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Alt 07.11.2009, 21:52
Dachstein Dachstein ist offline
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Registriert seit: 07.10.2008
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Standard AW: seilbahngeschichte.de - Updateinfos

Grundsätzlich, ich verstehe beide Seiten und beide Argumentationen.

Wo spießt es sich: Die Dresdner Bergbahn ist sachlich betrachtet eine Mischkulanz aus beiden Systemen (wobei es ein System bei ihrer Entstehung noch gar nicht gab).
Ich würde die Anlage weder als SSB noch als Pendelbahn einordnen. Eventuell ist es legitim zu behaupten, dass sie ein (entfernter) Vorfahre der Pendelbahn ist. Sie hat einige technische Aspekte, die die Anlage mit einer Standseilbahn vergleichbar machen (Fahrbahn, Fangbremse nach SSB System, Zugseil, große Kabinen). Dann hat sie aber auch einige Elemente, die sachlich betrachtet an eine Pendelbahn erinnern: sie hat Laufwerke, und sie "hängt" in der Luft.
Somit kann ich für mich sagen, dass es weder um eine SSB noch um eine PB handelt. Sie ist beides und keines von beiden gleichzeitig - ein Zwitter, ohne eigentlich eine Mutter (PB) gehabt zu haben.
Eventuell kann ich es so ausdrücken: als die Standseilbahn schweben lernte. Der Name "Standseilbahn" sagt ja - ohne die jetzigen Definitionen, die es ja anders definieren, zu beachten - eine Standseilbahn sollte auf der Erde stehen, steckt ja eigentlich irgendwie im Namen drinnen). Diese Bahn stellt den Übergang von der SSB zur PB dar, eine zwischen SSB und PB eingeschobene Zwischenstufe, eine Versuchsbahn, eine Idee einer technischen Lösung, die sich als nicht praktikabel erwiesen hat. Eine Pionieranlage sozusagen, ohne aber eine echte SSB oder PB zu sein. Wie auch immer man diese Zwischenstufe jetzt nennen will - ich bezeichne sie als Bergschwebebahn (warum siehe oben).Eine etwas gewahte Theorie:

- wir haben das Konzept einer SSB.
- dann kommt wer auf die Idee, die Fahrbetriebsmittel verkehrt herum aufzuhängen (zuerst motorisiert in Wuppertal, dann an einem Zuseil gezogen in Dresden)
- dann kommt wer auf die Idee, die über den FMBs befindliche Schiene durch ein (Trag)Seil zu ersetzten - Kohlern.

Würde ja irgendwie logisch sein und ich nehme an, dass die damaligen Kostrukteure wohl die anderen Konstruktionen gekannt haben. Und es gibt noch andere Anlagen, die sich in dieses vereinfachte Abfolgeschema eingefügt werden könnten. Ich würde sagen, dass es durchaus legitim wäre, einen Stammbaum für Seilbahnen zu entwickeln. Und anfangen würde es übrigens mit China, 250 vor Christus gibt es eine Darstellung einer Seilbahn mit Trag- und Zugseil und einem Korb als Fahrbetriebsmittel. Der Prototyp der Seilbahn - und eigentlich eine einspurige Pendelbahn. So gesehen ist das der Urfahter allen Seilbahnwesens, aus welchem sich die einzelnen Anlagentypen im Laufe zweier Jahrtausenden entwickelt haben. Kohlern war die erste moderne Pendelbahn, Dresden war eine Vorstufe davon, davor gab es noch eine Entwicklungsstufe, bis 250 vor Christus...

Warum definiere ich das so? Weil ich der Meinung bin, dass Worte wie Standseilbahn alleine schon von der Wortzusammensetzung her eine gewisse Definition vorgeben. Das mag zwar zu den jetzt aktuellen Definitionen (die ich kenne) nicht ganz passen,aber eine Definition soll auch für den Laien (dieser würde die Bergschwebebahn vermutklich nicht als SSB bezeichnen, weil sich beide Systeme augenscheinlich doch unterscheiden) halbwegs verständlich sein, ich schätze, dass viele Leute bei dieser Diskussion ausgestiegen sind. Das kann eigentlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

MFG Dachstein

Geändert von Dachstein (08.11.2009 um 01:01 Uhr)
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