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Alt 10.03.2009, 10:37
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Umgang mit Dingen - die Reparatur als Aspekt der Technikgeschichte

Die Auflistung
Zitat:
- Reparieren und Organisieren in der SBZ/DDR
- Reparieren in Wegwerfgesellschaften
beschreibt sehr treffend den grundlegenden Unterschied zwischen dem Zustand beider Gesellschaftssysteme.
Technische Konsumgüter ob nun Autos, Waschmaschinen, Küchengeräte etc. waren so konzipiert, dass sie möglichst lange funktionierten; zudem waren sie sehr reparaturfreundlich konstruiert. Repariert wurde sowohl zu Hause ("heimwerkeln") als auch durch Fachfirmen. Es gab die DLK (Dienstleistungskombinate), dort konnte an einer Stelle vom Schuh, welcher zu besohlen war bis zur defekten Küchenmaschine alles zur Instandsetzung gebracht werden.
Bei einigen technischen Gütern wie Autos bestand eine sehr lange Wartezeit von der Bestellung bis zur Auslieferung. Trabant, Wartburg & Co. liefen also meist mehrere Jahrzehnte. Mancher bezeichnet diesen Zustand als Mangelwirtschaft, man kann ihn aber auch als Schonung natürlicher Ressourcen betrachten. Ersatzteile waren nicht immer sofort verfügbar, also musste "organisiert" werden. Das bedeutete Beschaffung über "Beziehungen", ein größeres "Trinkgeld" oder auch Bezahlung in D-Mark - nicht umsonst hatten Inhaber privater Reparaturfirmen einen sehr hohen Lebensstandard.
Heute erleben wir das genaue Gegenteil. Alles ist immer und sofort erhältlich; technische Artikel werden im Gegensatz zu den für die Existenz wirklich wichtigen Dingen immer billiger.
Eine Episode beschreibt diesen Zustand. Als ich im Dezember 2008 ein neues Navigationsgerät kaufte fragte ich den Verkäufer nach der Möglichkeit, Updates für das Kartenmaterial vornehmen zu können. Daraufhin erntete ich einen mitleidigen Blick und die Antwort, dass ich das Gerät in zwei Jahren entsorgen solle. 1. sei dann die Garantie vorbei und 2. käme mich dann ein neues Gerät mit vielen zusätzlichen Eigenschaften wesentlich weniger Geld als ein Update des 2 Jahre alten "Oldies".
Dresdner
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