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Alt 30.10.2009, 17:49
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: seilbahngeschichte.de - Updateinfos

Ich lese mit wachsendem Interesse die Diskussionsbeiträge zu diesem Thema, welches ja eigentlich nur der inhaltlichen Information zu updates einer Internetseite dienen sollte.

Es ist schon interessant, wie vehement sich Günter für nachweislich falsche historische Aussagen einsetzt.

A. Die Theorie

Günter schreibt:

Zitat:
Bergschwebebahnen gibt es in der offiziell anerkannten Begriffsdogmatik leider nicht!
Der Begriff "Bergschwebebahn" ist sehr wohl ein historisch korrekter und anerkannter Begriff. Entstanden ist er nach 1900, als die Menschen erstmals die Gelegenheit hatten, Fahrbetriebsmittel zu nutzen, welche nicht wie bei den Standseilbahnen auf den Fahrwerken befestigt waren, sondern darunter in der Luft hingen. Dies gab ihnen ein Gefühl des Schwebens, während sie einen Berg erklammen. Nichts anderes bedeutet der Begriff "Bergschwebebahn". Realisiert wurde ein derartiges Projekt erstmals 1901 in Dresden; Eugen Langen bezeichnete die neue Anlage explizit als "Bergschwebebahn" und so wurde sie auch in der offiziellen Betriebsbewilligung bezeichnet. Die Tatsache, dass dieser Begriff nicht in den österreichischen Seilbahnverordungen auftaucht bedeutet noch lange nicht, dass er unwissenschaftlich ist und deshalb nicht verwendet werden darf.
Auch die Begriffe "Drahtseilbahn" als Synonym für Standseilbahn oder die Bezeichnung der ersten Schwebebahnen als "Aufzüge" oder "Elektrische Bergaufzüge" gehören zur Kategorie derartiger Formulierungen.

Günter schreibt:

Zitat:
Dresden ist als Standseilbahn zugelassen, sie fährt ja auch auf einer festen Fahrbahn und nicht auf Seilen!
Was hast du dir da für einen Unfug ausgedacht?
Die Dresdner Berschwebebahn fährt unter der Zulassung der BO Seil und da man für die einzige "Großkabinenbergschienenhängebahn" - dieses Wortmonstrum beinhaltet nun wirklich alle wichtigen Merkmale - der Welt keinen eigenen Paragraphendschungel aufbaut unter den Ausführungsbestimmungen Teil I - "Seilschwebebahnen".
Dies entspricht nun einmal nicht deinen Schlussfolgerungen aus der schweizer und österreichischen Seilbahnverordnung - nimm es aber einfach als Fakt an. Wie die Anlage zu ihrer Einweihung eingestuft wurde, ist weiter oben zu lesen.

Günter schreibt:

Zitat:
Die Seilbahnanlage Monte Uila nahe San Sebastian war ein spanish aero car und keine Seilschwebebahn. Mit ihrer Breitspur kann sie bestenfalls als Vorgänger des Funifors, nicht aber der Seilschwebebahnen gesehen werden (Begriffsdogmatik!)
Herrlich, hier widersprichst du dir selbst. Was meinst du, was ein spanish aero car und auch ein Funi sind? Eine Seilbahn!

Die Anlagen in Dresden und San Sebastian haben, ob man das nun wahrhaben will oder nicht, bereits vor der Kohlerer Bahn existiert. Ob das nun von den dir bekannten Experten so gesehen wird oder nicht - sie waren objektiv schon da.

Nun kommt das südtitoler Totschlag"argument" an sich, welches weiterhelfen soll, wenn man die Geschichte doch noch zu seinen Gunsten drehen will:

Zitat:
"Einige sehr kurze und plump anmutende Versuche gab es bereits voher (gemeint ist vor Kohlern Anm.), verwiesen sei hier auf die 1901 als "verkehrte Standseilbahn" mit 280 m langer durchgehender Trägerfahrbahn versehene Bahn Loschwitz - Oberloschwitz in Dresden sowie die 1907 in Betrieb genommene 280 m lange Seilbahn bei San Sebastian in Spanien. Beide Bahnen können aber nicht als konzeptionelle Vorläufer heutiger Pendelbahnen gesehen werden und bewegen sich trotz teilweise längerer Bestandsdauer in der Kategorie Sonderbauformen bei Seilbahnen. Insbesondere die heute noch bestehende Dresdner Bahn hat wenig mit einer Luftseilbahn gemein, sie gleicht eher der damals üblichen Entwicklung von Hängebahnen (auf Fahrbahnträgern hängende Fahrbetriebsmittel, die entweder durch eigene Motorkraft oder Seilzug angetrieben werden).
Warum hast du eigentlich nicht gleich noch Murmelter S.23/24 zitiert?
Köstlich auch deine "Begründung, warum die Inhalte des Zitates stichhaltig sein sollen:

