Einzelnen Beitrag anzeigen
  #2  
Alt 11.04.2010, 21:10
harry harry ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 29.04.2005
Ort: Klosterneuburg, Bezirk Tulln
Beiträge: 11.556
Standard AW: Der Kreuzstein bei Natters, Tirol

Dazu noch folgende Literatur (mit Ortsangabe und zugehöriger Sage) aus
Ada Paul, Steinkreuze und Kreuzsteine in Österreich -Eine Bestandaufnahme, Berger und Söhne, Horn, 1975, S. 53 f.:

"82. Natters (Abb. 55)
Das knapp über 1 m hohe Scheibenkreuz fand ich in den Tiroler Heimatblättern (Jg. 1926 Heft 8) erwähnt. Es steht etwa 1 km südwestlich des Ortskernes von Natters im Walde zwischen dem Eichen- und Tschurtschenthalerhof, ist stark verwittert und zeigt weder Inschrift noch Jahreszahl oder sonstige Zeichen.

Heinrich von Schüllern teilt dazu folgende Legende mit: In alter Zeit bestanden Hutweiden, wo heute Wiesen sind. Diese Weiden gingen in einen Staudwald über, der einer Ziegenherde als Futterplatz diente, während auf den Grasflächen Kühe gehütet wurden. Da kein Zaun die Weiden trennte, kam es natürlich immer wieder vor, daß die Kühe in das Gebiet der Ziegen drangen und umgekehrt, die Ziegen das Gras der Rinder fraßen. Die beiden Hirten der Herden gerieten darob in Streit und beschlossen einen ritterlichen Zweikampf mit jenen Spießen auszutragen, die sie zur Abwehr von Wölfen und Bären mit sich trugen. Der eine setzte sich auf einen Stier, der andere auf einen Ziegenbock und stürmten die vorgehaltenen Spießen auf einander los. Zwei mal verfehlten sie ihr Ziel. Beim dritten Anlauf aber bohrte einer dem anderen gleichzeitig die Spitze seines „Speers" ins Herz. Beide waren auf der Stelle tot. Zur Sühne für dieses frevle Spiel errichtete man das Kreuz aus Stein.

Soweit die Legende. Die wahre Bedeutung dieses Kultmales ist kaum zu deuten. Der Legende nach wäre es ein echtes Sühnekreuz, doch werden in Tirol eher „Marterln" gesetzt. Als Grenzstein kann es auch kaum angesprochen werden, denn sein Standort liegt nicht an der Grenze sondern mitten im Wirkungsbereich des ehemaligen Hofgerichtes Axams, das dem Stift Frauenchiemsee gehörte. Der Mystik seines Standortes nach könnte es sich bei diesem Kreuz am ehesten um ein uraltes, germanisches Kultmal handeln, wie Fietz und andere die Steinkreuze deuten, das nicht einmal christianisiert wurde, sondern dessen Existenz man einfach durch obige Legende erklären wollte. Denn daß der Raum Natters über Bayern von germanischen Stämmen besiedelt wurde, steht außer Zweifel."


Im Anhang die zitierte Abb. 55, welche offensichtlich das oben genannte Steinkreuz zeigt.
Miniaturansicht angehängter Grafiken
Steinkreuz_Natters_Paul.jpg  
__________________
Harry
Mit Zitat antworten