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Alt 06.07.2009, 11:18
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Reise nach Estland

Zunächst einen großen Dank an Ulrike für ihren Beitrag, ich kann ihr nur voll inhaltlich zustimmen. Was die Wende betraf, war dies wirklich ein großer Tag und die Entschärfung dieses Relikts des kalten Kriegs, dass sich in der Mitte Europas die zwei deutschen Staaten bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstanden, trug aus meiner Sicht wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit auf unserem Kontinent bei.

Auch Ulrikes Worte
Zitat:
Leider wurden manche Chancen vertan und nicht alles lief positiv.
kann ich nur unterstreichen. Es gab damals eine ungeheure Aufbruchstimmung, nach der friedlichen Revolution (und dass sie friedlich war verdanken wir sowohl den Demonstranten als aber auch jenen, die die Waffen besassen und diese nicht einsetzten) mit dem Ziel, ein neues Deutschland zu schaffen, in welchem das Beste aus beiden deutschen Staaten vereint werden sollte. Leider ist es dazu nicht gekommen, so dass sich positive Dinge der ehemaligen DDR durch die "Hintertür" durchsetzen. Als Beispiele möchte ich nur die stärkere polytechnische und naturwissenschaftliche Ausrichtung der Schulen, flächendeckende Kindergärten- und Kinderkrippenangebote, Abi in 12 Jahren, Ganztagesschulen, Ärztehäuser und die berühmte Landkrankenschwester anführen.

Zu Oldtimers Ausführungen kann man viel im Detail sagen. Aus meiner Sicht ist die Mauer in vielen Köpfen der über 30-jährigen in Ost und West noch vorhanden. Mit unseren Kindern wächst aber eine neue Generation heran, die diese Dinge nur noch aus Erzählungen kennen.

Kolchosen gab es in der UdSSR, jedoch nicht in der DDR. Hier gab es LPG, LPG(T), LPG(P), VEG, KIM .... Die Landwirtschaftsmitarbeiter verfügten zumindest über einen Facharbeiterabschluss, es gab diverse Studiengänge im Fach- Hochschul- und Universitätsbereich und ganz hier in der Nähe, in Meißen, eine Akademie zur Ausbildung des Führungsnachwuchses für landwirtschaftliche Produktionseinheiten. Diese zumeist sehr großen Produktionseinheiten hatten damals gegenüber der kleingliedrigen Produktion Vorteile im Effizienzbereich, jedoch Umweltprobleme, was z.B. die Entsorgung riesiger Güllemengen betraf.

Was die Rentenproblematik betrifft, kann man darüber ganze Seiten füllen. Ich gehe davon aus, dass du vor allem die höheren Renten der Ostfrauen ansprichst - diese hatten jedoch auch meist eine vollständige Erwerbsbiographie vorzuweisen. Zudem fehlt im Osten der jahrzehntelange zusätzliche private Rentenvorsorgeaufbau. Auch von den vielen Beziehern horrender Beamtenpensionen kann man hier nur träumen. Das Lohnnniveau ist sehr unterschiedlich. Während große Konzerne 100% bezahlen habe ich von einem Mitarbeiter einer privaten Entsorgungsfirma erst in der letzten Woche erfahren, dass er für 3,50 Euro / Stunde arbeiten musste - im Jahre 2009!

Solizuschlag zahlen alle, ob in Ost oder West. Fakt ist, dass ein großer Teil der Produktion nach der Wende hier zusammennbrach. Teils weil er nicht effizient genug war, teils weil er jetzt nur noch ungeliebte Konkurrenz war, teils weil man hochmoderne Produktionsanlagen lieber in die eigenen Stammstandorte verlagerte. Übrigens gibt es im Osten bis auf 2, 3 Ausnahmen keine Standorte von Konzernzentralen, die Gewinne werden also in München und Stuttgart versteuert und kommen den dortigen Kommunen zugute. Missbrauch von Solimitteln sollte man auch als solchen ahnden! Was die Ostsee betrifft, ist ein Sommerurlaub dort für die meisten Einwohner der neuen Bundesländer nicht mehr erschwinglich.

Dies nur als einige kleine Anmerkungen - wie weiter oben geschrieben kann ich mich Ulrikes Geamteinschätrzung dieses sehr komplexen Problems nur anchliessen.

Dresdner
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Geändert von Dresdner (06.07.2009 um 13:14 Uhr) Grund: RS
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