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Alt 19.12.2014, 18:56
Babel Babel ist offline
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Standard AW: SAGEN.at-Fotogalerie: Kiosk, Trafik und Zeitungsstand, Würstelstand

Ich frage mich auch, was dazu gehört und was nicht.

– in Berlin wurde an den Mietshauszeilen der 20er Jahre (Bruno Taut u.a.) vielfach ein Kiosk ans Ende der Zeile gleich angebaut; die einstöckigen Bauten rundeten die Häuserblocks angenehm ab: sie sind meist wirklich abgerundet. Die meisten waren in meiner Berliner Zeit (1999-2007) nicht mehr "in Betrieb", nur an ein Blumengeschäft erinnere ich mich.

– Gelegentlich ist das Gebäude einer ehemaligen Tankstelle zum Kiosk umfunktioniert.

– Vieles, was sich ausdrücklich (per Aufschrift) Kiosk nennt, ist kein einzelstehendes Gebäude, sondern eigentlich ein normales Ladengeschäft im Erdgeschoß eines normalen Hauses., z. B. hier.

– Im Münchner Bahnhof (einem Kopfbahnhof) gibt es Kioske in dem überdachten, aber zu den Bahnsteigen offenen Bereich – nach herkömmlicher Weise polygonal. In Köln gab es in den 90er Jahren Kioske auf den Bahnsteigen, aber vielleicht hat man sie inzwischen durch die üblichen Süßigkeiten- und Getränkeautomaten ersetzt.

All das habe ich nie fotografiert, aber für den Fall des Falles möchte ich doch wissen, was du für das neue Bildergalerie-Thema akzeptierst.


Allgemeines:

In Köln gab es noch in den 80er Jahren massenhaft Kioske, dort auch "Büdchen" genannt. Ähnlich muß es im ganzen Ruhrgebiet gewesen sein. Sie hatten bis 22 Uhr oder länger geöffnet; in einer Zeit, da die Läden unerbittlich um 18.30 schlossen, war das die einzige Möglichkeit, noch später am Abend etwas Eß- und Trinkbares zu bekommen. Man hat mir gesagt, daß sich diese Kiosk-Dichte vor allem der Schichtarbeit in Bergbau und Industrie verdankt. In Völklingen (Saarland), als das Hüttenwerk noch nicht museales Weltkulturerbe war, habe ich auch gesehen, daß die Arbeiter nach Schichtende noch in ganzen Trauben an den Kiosken zwischen Werkstor und Bahnhof herumstanden.

Aber auch anderswo gab es Kioske, die wegen der Belegschaften größerer Betriebe existierten. In den 60er Jahren stand einer gegenüber dem Eingang zum Ulmer Städtischen Krankenhaus; ich habe damals in der Verwaltung gearbeitet, und obwohl wir eine Kantine hatten, ging vormittags immer eine(r) von uns durch die benachbarten Büros und fragte: "Will noch jemand was vom Öchsle?" (so hieß der Inhaber) und kam nach dem Einkauf mit diversen belegten Brötchen zurück. Die Kliniken sind in Neubauten umgezogen, und der "Öchsle" ist schon lange abgerissen.

Hauptgrund für das allgemeine Kiosk-Sterben dürfte sein, daß die Tankstellen ihre Funktion übernommen haben. Dazu gibt's hier einen schönen Text.
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