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Alt 20.12.2008, 16:04
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Standard AW: Süßes zum Christfest

Die vier Goldjäger aus Kitzbühel müssen auf ihrer monatelangen Fahrt mit dem Segelschiff von Bremen über Kap Hoorn nach San Francisco zahlreiche Entbehrungen hinnehmen und gedenken während ihrer trostlosen Lage häufig der Heimat, den Verwandten, den Bräuchen und auch der Speisen.

Joseph Steinberger schreibt in unangenehmer Lage ohne Tisch und Stuhl in sein Tagebuch:
Am heiligen Abend. 24. 10ber.

Während sich heute die Kitzbühler mit Schneckennudeln *, Dampf- oder Reinnudeln **, gespeckt mit Weinbeeren und Ziweben ***, und hinkigen Aepfelkücheln **** und weiß Gott was für andern guten Sachen den Magen vollstopfen, daß Einem bei der bloßen Erinnerung das Wasser im Munde zusammenlaufen möchte, - müssen wir uns leider mit Fisolensuppe ohne Saft und Geschmack, gesalzenem Fleische, welches vor Säure fast gänzlich ungenießbar ist, und einigen kleinen Kartoffeln begnügen. Indessen müssen wir noch froh sein, daß sich vor einigen Tagen der Süd- in Westwind umgewandelt hat und wir dadurch der Gefahr zu scheitern entgangen sind; denn wir können nun weiter südlich fahren und glauben nun, daß wir der Gefahr des Scheiterns entschlüpft sind, wenn nun auch ein Sturm kömmt. Einige kleine und kurze Stürme haben wir dieser Tage wieder überstanden und jetzt haben wir schon den 2ten Tag Windstille und sind nun seit 6 Tagen eher rückwärts als vorwärts gekommen; denn was wir gegen Westen vorgerückt sind, haben wir gegen Norden eingebüßt, indem wir nun um ein paar Grade südlicher stehen und etwa noch 6 bis 7 Grade vom südlichen Polarkreis entfernt sind. Es war dieser Tage hier ungeachtet der Sommerszeit so kalt, daß wir die Lücke oder den Schieber der Stiritsch-Kappe freiwillig bis auf ein Handbreit schlössen und ganz angekleidet oder, wie man zu sagen pflegt, mit Stiefel und Sporn zu Bette gingen, ich behielt nicht nur meinen Pallidor sondern auch die in Bremen gekauften bis an die Kniee reichenden Wasserstiefel am Leibe und dennoch fror mich. Seit gestern ist die Luft etwas milder.
Dazu kommentiert Thomas Albrich:

* Tiroler Rezept für Schneckennudeln aus dem Jahre 1898: „280 Gramm Butter gut abtreiben, 4 ganze Eier und 4 Dotter gut verrühren, dann 560 Gramm Mehl, um 5 Kreuzer angerührte Hefe, 1 Seitel Obers, etwas Zucker, Salz, gut abschlagen, gehen lassen, auf ein Nudelbrett geben, auswalken, mit Eingesottenem [Marmelade, T. A.] bestreichen, zusammenrollen, Stücke herunterschneiden, aufrecht in die flache Rein stellen, gehen lassen." Anschließend in Fett herausbacken." Vgl. Josefa Payr, geb. Blaas, Neuestes Tiroler Kochbuch mit 623 selbst erprobten Recepten und 12 Speisezetteln, Innsbruck 1898, S. 117.

** Dampf- oder Reinnudeln, Zeitgenössisches Tiroler Rezept: „Man macht 1 Pfund Mehl mit ½ Seitel lauwarmer Milch und 3 Löffelvoll gewässerter Hefe an, gibt in ein Töpfchen 7 Loth zerlassenes Schmalz, 2 Eier und 2 Dotter, ½ Seitel lauwarme Milch und etwas Salz, sprudelt es gut ab, gießt es in das Mehl, mengt alles gut durcheinander, und schlägt es zu einem Teige, welcher die Dicke haben soll, daß er leicht vom Löffel fällt; alsdann gibt man Weinbeeren darunter, treibt ihn Fingerdick aus, sticht ihn mit einem Krebsbecherl aus, legt die Nudeln auf ein Tuch, und läßt sie gut gehen. Unterdessen gibt man in eine Rein Milch und ein Eigroßes Stück Schmalz, und läßt es sieden, wonach man die Nudeln hinein legt, und schön gelblich dünsten läßt. Beim Anrichten streut man Zucker darüber." Rezept aus: Vollständiges Tiroler Kochbuch für deutsche und wälsche Küche. Von Rosina Kastner, ehemalige Gasthalterin, Innsbruck 1844, S. 278 f.

*** Richtig: Zibebe, österr. und südd. „große Rosine".

**** In Fett herausgebackene, mit einem Apfelring oder Apfelstücken gefüllte und in Honig getauchte Krapfenart.

Quelle: Thomas Albrich, Goldjäger aus Tirol, "Von Kitzbühel nach Kalifornien über Kufstein", Das Tagebuch des Joseph Steinberger 1851/52, Innsbruck 2007, S. 231

Wolfgang (SAGEN.at)
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