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Alt 03.08.2014, 17:14
Babel Babel ist offline
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Standard AW: SAGEN.at-Fotowettbewerb - Blitzableiter - Juli 2014

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Zitat von harry Beitrag anzeigen
Bei den Renovierungsarbeiten des Barocktraktes wurde nämlich in der kleineren Kuppel ein Behälter mit einer Reliquie des Hl. Donatus entdeckt, die dort offenbar als Schutz vor Unwetter deponiert war.
Quelle: Presseaussendung des Stifts Klosterneuburg vom 5.Juni 2012
Ich bin entzückt von der Sache mit der Klosterneuburger Donatus-Reliquie! Äußerst erstaunt hat mich aber, daß in dem Pressetext die Vita des hl. Donatus als historisch dargestellt wird.

Donatus war ein Katakombenheiliger. Gewöhnlich weiß man von diesen "Heiligen" weder einen Namen noch sonst irgend etwas; die Namen der äußerst zahlreichen "Heiligen Leiber" in süddeutschen Kirchen sind Phantasienamen. Donatus allerdings soll in den Agnes-Katakomben in einem Grab mit der Aufschrift "Sancti Donati Martyris" gefunden worden sein.

Die Gebeine wurden 1652 den Jesuiten für ihre Kirche in Münstereifel geschickt. "Wunder" auf der letzten Etappe der Reise (plötzliche Wetterbesserung; ein vom Blitz getroffener, aber überlebender Priester) legten nahe, Donatus als Wetterheiligen zu verehren.

Ein Heiliger muß eine Vita haben. Die Jesuiten waren gebildete Leute und kannten natürlich die antiken Berichte über ein Wetterwunder, das schon damals Christen wie Nichtchristen als Beleg für die Macht ihrer jeweiligen Gottheit(en) propagandistisch genutzt hatten: das sog. Regenwunder im Quadenland (sehr ausführlich hier). Also machte man Donatus zum Heerführer der 12. Legion, die um 166 an der Donau verdurstet wäre, hätte nicht Donatus Regen herbeigebetet.

Sauber unterschieden werden Belegtes und Legende hier. Aus meiner Aachener Zeit kenne ich Münstereifel sehr gut und alles, was man in dem Städtchen und der Region über Donatus weiß oder zu wissen glaubt – diese Vita gehört jedenfalls nicht dazu. Aber Münstereifel ist ja auch – im Gegensatz zu Klosterneuburg – weit entfernt von der Stätte des antiken Regenwunders.
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