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Alt 07.10.2008, 20:57
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Standard AW: Seilbahnen am Steyrischen Erzberg

Hallo Dresdner,

Bergwerksbahnen sind eine super-interessante Fragestellung!
Hoffentlich kommen hierzu auch noch Beiträge aus der Steiermark.

Der steirische Erzberg ist auch von mir ein Stück weg, aber ein bischen Material zu den Bahnen habe ich schon gefunden.

Als Attachement eine weitere Aufnahme des Hugo-Stinnes-Aufzug aus dem Jahr 1929.

Weiters zitiere ich aus dem Artikel von Ing. Eduard Roos, Bergmännisches und Hüttentechnisches", zwei Fotos zum Artikel im Anhang. Im Sinne eines besseren Kontextes fange ich das Zitat ein wenig ausführlicher an.

Der gesamte Artikel bringt noch eine Reihe weiterer Hinweise auf die Bahnen - allerdings sind die Frakturlettern sehr schlecht und daher fast nicht zu lesen und das Papier sehr vergilbt. Es braucht daher noch etwas Geduld, aber der vollständige Artikel erscheint bald im Kapitel Bergbau auf SAGEN.at.

"Der Stand der Arbeiterzahl am Erzberg ist sehr verschieden. Er wechselt nicht nur mit der Jahreszeit, sondern ist auch durch andere Umstände wie Konjunktur in der Eisenindustrie, Arbeitsangebot und Nachfrage im allgemeinen usw. bedingt.

Seit dem Jahre 1912 wurde der größte Mannschaftsstand im Jahre 1917 mit 4319 Mann und der niedrigste mit 1220 Mann im Jahre 1920 erreicht. Im ersteren Falle sind eine Anzahl russischer Kriegsgefangener und kommandierte Soldaten inbegriffen, während die zweite Ziffer durch die krisenhafte Zeit nach dem Umsturz hervorgerufen war. Der Durchschnitt bewegt sich um 2800 bis 3000 Mann.

Die Arbeit am Erzberg ist durch die Witterungseinflüsse, besonders im Winter, oft sehr stark erschwert. Bei starken Schneestürmen muss sie fallweise ganz eingestellt werden. Mit Ausnahme dieser kurzen Unterbrechungen nimmt die Arbeit das ganze Jahr hindurch ihren normalen Lauf.

Die Arbeiter, die ihren ständigen Wohnsitz nicht in Eisenerz haben, sind fast ausnahmslos am Erzberg untergebracht. Diesem Zwecke dient eine große Anzahl von Ledigenheimen und sonstige Unterkünfte. Stellenweise stehen die Unterkünfte so dicht, dass sie den Eindruck eines Dorfes erwecken. Ein solches Dorf befindet sich in der Fortsetzung des südlichen Auslaufes der Zauchen-Etage und trägt die Bezeichnung Wismath-Kolonie. Eine weitere solche Kolonie befindet sich an der oberen Grenze des Unteren Reviers und wird mit Barbara-Kolonie bezeichnet. Hier steht auch die Barbara-Kapelle und eine Weksrestauration.

Die Unterkünfte für die Arbeiter sind heute fast ausnahmslos so umgebaut, dass 3 bis 4 Mann in einer Kabine zusammen wohnen, während früher in den Ledigenzimmern 18 bis 20 Mann untergebracht waren. Die Folge des Umbaus war der, dass gegen früher nur mehr die halbe Mannschaft untergebracht werden konnte und eine Anzahl neuer Ledigenheime entstehen musste. Zurzeit können am Erzberg rund 2600 Mann untergebracht werden.

Während des Weltkrieges ist eine Reihe von Mannschaftsküchen in Tätigkeit gewesen, um der Belegschaft eine bessere und billigere Verpflegungsmöglichkeit zu geben. Nach dem Umsturz, wo die Beschaffung von Lebensmitteln für die einzelnen wieder leichter wurde, sind diese Küchenbetriebe aufgelassen worden.

Diejenigen Arbeiter, die ihren ständigen Wohnsitz sowie ihre Familie in Eisenerz haben, sind in Werkswohnungen im Markte untergebracht. Außer den zahlreichen Werkswohnungen, die im Orte zerstreut sind, gibt es namhafte Arbeiterkolonien in Trofeng, am Münzboden, beim Hochofen, in der großen Fölz usw.

Die größte unter ihnen ist die im Vororte Trofeng befindliche, die überdies ständig weiter ausgebaut wird.

Der beschwerliche Weg, den die im Markte Eisenerz wohnenden Arbeiter täglich zur Arbeitsstelle am Erzberg zurückzulegen hatten, stellte große Anforderungen an sie. Ihrer Gesundheit und Arbeitsfähigkeit war er gewiss nicht zuträglich. Diesen Umständen Rechnung tragend, wurde im heurigen Jahre ein Personenaufzug – Hugo-Stinnes-Aufzug – fertig gestellt und der Benützung übergeben.

Mit dem Hugo-Stinnes-Aufzug kann die Belegschaft von der in Trofeng befindlichen Talstation bis zum Verwaltungsgebäude am Vordernberger Erzberg – Berghaus – gebracht werden, so dass ihr viel Mühe und Zeit erspart bleibt und die Schicht in voller Frische antreten kann.

Der Hugo-Stinnes-Aufzug weist eine Talstation in Trofeng auf, eine Mittelstation in der Höhe der Palmer-Etage und eine Bergstation am Vordernberger Erzberg. Die Trasse verläuft der Hauptsache nach auf der rechten Geländeseite des Renatagrabens und ist 1,6 Kilometer lang bei einer größten Steigung von 610 Promille. Mit seiner Hilfe wird ein Höhenunterschied von 473 Meter in rund 15 Minuten überwunden.

Bei der Betriebsweise des Aufzuges sind gleichzeitig 4 Wagen in Bewegung, von denen jeder 95 Mann aufzunehmen vermag."

Quelle: Ing. Eduard Roos, Bergmännisches und Hüttentechnisches, in: Der Erzberg und seine Umgebung, Wien 1924, S. 496 - 497.

Wolfgang (SAGEN.at)
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