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Alt 01.07.2009, 16:55
Berit (SAGEN.at) Berit (SAGEN.at) ist offline
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Standard AW: Reise nach Estland

Hallo Dresdner,

auch wir nehmen dir deine äußerst kritische Haltung nicht übel und sind froh, dass einer freiwillig diesen Part übernimmt.

Ich war als Kind in den 80er Jahren einige Male zu Besuch in der DDR und es hat mich und meinen Bruder tief beeindruckt. Allein der Grenzübergang mit kilometerlangen Stacheldrahtzaun läßt sich nicht vergessen, auch die alten Fassaden und das Kopfsteinpflaster nicht, die riesigen Neubauten nicht zu vergessen. Und dann die leeren Geschäfte, denn für uns waren sie leer wenn nur ein Produkt im gesamten Regal lag, vor denen man anstehen mußte. Ja selbst im Restaurant standen die nächsten Hungrigen schon hinter einem.

Begeistert waren wir vom Vanilleeis und den Eiswaffeln *mmmhhh
geb es die nicht auch in "Muschelform"?

und die Milch gab's in Flaschen (gab's bei uns damals nicht!)

die Kindersachbücher waren einfach spitze und ein Wort muß mich sehr geprägt haben, denn hähnchenähnliches Hundspielzeug heißt bei mir immer noch "Breuler".

Hatte ich schon erwähnt, dass wir damals eine ehemalige DDR-Bürgerin im Auto hatten? Ich will ja nicht von Stasi sprechen, aber zufälliger Weise wurde genau unser Auto bei der Rückreise "gefilzt" (nachdem wir vorher schon auf der Fahrt kontrolliert wurden). Mein Bruder und ich hatten natürlich Angst und meiner Mutter als Fahrerin war sicher auch nicht wohl, als wir alle mit in die Garage mußten. Die Pässe wurden mitgenommen und dann hieß es einfach auspacken. Zu dieser Zeit gab es für Jungs ein "Armbrustspiel" und mein Bruder hatte es als Ostergeschenk bekommen. Einem bunten Adler aus Holz konnte mittels "Armbrust" und Pfeilen mit Gumminoppen die "Federn" weggeschossen werden. Oh - welche Aufregung, wir hatten ein Geschoß dabei!!!
Zudem hatten wir eingelegte Gurken dabei und da wußten wir eh, dass das ein Tabu ist. Hätte man das Gastgeschenk nicht annehmen sollen? Und so hat meine Mutter das der Grenzkontolle auch erklärt und meine Briefmarken in der Jackentasche haben sie auch nicht gefunden...
Ach ja, das Auto wurde dann nicht auseinandergenommen, wie angedroht, und nach 'ner ganzen Zeit gab es auch die Pässe zurück.

Im Laufe der Jahre wurde der "Grenzübertritt" dann immer leichter.

Viele Grüße

Berit
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