Einzelnen Beitrag anzeigen
  #4  
Alt 20.05.2015, 22:59
Babel Babel ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.12.2012
Beiträge: 7.977
Standard AW: Erinnerungen an schwere Zeiten

Zitat:
Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Bezüglich der Erinnerungsobjekte des 2. Weltkrieges meinst Du wohl explizit sachkulturelle Objekte?

Dennoch blieben nach meiner persönlichen Einschätzung - zweifellos in kleinerem Rahmen als in den vorigen Kriegen - sachkulturelle Gegenstände des 2. Weltkrieges auch als Schauobjekte erhalten.

Zum Thema "Umnutzung" ...
Ich meine regelrecht als Erinnerungsstücke Hergestelltes (Drucke, Bilder oder so etwas wie die Hungertaler), das man rahmte und im Haus entsprechend präsentierte. Daß Drucke hergestellt wurden (wie z. B. das Blatt aus dem Ersten Weltkrieg oder 1816/17-Drucke), zeigt, daß man mit einer Käuferschicht rechnete, die groß genug war, um den Arbeits- und Kostenaufwand zu rechtfertigen. Handgemalte und -geschriebene Blätter sind so schön, daß sie Ehrenplätze an der Wand verdienten. Dieses eigenartige Bedürfnis, Erinnerung an Schreckliches so schön zur Schau zu stellen, das meinte ich.

Sachkulturelle Objekte gab es natürlich massenhaft, z. B. Kriegsgefangenenarbeiten oder aus Geschützteilen hergestellte Gebrauchsgegenstände. Gewiß wurde manches davon zur Erinnerung aufgehoben, aber eher in dem Sinne, wie man Kinderarbeiten in der Familie aufhebt: Als etwas Selbstgemachtes, unter schwierigen Bedingungen Selbstgemachtes – aber kaum explizit als Andenken an die "schwere Zeit" selbst.

Das meiste, was damals entstand, fällt wohl tatsächlich unter den Begriff "Umnutzung": Man machte Kleider aus Fallschirmseide, weil andere Stoffe nicht zu bekommen waren, und schlachtete alles aus, woraus sich Wiederverwendbares gewinnen ließ. Deinen "Eisenhändler" gab es auch im Großen: Nach dem Krieg sagte man, reich werden könne einer nur als Schrotthändler. (Und in der Sowjetzone wurde der Slogan ausgegeben: "Aus Schrott wird Stahl, aus Stahl wird Brot.”)
Mit Zitat antworten