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Alt 11.07.2012, 19:09
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Standard AW: 50 Jahre Rolling Stones

In den "Salzburger Nachrichten" war in der Wochenendbeilage am 7. Juni zu lesen, wie die Steine ins Rollen kamen:

Zitat:
Es ist ein grauer Morgen an diesem Märztag 1962 auf dem Bahnsteig von Dartford in der englischen Grafschaft Kent, etwa 30 Minuten entfernt von der Londoner Victoria Station. Dort steht der 19-jährige Michael Philip Jagger mit seinem gestreiften Studentenschal und wartet auf den Zug, der ihn zur London School of Economics bringen soll. Der Wirtschaftsstudent hat einen Stapel Blues-Importplatten unter dem Arm, direkt aus den USA.

Auf diese Platten fällt der Blick des gleichaltrigen Keith Richards, der in seiner gewohnten Kluft – enge Bluejeans, blaue Jacke, lila Hemd – wie immer mit dem Zug zum Sidcup Art College fahren will. Die Kunstschule gilt als „Fluchtpunkt“ für alle, die es woanders nicht schaffen.

Keiths sieht für ihn „geheiligte“ Namen von Bluesmusikern wie Little Walter und Chuck Berry. Die Intros und Solos auf deren Platten kennt der Gitarrist auswendig. Blues ist DIE angesagte Musik all jener, die mit dem vorherrschenden Jazz nichts mehr anfangen können. Mick und Keith kommen ins Gespräch und stellen fest, dass sie einen gemeinsamen Freund (und Musikerkollegen haben): Dick Taylor, der später Gitarrist bei den Pretty Things werden soll.

Mick erwähnt auch, dass er gemeinsam mit Dick und zwei anderen eine Band gegründet hat: Little Boy Blue and the Blue Boys. Er selbst ist der Sänger. Die Gruppe spielt nur echten Blues – von Howlin’ Wolf, Jimmy Reed – , und ihr einziges Publikum ist die Mutter von Dick Taylor. Noch.

Als der Zug in der Station Sidcup hält und Keith aussteigt, ist abgemacht, dass er mit seiner Hofner-Gitarre bei der nächsten Probe des Quartetts vorbeischauen soll.

Keith schreibt postwendend über diese Begegnung an seine Tante Patti: „Der Kerl da am Bahnhof heißt Mick Jagger, und alle Mädchen und Jungs treffen sich jeden Samstagvormittag im Carousel, so einem Siffladen. Eines Morgens schaute ich dann mal vorbei. Seither interessieren sich alle für mich, und ich bin zu zehn Partys eingeladen. Außerdem ist Mick der größte R&B-Sänger auf dieser Atlantikseite, und das meine ich ernsthaft. Ich spiele Gitarre (elektrisch) wie Chuck, wir haben inzwischen einen Bassisten und einem Drummer und eine Rhythmusgitarre und proben zwei, drei Abende die Woche. Swingin’!“ Szenenwechsel. Alexis Korner ist 34 Jahre alt und hat es als Musiker satt, ständig gegen die Vorurteile des Jazzpublikums gegen Blues und Rhythm & Blues anzukämpfen. Wenn Alexis und seine Frau in ihrer Wohnung in Bayswater zu Bett gehen, lassen sie das Fenster der im 1. Stock gelegenen Küche offen – für den Fall, dass einer der mit dem Ehepaar bekannten amerikanischen Bluesmusiker auf der Suche nach einem Schlafplatz vorbeikommen möchte.

Einer ist oft da: Der 19-jährige, musikalisch hochbegabte Schulabbrecher Brian Jones, der sich „Elmo Lewis“ nennt, wenn er Gitarre spielt oder Mundharmonika bläst. Sonst tut er nicht viel, außer Mädchen nachzustellen. Und darum ist er auch schon Vater eines unehelichen Kindes.

Alexis will mit seiner Band nichts als den Blues spielen. Auftrittsmöglichkeiten gibt es aber nur in Jazzlokalen. Davon hat Alexis genug: Er eröffnet im Londoner Ortsteil Ealing einen Bluesclub, den er in der Musikzeitschrift „New Musical Express“ ankündigt.

Little Boy Blue and the Blue Boys können es kaum fassen, dass es außer ihnen auch noch andere englische Bluesfans gibt. Am Samstag zwängen sie sich in ein geliehenes Auto und machen sich auf den Weg nach Ealing.

In Korners Blues Incorporated spielt ein Drummer namens Charlie Watts, der eigentlich aus dem Jazz kommt. Und gelegentlich hat auch „Elmo Lewis“ (Brian Jones) an der Slide-Gitarre einen Auftritt.

