Einzelnen Beitrag anzeigen
  #27  
Alt 14.01.2016, 21:08
Benutzerbild von cerambyx
cerambyx cerambyx ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.03.2006
Ort: Sankt Valentin, NÖ, Mostviertel
Beiträge: 3.131
cerambyx eine Nachricht über MSN schicken cerambyx eine Nachricht über Skype™ schicken
Lächeln AW: Arme-Leute-Essen

Bei uns gab's den "Polenta" auch ... Maisschrot ... und zwar mit schwarzem Feigenkaffee übergossen!

Bananen waren praktisch unerschwinglich, aber schon bekannt ... so wurden um 50g (österreichische Groschen) am Samstag knapp vor Mittag die unansehnlichen und unverkäuflichen, bereits braunschwarzen Bananen an kinderreiche Familien abgegeben. Diese Köstlichkeit kam auf ein Teller und der Vater schlitzte die Banane auf und klappte sie auf. Mit einem Löffel wurde der braune, cremig-halbflüssige Inhalt (nicht erschrecken, es war nichts weiter als fermentiertes Fruchtfleisch!) mit Genuß und mit möglichst kleinen Happen herausgelöffelt, um länger etwas davon zu haben! Wir wurden darauf hingewiesen, NICHT die Innenseite der Schale abzukratzen, weil dort "Ungesundes" vermutet wurden. Mit heutigen, künstlich reifeverzögerten und/oder nachgereiften oder halbreifen behandelten Bananen ist dies nicht mehr möglich - ich habs vor Kurzem probiert, aber sie schimmeln/faulen schneller als sie in der Schale fermentieren können!

Mein Vater hatte in der Fabrik Arbeits- (und Kriegs-)Kollegen aus der Bauernschaft. So kamen wir fallweise in den Genuß von "Hendlhax'n" (Hühnerfüße) ... wer glaubt, dass dies die Beine mit Schenkel bedeuten würde, der irrt! Es waren nur die gelben abgehackten Füße von der Zehe bis zur Ferse - also alles was so gelb beschuppt ist am Hühnerbein!!
Das wurde erstmal für eine Suppe gekocht und wir Kinder durften (!) die Haut, das wenige darunter liegende Fett und Fasern der Sehnen abknabbern und ablutschen, was wir auch lautstark und genußvoll taten! Die Knöchelchen zerlegten sich im Mund und wurden ausgespuckt. Erst viel später wurde uns bewußt, dass dies für die Bauern eigentlich Abfall war, der allerhöchstens mitverkocht wurde ...

Mit den Schweinshax'n war es ähnlich - die Klauen bis zum Fersengelenk kamen fallweise und VIEL SELTENER ausgekocht auf den Tisch; mit Senf und vor allem viel Kren aus dem eigenen Garten, trockenes Brot dazu und schon war das Festmahl für 5 kleine hungrige Mäuler fertig! Wer's kennt wird wissen, wie klebrig diese sulzartige Masse war, die man zwischen den Knochen und unter der Haut hervorholte; wenn die Stücke schlampig entborstet waren (was sie meist waren), hatte man mit der Haut immer ein kratziges Etwas im Mund, was aber tapfer gekaut und mitgegessen wurde.

Trotz allem: nichts davon hat uns geschadet, und das gemeinsame Essen von so aussergewöhnlichen Speisen war immer ein kleines Freudenfest! Übrigens: da wir nicht so viele Stühle hatten, saß ich zwischen meinen beiden Brüdern und einer Schwester auf einem Bügelbrett, das wiederum über einen Sessel und einen Hocker gelegt wurde ....

Mahlzeit in die Runde
Norbert
__________________
unterwegs mit allen Sinnen ...
Mit Zitat antworten