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Alt 02.11.2012, 21:53
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Standard AW: EXPERIMENTIERKÄSTEN - Wer erinnert sich?

Ich bin in einer amerikanischen Zeitschrift aus dem Jahr 1950 auf ein besonders schönes Inserat zu Experimentierkästen der Firma Gilbert gestoßen.

Diese Firma bot alles an, was das experimentierfreudige Herz sich nur wünschen kann: von wunderschönen Säge-Sets (Holzsägen, Metallsägen, Laubsägen), Windmühlen mit Wasserpumpe, Dampfmaschinen, Mikroskope zum Experimentieren, Chemiebaukästen, Chemikalien-Sets etc:

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Doch wenn man genau hinsieht - was entdeckt man dann!

Das neue Gilbert ATOM ENERGIE LABORATORIUM!

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Von Amerikas führenden Atom-Wissenschaftlern entwickelt kann man damit über 150 Experimente mit echter Radioaktivität durchführen!
Ausgestattet ist das hübsche Set mit Geiger-Müller Zähler, Wilson Nebelkammer, Elektroskop, Spinthariskop, Neutronen und Protonen um Nuklear-Modelle zu bauen, Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlern und uranhaltige Erze.

Bemerkenswert ist auch, dass man nach Erfahrung mit den radioaktiv strahlenden Mineralien in diesem Experimentierkasten auch selbst in der Natur auf die Suche nach Radioaktivität gehen konnte: 10.000 Dollar zahlte die US-Regierung jedem, der radioaktive Lagerstätten entdeckte.

Zu diesem netten Experimentierkasten für Jugendliche schreibt Frank Patalong in seinem unlängst erschienenen Buch "Der viktorianische Vibrator. Törichte bis tödliche Erfindungen aus dem Zeitalter der Technik":

"Trotzdem [wegen tödlicher Unfälle mit Radioaktivität] hielt sich der unbedingte Fortschrittsglaube, das Grundvertrauen in die Beherrschbarkeit aller Dinge bis spät in die 1950er.
Wie weit diese Naivität ging, lässt sich am besten mit dem Gilbert U-238 Atomic Energy Lab zeigen, das von 1950 bis 1952 zum damalig astronomisch hohen Preis von 50 Dollar verkauft wurde: Der Experimentierkasten für Kinder war deshalb so teuer, weil er neben einem Geigerzähler und anderen funktionierenden Messgeräten auch vier Proben radioaktiver Materialien enthielt - inklusive eines Gamma-Strahlers. Für den Bau einer eigenen Bombe reichte das zwar nicht, reichte aber locker aus, um sich selbst etwa durch Verschlucken der Mineralien nachhaltig zu vergiften."

Wolfgang (SAGEN.at)
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