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  #1  
Alt 12.04.2009, 22:59
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Standard Andreas Hofer 2009 - das verpatzte Gedenkjahr?

Heute vor genau 200 Jahren - am 12. April 1809 - ereignete sich in Innsbruck, Tirol, der erste Aufstand bewaffneter Bauern unter ihrem Anführer Andreas Hofer gegen die bayrische und französische Besatzung.

"Auf, Tyroler, auf! - Sie ist da, die Stunde eurer Erlösung!", hieß es in einem Aufruf Hofers unmittelbar vor der ersten Schlacht (erste Schlacht am Bergisel, Innsbruck).

Den ganzen 12. April 1809 herrschte hier Krieg, übrigens auch exakt auf jenem Ort, wo des Autor's Haus heute steht.

Doch eines ist neu in diesem Gedenkjahr 2009: SAGEN.at bietet ausführliche Informationen, Dokumentationen, Fotos und Hintergrundwissen im Kapitel "Andreas Hofer 1767 - 1810" an.
Ich habe mich sehr bemüht, Belege von allen Kriegsparteien zu bringen, und unserem ethnologischen Ansatz entsprechend auch sehr authentische Informationen wie Tagebücher, Augenzeugenberichte und Erzählungen. Auch die Rolle von Frauen in diesem Kampf wird beachtet. Die Sammlung wächst natürlich noch und freut sich dazu übrigens auf weitere Beiträge und Fotos...


Dennoch ist der Tag heute in Vergessenheit geraten, keine Zeitungsnotiz, kein öffentlicher Hinweis, kein Gedenken an die Opfer - schlichtweg keine Information oder kein Gedenken, keine Diskussion um die Folgen dieses Ereignisses. Geschlossenes Museum Rundgemälde 1809. Man hat den Eindruck, dass das Ereignis kollektiv verdrängt und vergessen werden soll.

Das war in anderen "runden" Gedenkjahren etwas anderes: das 150jährige Gedenkjahr wurde in Innsbruck so ausführlich begangen, dass sich ein Autor (Prof. Hans Kramer) noch 20 Jahre(!) später ausführlich daran erinnert.

Zweifellos haben sich im Gedenk-Jahr 2009 ziemlich viele Fehler kummuliert, von Autoren mit völlig verpatzten Vergleichen zu anderen Freiheitskämpfern, über verpatzte Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu regionalen Streitereien um Museen, die keiner haben wollte.

Wie ist Eure Meinung zu Andreas Hofer, dem Freiheitskampf und dem Gedenkjahr?

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #2  
Alt 13.04.2009, 00:51
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Beiträge: 28.864
Standard AW: Andreas Hofer 2009 - das verpatzte Gedenkjahr?

Bei der Gelegenheit noch ein Aspekt, der mir aus ethnologischer Sicht sehr interessant erscheint:

Da es gerade Abend wird, in jenem Gebiet wo heute vor 200 Jahren die erste Bergisel-Schlacht stattgefunden hat und in der, wie oben erwähnt, der Autor sein Haus hat.

Wie mag es wohl den Verletzten dieser Schlachten am Abend gegangen sein?

Soweit meine bisherige Kenntnis der Literatur und Augenzeugenberichte reicht - schweigt eben diese Literatur dazu ziemlich beharrlich…

Henry Dunant rief im Eindruck der Verletzten der Schlacht von Solferino 1859 zum Schutz von Kriegsverwundeten auf und gründete in diesem Sinne das "Rote Kreuz" (Genfer Konvention 1864), aber das war eben viel später.

Wie mag es den "Blessierten" - so werden die Verletzten in den zeitgenössischen Dokumentationen genannt - wohl am Abend nach der „Schlacht“ ergangen sein?

Weder von Seiten der Franzosen und Bayern gibt es dazu Informationen, als auch von Seiten der Bauern, die ja in der Regel wirtschaftstreibende Unternehmer, zudem abhängig von Wetter und Ernte waren. Rollstuhl oder Medikamente etwa gegen Tetanus gab es zu dieser Zeit natürlich nicht, hier konnte ein rostiger Nagel oder ein Streifschuss zum Tod und wirtschaftlichen Untergang der Angehörigen führen. Josef Hirn deutet das Problem mit Händlern an, die den Kriegsparteien hinterher reisten, und Verletzte nach Wertsachen durchsuchten, aber auch er beschreibt leider keine Versorgung der "Blessierten".

Ein weiteres Detail aus dem Jahr 1809 fällt mir bei der Lektüre auf: der Wert einer Taschenuhr! Was muss eine Taschenuhr damals für einen unglaublichen Wert gehabt haben bzw. welches unglaubliche Statussymbol war die Taschenuhr?
Vielleicht heute vergleichbar mit einem Navi, Handy oder Netbook?

Es gibt im Kapitel "Andreas Hofer 1767 - 1810" eine ganze Reihe von Belegen, wie sich die Kriegsparteien auch in Einzelkämpfen und Nahkampf um eine einzige Taschenuhr beinahe ermorden...

Wolfgang (SAGEN.at)
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  #3  
Alt 13.04.2009, 10:52
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baru baru ist offline
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Ort: Salzburger Land
Beiträge: 3.187
Standard AW: Andreas Hofer 2009 - das verpatzte Gedenkjahr?

Gedenkjahre sind immer auch ein wenig problematisch und es gilt abzuwägen, zu unterscheiden und zu versuchen, Verstand, Emotionen und Toleranz unter einen Hut zu bringen.
Unter dem Motto „Geschichte trifft Zukunft“ wird auf einer Seite des Landes Tirol auch in italienisch und ladinisch die Vergangenheit vielfältig durchleuchtet, in der Gegenwart dargestellt und Projekte für die Zukunft vorgestellt.
So gesehen, wird es nach meinem Dafürhalten kein verpatztes Gedenkjahr.

Neben einem Fotowettbewerb habe ich auch den Link zur Dokumentation auf sagen.at entdeckt!
__________________
Servus und a guate Zeit! Leni
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Stichworte
1809, andreas hofer, aufstand, berg isel, bergisel, besatzung, diskussion, doku, freiheitskampf, gedenkjahr, innsbruck, kampf, krieg, südtirol, tirol, trentino

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