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Alt 13.10.2008, 17:08
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen

Hallo Wolfgang,
auch ich bin der Auffassung, dass unsere Meinungen nicht so weit auseinanderliegen - Bleichert hatte zur damaligen Zeit die Weltmarktführerschaft im Bereich der Seilbahnfertigung, er hatte den Zugriff auf die wichtigsten Patente, organisierte ein weltweites Netz von Tochterunternehmen, lieferte anerkannt hohe Qualität und gestaltete sein Unternehmen nach durchweg betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Bleichert & Söhne waren um 1900 das, was um 2000 Doppelmayr ist.

Einige Anmerkungen zu deinem Beitrag vom gestrigen Tag.
1. Der Krügersche Vergleich Ingenieure - Arbeiter bei Bleichert und in einer Buchbindereimaschinenfabrik mag von den reinen Zahlen her stimmen, besitzt aber inhaltlich keine Aussagekraft. Seilbahnen, mit Ausnahme bestimmter Typen von Feldseilbahnen, sind generell Einzelkonstruktionen. GARAVENTA gab vor einigen Jahren eine Broschüre mit dem Titel "Wie eine Seilbahn entsteht" heraus. Jedes Einzelteil muss extra berechnet und konstruiert werden, allein die Seilrechnung ist eine Wissenschaft für sich. Dazu kommen die in jedem Land unterschiedlichen zu beachtenden Gesetze und Verordnungen sowie die Sonderwünsche des zukünftigen Betreibers. Eine Buchbindemaschine dagegen wurde einmal konstruiert und konnte dann in der gleichen Ausführung unbegrenzt verkauft werden. Krüger vergleicht hier also "Äpfel mit Birnen".
2. Dass die Laaser Marmorbahn mit vielen heimischen Komponenten errichtet und ausgestattet wurde, lag zum einen, wie du geschrieben hast, an den Forderungen der Auftraggeber und zum anderen an der starken Wirtschaft Österreichs - die Leistungen wurden wie vereinbart erbracht. Diese Vorgehensweise wurde in allen Fällen gewählt, in denen die genannten Voraussetzungen gegeben waren, selbstverständlich gehörten dazu auch die Nordkettenbahn sowie die 1. TZB.
3. Den Komplettbau von Bahnen (außer Seile) belegt die Bleichertsche Rekordbahn schlechthin, die "Argentinische Goldbahn". Vom Nestor der Seilbahngeschichtsschreibung, H.D. Schmoll als "8. Weltwunder" bezeichnet und als "wohl bedeutendstes technisches Denkmal der Aufstiegsanlagenwelt" klassifiziert, schreibt Schmoll in der Weltseilbahngeschichte, Bd. I auf Seite 71: "Die gesamte, immerhin 34 km lange Streckenausstattung mit neun Sektionen wurde in Leipzig-Gohlis gefertigt, vor- und dann wieder demontiert, um schliesslich per Schiff von Hamburg nach Buenos Aires und auf der Schiene nach Chilecito transportiert zu werden."
Ein weiteres Beispiel ist die große Zahl der Feldseilbahnen, die vor und während des I. WK in Leipzig nach dem Baukastensystem für die Front gefertigt wurden.
4. Was die Gießerei betrifft ist es wichtig zu betonen, dass nur der reine Gußprozess ausgegliedert wurde. Der Formenbau, eigentlich ein integraler Teil jeder Gießerei, blieb bei Bleichert! Die Bleichertwerke lieferten die Formen, die die Gießereien dann weiter nutzten.
Dresdner

Geändert von Dresdner (13.10.2008 um 21:17 Uhr)
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