu den Quellheiligtümern usw.- sehr interessant! (Ich lese es gerade wieder...)

Hier http://www.ceiberweiber.at/news/rohrecker.htm findest du eine kurze Buchbesprechung und einen weiterführenden Link zu einem Interview mit Rohrecker.

Aus seinem Buch "Die Kelten Österreichs" ist die Grafik im Anhang; sie stellt das Zusammenspiel der 3 Bethen dar. Im Buch schildert er auch, wie sie zu den "Hl. 3 Madeln" mutierten.

Rohrecker:
Die göttliche weibliche Dreifaltigkeit, der Kreislauf der Natur und der Zyklus des ewigen Lebens bildeten eine untrennbare Einheit, die sich wie folgt darstellen lässt:


Gekürzt von mir:
Sonnenaufgang - Licht - Wilbeth - Katharina, die Weiße und Weise, spinnt das Schicksal (Symbol Rad - Sonnen- oder Spinnrad...)

Höhepunkt - Fruchtbarkeit - Ambeth - Margarethe, Farbe rot (wie das Blut des Lebens), Schlange als Lebenssymbol,

Sonnenuntergang - Ruhe und Geborgenheit - Borbeth - Barbara, Farbe schwarz ( Nacht) Turm für Geborgenheit

Rohrecker stellt auch einen Zusammenhang mit den 'Hl. 3 Königen' her:
Für K+M+B (Kaspar - Melchior - Balthasar) steht über den Türen eigentlich Katharina - Margret - Barbara .....

In diesem Buch bin ich übrigens auch auf etwas gestoßen, womit ich mir den Brauch erkläre, dass bei uns die Patenkinder von ihrer "Godn" zu Allerheiligen einen aus Weißbrotteig gebackenen Hirsch bekommen!

Weihnachten ist eh nimmer weit - lass dir die Bücher schenken!
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg 3bethen.jpg (31,2 KB, 89x aufgerufen)
__________________
Servus und a guate Zeit! Leni
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 14.10.2005, 12:02
Ulrike Berkenhoff Ulrike Berkenhoff ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2005
Beiträge: 2.559
Standard AW: Die drei Bethen

Zu diesen "Drei heiligen Frauen" finden sich Erklärungen u. zahlreiche
Literaturhinweise im "Wörterbuch der deutschen Volkskunde" Kröner Verl. Stgt.
Meine Ausg. ist allerdings aus dem Jahre 1974, ich schlage dort oft nach!
Dieses Thema finde ich sehr interessant. Viele Grüße von Ulrike!
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 15.10.2005, 16:18
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.866
Standard AW: Die drei Bethen

Hallo Ulrike,

das von Dir angesprochene "Wörterbuch der Volkskunde", 3. Auflage neu bearbeitet von Richard Beitl unter Mitarbeit von Klaus Beitl, Kröner-Verlag ist nach wie vor ein "Muß" im Fach Volkskunde bzw. Europäische Ethnologie. Es ist knapp gehalten, die Artikel sind dennoch ziemlich profund.

Weiters ist das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" ein Muß, ein paar Artikel daraus haben wir auf SAGEN.at zitiert, zudem ist die 10bändige Faksimile-Ausgabe derzeit um 49 Euro im Abverkauf, was für ein derart umfangreiches Lexikon ziemlich günstig ist.

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 15.10.2005, 17:01
SAGEN.at SAGEN.at ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 02.04.2005
Ort: Innsbruck
Beiträge: 28.866
Standard AW: Die drei Bethen

Ein ausführlicher Bericht zur Kirche St. Vigil in Obsaurs, einem möglichen Quellheiligtum, ist nun im Kapitel "Wasser und Heilquellen", dort "Obsaurs, St. Vigil".

Wolfgang (SAGEN.at)
Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 14:56 Uhr.


©2000 - 2019 www.SAGEN.at