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Alt 04.03.2014, 17:24
Pjotr68 Pjotr68 ist offline
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Standard AW: Drei Elende aus dem Mittelalter

Hier noch das zuerst entstandene deutsche "Original":

Ballade für "Drey Ellende"

01
Hier hebt sich an die Märe
Von ellend Degen drey'n
Ließen fahren ihre Ehre
Durch Schicksals harte Lehre
Und fügten sich darein

*

02
Tankred hier, eyn Recke stark
Um's Erbtheil warth bethrogen
Viel Feind bedrängete ihn arg
Ihm blieb kein Lehen in der Mark
Ward ins Exil gezogen

03
So folgte er des Papstes Ruf
Und ritt in heil'ge Lande
Focht dort zu Fuße und zu Huf
Was Grimm und Glauben in ihm schuf
Zu sühnen seine Schande

04
Trutzend der Ketzer Horden
Gewann er manche Schlacht
Doch wurd' er müd dem Morden
Ward in der Templer Orden
Zum Kriegermönch gemacht

05
Wie's ihm der Schwur gebeuet
Schützt er nun Pilgers Pfad
Kein Mühsal er gescheuet
Doch hat ihn oft gereuet
Manch derb und bluthig Tath

*

06
Des Wallfahrers Queste
Birgt Mühsal und Gefahr
Führt in heilige Paläste
Zu beten für das Beste
Heißt wandern Tag und Jahr

07
Tut man die Entscheidung kund
Zu geh'n auf Pilgerspfaden
Liegt oftens das Gewissen wund
Manch Sünde ist zumeist ein Grund
Der Heimat zu entsagen

08
Auch der Meister Balthasar
Sucht' der Vergebung Gnaden
So erlag er Avaritia
Und Ira sein Verhängnis war
Hatt' Schmach auf sich geladen

09
Einstens da begab es sich
Er fand die holde Buhle
Mit einem andern inniglich
Lüstern und gar minniglich
Traut schlummernd in der Kuhle

10
Es ward ein reicher Edelmann
Der ihm sein Lieb verführet
Voll Groll hob er den Dolch hoch an
Stach auf die Leiber ein sodann
Bis keins sich mehr gerühret

11
Und als er seinen Frevel sah
Voll rotem Tau die beiden
Die toten Augen ungewahr
Wehe Dir O Balthasar
Die Hölle wirst’ erleiden

12
Sein Tun ihn blank entsetzet
Nun da die Wut gebannt
Vergoss'nes Blut benetzet
Was meuchelnd' er verletzet
Gewissen, Wams und Hand

13
Schnell raffte er zusammen
Des Freiers Hab und Gut
Die Geldkatz' des Infamen
Mit zitternd' Fingern, klammen
Nahm Pilgerstab und Hut

14
Um zu lindern seine Qual
Zieht er gen Compostela
Zu fliehen Schiedsspruch und Ordal
Stellt' er Glauben vor Moral
Und frönt so manchem Heller

15
Und weil ein jeder guter Christ
Kann auf Verzeihung hoffen
Setzt er sich der Buße Frist
Billigt, was nicht zu ändern ist
Wähnt's Himmelreich ihm offen

*

16
Das Los des Vagabunden
Es ist ein hart' Geschyck
Verfrorn, verfemt, zerschunden
Verzehrt, was er gefunden
S'ist der Vogelfreyen Glyck

17
So lebt Junker Ewerde
Seit jener ward verbannt
Von heimatlichem Herde
Schläft nun auf feuchter Erde
Zieht streunend über's Land

18
Bedeckt von Lumpenfetzen
Darbt Ewerd vor sich hin
Und träumt von großen Schätzen
Von sündhaft drallen Metzen
Doch bleiben's Phantasie'n

19
Hat einer nun die Mittel nicht
Zu füllen sich den Magen
Wird Eigenwohl zur ersten Pflicht
Man wird Bandit und Bösewicht
Um Gut sich zu erjagen

20
Als Dieb sich zu verdingen
Ist wohl ein schändlich Tath
Doch Hunger mag's erzwingen
Sich der Tugend zu entringen
So man kein Hoffnung hat

*

21
Des Beutels güldner Münzenklang
Verhieß fürstliche Gaben
Von Braten, Bieren, Brot er sang
Dem Räuber dies zu Ohren drang
Er wollt' sich daran laben

22
Mit blank gezückter Schneide
Stellt er nach dem Pilgerlein
Zu tun ihm viel zu Leide
Für Silber, Gold, Geschmeide
Jagt er ihm hinterdrein

23
Doch ein Gott Erbarmen hat
Mit dem gehetzten Manne
Als dieser wähnt die Beine matt
Schaut er vor sich die Lagerstatt
Des Templermönchs sodanne

24
Vor den Recken wirft er sich
Der als Pilger ihn erkennet
Zitternd von dem Dieb er spricht
Als dieser jäh ins Lager bricht
Und wilder Kampf entbrennet

*

25
Als Tankred mit geübter Hand
Warf den Schurken vor sich hin
Vor Ort hatt' er ihn fest im Band
Ewerdes letzte Hoffnung schwand
Als es gellet: "Töte ihn"!

26
Verwich'ner Zeit gedenket er
Gemetzel, Tod und Morden
Den Strauchdieb vor sich ohne Wehr
Doch meucheln will er nimmermehr
Als Mönch Salomon's Orden

27
Und wieder schallt des Pilgers Wort
Das scharfe Schwert zu netzen
Mit Räuberblut den spitzen Ort
Was rechtens sei und lang kein Mord
Er sollt' den Schelm zerfetzen

28
Dem Rittersmann scheint's just nicht gut
Was er vor sich erblicket
Des Pilgers dreister Durst nach Blut
Des kargen Diebes Todesmut
Den Schreier weg er drücket

29
Er gibt nun von des Pilgers Gold
Dem mageren Vaganten
Verdutzt man ihm Erstaunen zollt
Doch jeder hat, was er gewollt
Und keiner kommt zu Schanden

*

30
Wer ellend in der Fremde weilt
Dem steht's gut an, wenn weise
Er füglich seine Habe teilt
Dass ihn nicht Grimm und Furcht ereilt
Auf seiner Lebensreise

31
Item nutz' wohl des Hauptes Kraft
Und such' den Mut zu schüren
Zu mündiger Gedankenschaft
Und hüte dich auch dauerhaft
Den Kopf nicht zu verlieren
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