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Alt 03.01.2009, 11:52
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Standard AW: Südtiroler Materialseilbahnen gesperrt

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Zitat von SAGEN.at Beitrag anzeigen
Hallo Baru,

zu den "schwebenden" Bergerfahrungen:

Am Rigi oberhalb des Vierwaldstätter Sees begann 1871 eine neue Phase der Eroberung der Alpen. Auf den fast 1800 Meter hohen Aussichtsberg wurde die erste Zahnradbahn der Welt gebaut. Bis zum ersten Weltkrieg entstanden in Schweizer Tourismusgebieten mehr als 30 Zahnrad- und ebenso viele Drahtseilbahnen. Höhepunkt des ambitiösen Bauprogrammes, mit dem die Schweizer alle anderen Alpinregionen in den Schatten stellten, war die 1912 fertig gestellte Bahn auf das fast 3500 Meter hohe Jungfraujoch.

In Tirol gingen die ersten Gebirgsbahnen erst nach der Jahrhundertwende in Betrieb: 1903 auf die Mendel, 1907 auf den Ritten.

Dafür fuhr 1908 von Bozen aus die weltweit erste Schwebebahn nach Kohlern. Auf Initiative eines Gastwirtes war eine Materialseilbahn für den Personentransport umgerüstet worden. Im Jahre 1912 folgte die Seilbahn von Lana auf das Vigiljoch.

Quelle: Josef Rohrer, Zimmer frei. Das Buch zum Touriseum. Bozen 2003. S. 98

Wolfgang (SAGEN.at)

Hierzu dürfte ich noch folgendes ergänzen:

Die erste Zahnradbahn der Welt (für touristischen Personentransport) wurde bereits 1869 von Sylvester Marsh auf den Mount Washington eröffnet. Das System ähndelt sehr jenem von Nikolaus Riggenbach, der Europas erste Zahnradbahn (für touristischen Personentransport) 1871 auf die Rigi eröffnete (Linie Vitznau - Rigi Kulm). Werksbahnen als "Zahnradbahnen" gab es bereits lange davor....

Nicht vergessen werden darf auch, die quasi um die Hausecke vom Rigi gemachten Erfahrungen der beiden Schweizer Bucher und Durrer sowie von Roman Abt. Durch diese fruchtbare Zusammenarbeit enstanden die heute noch exsistente Bürgenstock Standseilbahn und vor allem die drei Sektionen der Stanserhornbahn (von denen die unterste erste heute noch in Betrieb ist). Die Stanserhornbahn gilt als Urmodell der Abt´schen Standseilbahnen, wie diese danach in grosser Stückzahl gefertigt worden sind und auch exportiert worden sind. (Mendelbahn, Hungerburgbahn, Virglbahn, um einige Tiroler Beispiele zu nennen).

Gebirgsbahnen gingen in Tirol auch schon vor der Jahrhundertwende in Betrieb, wenn auch nicht in Südtirol (trotz manigfaltiger Projekte). Die erste Bergbahn Tirols war die am 8.6.1889 eröffnete und nach den Patenten von Nikolaus Riggenbach gebaute Achenseebahn Jenbach Südbahnhof - Seepitz. Sie ist heute noch im Originalzustand in Betrieb.

Nicht nur in Südtirol gab es beschränkt öffentliche Seilbahnen, auch in Nordtirol gab es einige Beispiele, ein paar davon auch noch recht lange in Betrieb. Als Beispiele seien die alte Komperdell Seilbahn (bis 1959), die Grindlalmseilbahn, die Seilbahn Zell - Kröpflstaudach, die alte Kitzbühler Horn Kleinseilbahn (bis 1958) und die Bichlalmseilbahn genannt. Und viele weitere dieser Bahnen konnten in Nordtirol gefunden werden. Als gutes Beispiel sei hier vielleicht noch die heute längst schon vergessene Standseilbahn Bahnhof Hochzirl - Krankenhaus Hochzirl genannt, die eine kombinierte Güter- und Personenstandseilbahn war (je ein Wagen für die genannten Zwecke).

Völlig richtig ist die Entwicklung der Seilbahnen, wo das Kronland Tirol einen nicht unmassgeblichen Beitrag geleistet hat: sei es mit der Kohlererbahn die erste (per definitionam) Seilschwebebahn der Welt oder auch mit den weiteren Bahnen wie Vigiljoch (System Ceretti - Tanfani - Strub) oder Hafling (System Zuegg) neue Massstäbe setzte.

Für die touristischen Erschliessung der Bergwelt haben sicher die Schweiz und Westösterreich (incl. Südtirol und Trentino) aufgrund ihrer Topgrafie einen nicht zu verkennenden Beitrag geleistet. Interessant ist hierbei auch, dass mit der Firma Bleichert aus Leipzig auch aus dem hohen Norden in späterer Folge (siehe Kohlern II) wichtige Entwicklungsschritte gerade im Seilbahnwesen gegeben wurden.

das nur als kleine Anmerkung von mir...

herzliche Grüsse

GDenoth
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