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Alt 15.06.2007, 22:15
Nicobär Nicobär ist offline
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Standard AW: Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter

Die wenigsten Leute wissen, dass es in Norddeutschland bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Hexenprozesse gab... Diese fanden da dann oft in Form von Verleumdungsprozessen statt und führten in zahlreichen Orten zu einem auf lange Zeit äußerst vergifteten Klima. Wir hatten das Thema bereits Anfang dieses Jahres hier diskutiert. Dabei ging es auch um den Lehrer Johann Kruse, der sich der als Hexen und Zauberer diffamierten Leute annahm, ihnen kompetente Rechtsanwälte besorgte und sich mit der Kirche, den streitlustigen und oft niederträchtigen Nachbarn sowie der Boulevardpresse, die die Themen weidlich ausnutze, anlegte. Es ist Johann Kruses Verdienst, dass vielerorts den Diffamierungskampagnen ein Ende gesetzt wurde; sein 1951 veröffentlichtes Buch 'Hexen unter uns?' gilt heute als ein Klassiker.

Es ist das Verdienst einer Handvoll Studenten der Universität Hamburg, dass Johann Kruses Werk ab den 70er Jahren eine entsprechende Würdigung erfuhr und seine detaillierten, über lange Jahrzehnte angelegten Materialsammlungen nicht in Vergessenheit gerieten. Ich kann jedem nur einen Besuch im Hexenarchiv im Hamburger Völkerkundemuseum empfehlen (vorher sollte man aber auf jeden Fall anrufen und einen Termin ausmachen, denn dass das Archiv zu den genannten Öffnungszeiten tatsächlich geöffnet ist, ist nicht immer gewährleistet - die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall).

Geändert von Nicobär (15.06.2007 um 22:28 Uhr)
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