Einzelnen Beitrag anzeigen
  #117  
Alt 04.04.2011, 00:31
Benutzerbild von maex
maex maex ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 12.10.2009
Beiträge: 85
Standard AW: Untergegangene Berufe

Saliterer

Der Saliterer stellte Salpeter her, welches zu früherer Zeit (ab dem 16.Jhd.)- für die Schießpulvererzeugung gebraucht wurde.

Der Grundstoff für das Salpeter wurde aus den Böden von Stallungen, von Keller und Senkgrubenwänden gewonnen. Dabei wurden die Lehmwände abgeschabt.
Der begehrte Stoff entstand in diesen Stätten indem er sich durch den vorhandenen Kalk und den Nitrathaltigen Exkrementen und Urin der Tiere und Menschen bildete.

Nur vom Kaiserhaus privilegierte Personen durften dieses Gewerbe ausüben und genossen viele Freiheiten um an den Saliter zu kommen. So waren sie berechtigt, Böden von Kammern und Stuben aufzureißen, Mauerstücke auszubrechen. Dieser Beruf war derartig wichtig, dass die Saliterer sogar vom Militärdienst befreit waren.
Natürlich waren die Saliterer in der Bevölkerung nicht unbedingt beliebt, da sie doch teilweise stark in die Privatsphäre der Menschen eingriffen.

Der gewonnene Rohstoff wurde, bevor es in die Salpetersiedereien gebracht wurde, gründlich von Mauerresten gereinigt.

Die eigentliche Gewinnung von Salpeter erfolgte dann in einem Siedeprozess. Der Saliter wurde mit Wasser und Asche gemischt und diese salzhaltige Lösung sättigte beim Sieden. Im Abkühlprozess kristallierte der Salpeter aus.

Die Salpetererzeugung in unseren Breiten verlor Anfangs des 19Jhd. an Bedeutung, als man in Chile große Vorkommen entdeckte und erschloss.

Saliterer in Weyer:

In Weyer stand am Marktplatz das sogenannte Salitererhäusl. In diesen Haus bewahrte der Saliterer seine Werkzeuge auf.

1673 wandte sich der Tischlermeister Matthias Tolzer an Richter und Rat, man wolle ihm erlauben, den Saliter zu sieden. Nach einem Einspruch seitens der Färber und Lederer, welche wie die Saliterer auf Asche angewiesen waren, wurde das Begehren des Matthias Tozler abgewiesen.

Am 18.2.1687 berichtete Richter und Rat von Weyer und Gaflenz an den Hofrichter zu Gärsten (Garsten), dass der Salitergraber im Prarrhofgebäude nicht graben könne, da er dort sehr leicht Schaden anrichten könne, diesen aber nicht wieder gutmachen könne.

1753 betreibt ein Ferdinand Kirchmayr am Kreuzhäusl in Neudorf das Gewebe des Saliterers.

Der letzte Salitergraber in Weyer war der k.k. Saliterer Josef Georg Lidlgruber.

Das oben erwähnte Salitererhäusl wurde am 11.März 1901 um 800 Kronen von der Marktkommune Weyer gekauft und abgerissen.
Mit Zitat antworten