Gerade als Mick Jagger, Keith Richards und Dick Taylor den Club betreten, spielt „Elmo“ auf der Slide-Gitarre „Dust My Broom“. Keith kann es nicht fassen: „Das ist Elmore James“, flüstert er den anderen immer wieder zu. „Er ist es, Mann, er ist es wirklich!“ Dann setzen sich alle Burschen die halbe Nacht bei ein paar Bier zusammen und reden über den Blues. Bald darauf gibt Brian Jones eine Anzeige in „Jazz News“ auf: Er sucht Musiker für eine Band. Der erste, der sich meldet, ist ein Boogie-Woogie-Pianist namens Ian Stewart. Im Lauf der nächsten Tage kommen auch Mick, Keith und Dick zum Vorspielen bzw. Vorsingen. Brian auf der Gibson und Keith auf seiner Hofner-Gitarre harmonieren sofort. Sie liefern sich Gitarrenduelle, spielen Duette. Musikalisch klappt es hervorragend, menschlich sind von Anfang an Spannungen vorhanden – vor allem, weil Mick und Keith zusammenhalten wie Pech und Schwefel und Brian sich oft ausgeschlossen fühlt.

Im Sommer 1962 erhalten Korners Blues Incorporated ein Angebot für eine überregionale Sendung im Unterhaltungsprogramm der BBC. Dieser Auftritt überschneidet sich jedoch mit Korners regelmäßigen Donnerstagsauftritten im Londoner Marquee-Club. Korner bietet dem Manager des Marquee, Harold Pendleton, die neue Gruppe an, die er unter seinen Fittichen hat. Sie nennt sich jetzt zu Ehren eines Songs von Muddy Waters „The Rolling Stones“. Brian hat den Namen ausgesucht. So kommt es, dass die Rolling Stones am Abend des 12. Juli 1962 ihrem ersten Publikum gegenüberstehen. Ian Stewart hat die Set-List in seinem Taschenkalender notiert. Mick trägt einen Pullover, Brian eine Cordjacke, Keith einen viel zu kleinen dunklen Anzug. Dick Taylor ist am Bass, Mick Avory (später Kinks) an den Drums.

Das Jazzpublikum steht der Band feindselig gegenüber. Doch Missfallenskundgebungen werden von einer Reihe von Mods übertönt: Sie sind begeistert.

Das Geschäft läuft zunächst schlecht für die Band, in der sich Brian Jones um jeden Auftritt bemüht. Mick, Keith und Brian sind mittlerweile in eine schmierige, eiskalte Wohnung in Chelsea gezogen. Dort leben sie von einer Kartoffel-Eier-Diät. Ein Lichtblick tut sich auf, als sich Charlie Watts überreden lässt, in die Band einzusteigen. In seinem Kielwasser kommt auch der neue Bassist Bill Wyman.

Die ärmlichen Stones lernen einen Clubmanager namens Giorgio Gomelsky kennen. Der bringt sie in eines der angesagtesten Lokale, den Crawdaddy Club in Richmond, hinter dem Bahnhofshotel.

Dorthin kommt eines Abends auch der Starreporter des „Record Mirror“, Norman Jopling. Er schreibt: „Im Bahnhofsviertel in der Kew Road wälzen sich die Hip-Kids zu der neuen ,Dschungelmusik‘ herum, wie sie es zu den gesetzteren Zeiten des Trad nie gewagt hätten. Die Band, zu der sie sich winden, schlängeln und twisten, nennt sich The Rolling Stones. Den Stones ist es bestimmt, die größte Gruppe in der Rhythm-&-Blues-Szene zu werden, falls diese Szene weiter aufblüht und gedeiht . . .“ Auftritt eines Mannes, der sich den Stones als Manager andient: Andrew Loog Oldham. Eines seiner ersten Manöver: Er kreiert den „bösen“ Look für die Band, im Gegensatz zu den bereits unglaublich populären „braven“ Beatles. Was der Öffentlichkeit entgeht, ist, dass sich die Musiker beider Bands angefreundet haben. Die Beatles überlassen den Stones sogar einen ihrer Songs: „I Wanna Be Your Man.“

Die Beatles hatten sich Monate zuvor bei der Plattenfirma Decca dem Label-Manager Dick Rowe vorgestellt. Er sah in der Band nichts Besonderes und ließ sie ziehen. Während die Beatles bei der Firma EMI kometenhaft aufstiegen, sah sich Rowe zehn Monate lang Tag für Tag mit seiner katastrophalen Entscheidung konfrontiert: „Der Mann, der die Beatles verschenkte.“ Bei einem Nachwuchswettbewerb in der Philharmonic Hall in London hofft Rowe im Mai 1963, eine neue Band zu entdecken. In der Jury sitzt auch Beatle George Harrison, der Rowe nichts nachträgt. Beiläufig sagt er zu dem Decca-Mann, da gebe es eine Gruppe, die es vielleicht wert wäre, einen Vertrag zu bekommen. Sie nennen sich The Rolling Stones und spielen jeden Sonntagabend in Richmond . . .

Als George sich wieder umdreht, stellt er fest, dass Dick Rowes Sessel leer ist. Er ist bereits unterwegs nach Richmond.

Am 7. Juni 1963 erscheint die erste Single „Come On“. Ein Jahr später ist „It’s All Over Now“ die Nr. 1 in den Charts.
Für mich als nicht eingefleischter Stones-Fan war's interessant, das zu lesen!

Auf der Website gibt es noch mehrere Links zu Artikeln über die R. Stones.
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Servus und a guate Zeit! Leni
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