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Alt 20.07.2016, 22:55
Babel Babel ist offline
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Standard Ein neuer Brauch: Glückwunschbäume

Brauchtum ist nicht nur, was man "von alters her" kennt, sondern es entsteht auch immer wieder neues. Im Grenzgebiet von Bayerisch Schwaben und Oberbayern nordöstlich von Augsburg findet man in den Vorgärten kleine "Maibäume", die den Hausbewohnern Glückwünsche vermitteln: Zur Hochzeit, zum Geburtstag ... Manchmal sind es auch andere größere Arrangements aus Spanplatten, bemalt, mit Fotos beklebt, beschriftet. Die Texte sind gereimt, oft im Dialekt, und immer signiert von denen, die diese Kunstwerke heimlich bei Nacht aufstellen. Vor acht Jahren war ich in derselben Region und habe nichts derartiges gesehen – jetzt sind mir in einem 840-Einwohner-Dorf fünf solcher Werke begegnet.

Hier ein paar Beispiele; ich stelle jeweils ein Ganzfoto und eine Vergrößerung des Textes ein. Nicht alles ist verständlich, was da zu sehen und zu lesen ist, weil voller Anspielungen, wie sie halt unter guten Freunden üblich sind.

– Ein Hochzeitspaar in einem Einfamilienhaus-Viertel von Aichach hat gleich zwei solcher Glückwunsch-Aufbauten bekommen: einen "Baum" (1, 2) und ein Herz (3, 4) mit einem Storch darauf, den ich abgeschnitten habe (die Sonne stand allzu ungünstig). Aichach ist eine Kleinstadt; alle anderen Beispiele habe ich in Dörfern fotografiert.

– In Grimolzhausen ein Baum (5, 6) – mit der Wurzel nach oben! – zum 18. Geburtstag, und ein zweiter, sehr einfacher Baum daneben, dessen Schild vom Baum verdeckt war, so daß ich es nicht fotografieren konnte.

– In Unterbernbach ein Baum (7, 8) zum 50. Geburtstag, woraus man sieht, daß diese Schöpfungen nicht ein Privileg der Dorfjugend sind.

– Im selben Dorf ein großes Auto (9, 10) am Gartenzaun zum 18. Geburtstag ("mit der Jugend ist es nun vorbei"),

– und ebenfalls dort die einfachste Form des Open-Air-Glückwunsches: ein großes Holzplakat zum 50. Geburtstag, diesmal für eine Dame.

– In Ostendorf wurde zu einer Hochzeit ein besonders großer Baum (12, 13) aufgestellt,

– in Sandizell ein bescheidenerer zum 30. Geburtstag (14, 15).

– In Thierhaupten wird einem Mädchen zum 18. Geburtstag mit einem Bus (16, 17) gratuliert.

– Und da nun einmal eine Form gefunden ist, die sich für alles mögliche verwenden läßt, hat sich der Kindergarten in Altomünster selbst einen Baum aufgestellt (18, 19).
Miniaturansicht angehängter Grafiken
1 Aichach1.jpg   2 Aichach1a.jpg   3 Aichach2.jpg   4 Aichach2a.jpg   5 Grimolzhausen.jpg  

6 Grimolzhausen1.jpg   7 Unterbernbach1.jpg   8 Unterbernbach1a.jpg   9 Unterbernbach2.jpg   10 Unterbernbach2a.jpg  

11 Unterbernbach3.jpg   12 Ostendorf.jpg   13 Ostendorf1.jpg   14 Sandizell.jpg   15 Sandizell1.jpg  

16 Thierhaupten.jpg   17 Thierhaupten1.jpg   18 KindergartenAltomünster.jpg   19 KindergartenAltomünster1.jpg  
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