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Alt 27.10.2009, 13:37
Verkehrsarchiv Verkehrsarchiv ist offline
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Standard AW: seilbahngeschichte.de - Updateinfos

Zum Artikel Kohlererbahn möchte ich folgende wissenschaftliche Einwände anbringen, die vielleicht zu einem besser verständlichen historischen Kontext führen:

1.) Das Projekt einer Standseilbahn auf den Kohlern hätte auch den Virgl erschlossen und wäre nach dem System der San Salvatore Bahn in Lugano ausgeführt worden (Pläne dazu im Verkehrsarchiv). Daher scheint der Einwand der Gastwirte am Virgl nicht verständlich, noch dazu wo sie eine Bahn vor deren Haustüre bekommen hätten. (vgl Rittnerbahn, Eisenbahn am Berg, Athesia 2007)
2.) Der Wetterhornaufzug wurde mit 27. Juli 1908 eingeweiht, die Kohlererbahn aber bereits mit 29. Juni 1908. Daher war der Wetterhornaufzug wohl einen Monat und nicht eine Woche später.
3.) Die Kohlererbahn verfügte sehr wohl über Gehänge, aber verkürzte.
4.) Die Seilbahnanlage Monte Uila nahe San Sebastian war ein spanish aero car und keine Seilschwebebahn. Mit ihrer Breitspur kann sie bestenfalls als Vorgänger des Funifors, nicht aber der Seilschwebebahnen gesehen werden (Begriffsdogmatik!)
5.) Dresden ist als Standseilbahn zugelassen, sie fährt ja auch auf einer festen Fahrbahn und nicht auf Seilen! Bergschwebebahnen gibt es in der offiziell anerkannten Begriffsdogmatik leider nicht!
6.) Der Primat Kohlern wurde bereits 1914 publiziert und als solches anerkannt. Damals ging es nur um die Frage Kohlern oder Wetterhorn. Ab den späten 1950er Jahren wurde dies über die ISR auch fachlich eindeutig determiniert, alles andere sind Einzelmeinungen, wenn diese auch in Buchform (Weltseilbahngeshichte – ein Buch mit sehr vielen Fehlern!) kundgetan wurden. Die Einschätzung, dass Murmelter erster war ist daher unrichtig!
7.) Der Bombenschaden kann nicht am 25. Dezember 1945 erfolgt sein, da war der Zweite Weltkrieg auch in Südtirol schon zu Ende, vielmehr war es wohl 1943! (dem Bombenjahr bedingt durch die deutsche Besatzung!)

Es kommt weder auf die Grösse des Fördermittels noch auf Gehängeform o.ä. an, vielmehr kommt es auf das gewählte System an, das einen Primaten festlegt… Kohlern war nicht erster, aber erster neuzeitlicher Versuch und Beginn des Seilschwebebahnwesens, Seilschwebebahnen wurden ja anhand des Primaten definiert!

Dies nur auf die schnelle ein paar fachliche Einwände… Es darf angemerkt werden, dass alle ernst zu nehmen Publikationen der letzten Jahre alle bei Kohlern/Wetterhorn ansetzen. Dresden wird nur über www.seilbahngeschichte.de als Primat vertreten, Monte Uila auch nur von wenigen (z.B. von der mit einigen Fehlern versehenen Weltseilbahngeschichte!)

P.S.: Als Anmerkung zur Unterscheidung Kleinkabinenbahn/Grosskabinenbahn: Im Nachkriegsösterreich wurde das aufgrund des Vorhandenseins eines Wagenbegleiters abhängig gemacht. Damals galt: alles mit einer Kapaizit unter 16 Personen pro Kabine durfte Wagenbegleiterlos genehmigt werden, alles darüber nicht. Heute ist diese Bestimmung aber nur mehr historisch interessant (siehe Pfänderbahn heute)...

Eine Abteilung Seilbahnmuseen ist sicher eine tolle Sache. Österreich kann hier ja regional schon mit einigen Museen aufwarten.

P.P.S.: Die erwähnte Seite von Claude Gentil aus Samaden (ähem Samedan) ist übrigens eine sehr gelungene Seite - Kompliment!
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