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Alt 05.05.2011, 09:48
Geomant Geomant ist offline
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Standard Teufelsloch: ein "teuflisches" Loch in der "Schlafenden Hexe"

Zuerst war der Berg,
dann kam die Bergmutter,
dann die christliche "Bekehrung":
so wurde aus einem verehrten Berg, einer verehrten Göttin
ein dämonisierter Berg.
Die fruchtbarkeitsspendende Berggöttin besaß analog zum Menschen einen fruchtbaren Schoss, der noch dazu zur Wintersonnenwende magisch leuchtete
- dann nämlich, wenn die Sonne hindurchschien.

Das Lattengebirge ist ein starkes Beispiel für "energetische" Veränderungen von Naturerscheinungen durch den Menschen.
Dies schlug sich sogar in den Sagen (Teufelslochsagen) nieder. Die Sage von der keuschen Sennerin (ein Hinweis auf die Bergmutter Percht), die vom Teufel verfolgt wurde, wurde mythologisch verändert zur unkeuschen Agnes, die zu Stein erstarrte (Sagen von der Steinerne Agnes - unterhalb des Teufelslochs gelegen).

Fruchtbarkeit und Weiblichkeit wurde dämonisiert - noch dazu wenn sie so offensichtlich auftraten, wie hier im Lattengebirge.
So finden sich im Umfeld des Teufelslochs die Teufelshörner und die Teufelsschlucht, der Höllbühel und der Höllauer Graben und ein Toter Mann.

Krönender Höhepunkt der "christlichen Missionierung":
das Naturschauspiel des Sonnendurchgangs zur Wintersonnenwende am Teufelsloch wurde in die Stiftskirche Sankt Zeno in Bad Reichenhall transformiert:
durch das Rosettenfenster über dem Hauptportal fällt zum "verchristlichten" Heilig Abend die Sonne als gebündelter Strahl auf den Hauptaltar, der dann kurz vor der Heiligen Nacht magisch erleuchtet wird.

Fazit:
die Natur inszeniert die schönsten Schauspiele,
der Mensch versucht sie in seinem Sinne umzuformen...



http://www.untersberg.org/html/schlafende_hexe.html
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