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Alt 09.09.2010, 19:41
Hallknecht Hallknecht ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Wer kann von heute untergegangenen Berufen erzählen? Wer hat selbst noch einen Beruf ausgeübt, den es heute nicht mehr gibt?

Die Vielfalt der Berufe ist ein lebender Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft. Heute (2008) sollen ungefähr zwei Drittel aller Berufe mit Computer und/oder Auto zu tun haben. Ist daraus ein kultureller Niedergang abzuleiten oder eine neue High-Tech-Kultur, die sich die Menschen gewünscht haben?

Doch welche Berufe sind in letzter Zeit still untergegangen, welche Berufe sind schon lange untergegangen?

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Wolfgang (SAGEN.at)
Der Müller
Ein ausgestorbenes Handwerk mit den drei Hauptspezies, die sich wesentlich unterscheiden durch die Betriebsart der Mühle, die der Müller bediente. Wie wichtig dieses Handwerk und verbreitet war, erkennt man im deutsch sprachlichen Raum an dem Familien Namen Müller und seinen Ergänzungen wie Rietmüller. Hier handelte es sich um einen Müller, der im Riet wohnte und wahrscheinlich eine Wassermühle betrieb.
1. Windmüller
2. Wassermüller
3. Dampfmüller

Wenn sich wahrscheinlich die heutigen Mehlhersteller noch Müller nennen, so hat das mit dem Handwerk Müller nur so viel zu tun, dass im Ergebnis der Arbeit des Müllers Mehl entstanden ist. Andere Erzeugnisse wie Schrot, Kleie, Graupen, Gries sind Nebenerzeugnisse oder Abfallprodukte einer Mühle gewesen.
Mein Großvater war noch Müller. Zu seiner Zeit, er war Jahrgang 1868, war es unvorstellbar, dass dieses Handwerk aussterben würde. Im 19.Jahrhundert war es noch Pflicht nach Abschluss der Lehre 7 Jahre auf Wanderschaft zu gehen, ehe man Meister werden konnte. Die Wanderschaft unterlag strengen Regeln. Zum Nachweis wurde ein Wanderbuch geführt. Dort wurde vermerkt wo und wie lange man gearbeitet hatte. Außerdem konnte ein Meister feststellen ob der nach Arbeit fragende wirklich welche suchte. Ein Handwerksmeister, der keine Arbeit vergeben konnte, musste dem auf der Walz befindlichen Gesellen ein Zehrgeld geben. Man achtete streng darauf, dass der wandernde Geselle nicht zum Bettler und Landstreicher werden musste. Im Ergebnis der Wanderschaft war auch eine Fort- und Weiterbildung verbunden. Mein Großvater zog aus als Windmüller. Im Verlauf seiner Wanderschaft lernte er Wasser- und Dampfmüller hinzu.
Die meist einst handwerklich betriebenen Mühlen in Deutschland gab und gibt es in den sogenannten neuen Bundesländern. Einfach aus dem Grunde, da hier die Moderne später einzog. Jetzt stehen die meisten Windmühlen, Bockwindmühlen, Holländermühlen auch Wassermühlen unter Denkmalschutz. Alle wurden aufwendig restauriert. Sie werden folkloristisch genutzt auch zum Schaumahlen. Oft werden sie als Gasstätten betrieben.
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