Zitat:
Übrigens ein Buch an dem Ministerialräte aus dem Verkehrsministerium mitgeschrieben haben und dieses auch vorher Korrektur gelesen haben. Und die sollten es als Gesetzausübende ja wissen...
Administrator: 1 Satz gelöscht.

Wer objektive Tatsachen negiert, so wie in deinem Zitat und bei Murmelter, zeigt nur seine zutiefst provinzielle Beschränktheit und Ignoranz - um den Sachverhalt nur einmal vorsichtig und gemäßigt zu kommentieren.

Besonders amüsant ist übrigens folgende Feststellung deiner "Experten":

Zitat:
Insbesondere die heute noch bestehende Dresdner Bahn hat wenig mit einer Luftseilbahn gemein
Da irren die südtiroler Gralshüter der reinen Geschichtslehre aber gewaltig! Der einzige große Unterschied zur Luftseilbahn ist die Tatsache, dass die Laufwerke bzw. die Laufwerksrollen nicht auf einem Seil, sondern auf einem Traggerüst laufen. Alle anderen Dinge sind dran! Ob die südtiroler Experten jemals die Dresdner Anlage erlebt haben?
San Sebastian hatte alles, was eine Seilschwebebahn zur damaligen Zeit haben musste, sogar die Fangbremsen. Nicht ohne Grund wurde Kohlern I wegen gravierender Sicherheitsdefizite nach kurzer Zeit von den Aufsichtsbehörden aus dem Rennen genommen! Diese Anlage war halt keine primär für den Personentransport konzipierte Bahn, sondern eine für den Personenverkehr adaptierte Materialseilbahn.

B. Die Praxis

Damit kommen wir nahtlos zum entscheidenden Kriterium wenn man von unterschiedlichen Prämissen ausgeht, der Praxis.

Günter, besuche in den Somermonaten einfach mal Dresden, um mit mir beide Anlagen, die Standseilbahn und die Bergschwebebahn zu besuchen. Du bekommst eine exklusive Führung bis in den kleinsten Winkel, kannst die Originaltechnik von 1901 in Aktion sowie den Panoramablick von der Bergstation erleben. Bei der Standseilbahn schaust du dir das originale historische E-Werk an. Bei dieser Gelegenheit kannst du auch gleich Fotos und Filme für deine südtiroler Experten machen. Den Abend lassen wir dann bei einem (oder mehreren) Gläsern Bier im Schillergarten ausklingen - mit Blick auf das historische "Blaue Wunder", die Traditionsdampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt und natürlich die Schwebebahn. In den Technischen Sammlungen findest du übrigens auch jede Menge Anregungen für dein zweites großes Hobby.

C. Zusammenfassung

Die Welt ist groß und sicherlich gibt es wichtigere Dinge, als sich über den Rang der ersten Bergschwebebahn zu streiten.

Sicher können San Sebastian, Bozen und auch Dresden gut damit leben, wenn jede dieser Städte mit diesem Attribut wirbt.

Was nicht sein muss, sind verächtliche Formulierungen zu den anderen Anlagen, wie von südtiroler Seite in den vergangenen Jahrzehnten und verstärkt auch wieder im Jahre 2008 leider praktiziert. Ich verzichte in diesem Zusammenhang auf Zitate, du kennst diese Formulierungen selbst zur Genüge.

So, ich hoffe nun "sei Friede zu diesem Thema" und ich wünsche allen Forenteilnehmern morgen einen schönen Reformationstag.

Dresdner (der wirklich aus Dresden kommt ...)
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www.bergbahngeschichte.de

Geändert von Dresdner (30.10.2009 um 23:18 Uhr) Grund: RS
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