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Alt 09.07.2010, 09:26
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Standard AW: Bergwerk / Bergbau Valsertal, Tirol

In der "Tiroler Tageszeitung" werden heute die Gründe für die diese Tage laufenden Aufräumarbeiten um das Bergwerk Alpeiner Scharte erklärt:
Spurensuche im Valser Tal soll dunkles Kapitel erhellen Studenten der Technischen Uni Wien rekonstruieren in Vals die Geschichte des Bergbauprojektes der Nazis. 2013 soll es eine Ausstellung geben.
Von Christoph Mair

Vals – Das von den Nationalsozialisten lancierte waghalsige Bergbauprojekt unterhalb der Alpeiner Scharte lockte immer wieder Hobbyforscher ins Valser Tal. Dennoch blieb bis heute vieles im Dunkeln. Eine systematische wissenschafliche Aufarbeitung fehlte. Zuletzt erregte die Beschäftigung der Absamer Familie Breit mit dem Schicksal der eingesetzten Zwangsarbeiter Aufmerksamkeit. Diese dürfte es auch gewesen sein, die jetzt ein Team von Studenten und Professoren der Technischen Uni Wien unter Professor Gerhard Stadler für zwei Wochen ins hinterste Valser Tal lockte. Die Architekturstudenten wollen dort, im Tal und auf dem Berg, den baulichen Spuren nachspüren. „Wir machen das über die vorhandenen Überreste, die vermessen werden, aber auch über die Befragung von Zeitzeugen“, erklärt Stadler.

Einer der interessantesten Zeugen der jüngeren Geschichte ist dabei Günter Wackerle. Jetzt, im Ruhestand, ist er als Vizeleutnant des Bundesheeres 1989 von der Landesregierung mit der Sprengung der Ruine der ehemaligen Erzaufbereitungsanlage beauftragt worden. „Schon 1983 hat die Gemeinde Vals um die Sprengung angesucht, aber damals war das dem Land zu teuer“, erinnert sich Wackerle. Im November 1989 sei es dann aber so weit gewesen. Bei zwei Sprengungen machten knapp 600 Kilogramm Sprengstoff (Gelatin-Donarit) in über 1100 Bohrlöchern das Gemäuer dem Erdboden gleich. Heute ist davon praktisch nichts mehr zu sehen – mit Ausnahme einiger kleiner Nebengebäude (siehe Bild). Ein Amateurfilm des Bundesheeres, Fotos und Wackerles Erinnerungen tragen aber zur Rekonstruktion bei.

Die zweite Woche der Exkursion werden die Studenten auf der Geraer Hütte verbringen. Rund um den Bergwerksstollen werden sie auch Relikte wie etwa Werkzeuge bergen. Diese sollen als Schauobjekte das Herzstück einer Ausstellung über das Bergbauprojekt, das nie über den Probebetrieb hinauskam, bilden. Die Ausstellung soll 2013 im Technischen Museum Wien gezeigt werden. Auch dafür soll die Feldforschung im Valser Tal wichtige Grundlagen liefern, erklärt Gerhard Stadler. „Wir versuchen aber auch eine wirtschaftspolitische Interpretation“, ergänzt er. Spannend sei etwa, wieso eine Weisung aus Berlin Ende 1944 das Projekt wegen fehlender Wirtschaftlichkeit einzustellen, wieder aufgehoben worden sei. „Wer hat an diesem Projekt verdient?“, stellt der Wissenschafter nur eine von noch vielen interessanten offenen Fragen.
Quelle: TT.com, 8. Juli 2010
Bemerkenswert erscheint mir hier die erstmals erfolgende Befragung von Zeitzeugen zu sein. Unklar hingegen ist mir, warum die Ausstellung dann in Wien gezeigt werden soll.

Wolfgang (SAGEN.at)
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