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Alt 12.10.2008, 10:38
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Standard AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen

Hallo Dresdner,

so weit ist unsere Argumentation nicht auseinander, dennoch kurz meine persönliche Interpretation der Bleichert'schen Konstruktionsmethode. Ich beziehe meine Kenntnisse vor allem aus der Innsbrucker Nordkettenbahn und der Laaser Marmorbahn.

- "keine Gießerei" ist ein ganz entscheidender Produktionsvorteil für eine Maschinenbaufirma. Wie Ulrich Krüger in "Adolf Bleichert und sein Werk" auf S. 15 argumentiert, ersparte sich die Firma dadurch die dreifache Arbeiterzahl: "wenn Gußeisen und Stahlguß, Eisenkonstruktionen und Stahlseile selbst hergestellt würden, wäre etwa dir dreifache Arbeiterzahl notwendig. Das Bleichertsche Unternehmen besaß und behielt den Charakter eines Ingenieurbetriebes mit Maschinenfabrik. Das zahlenmäßige Verhältnis der Ingenieure und Produktionsarbeiter war bei Bleichert ein ganz anderes als bei Leipziger Maschinenfabriken allgemein. Im Bleichertschen Unternehmen kamen in den 1880er und 1890er Jahren auf einen Ingenieur lediglich 3 oder 4 Arbeiter. In der Maschinenfabrik von Karl Krause (Buchbindereimaschinen) in Anger-Crottendorf beispielsweise betrug die zahlenmäßige Relation etwa 1:15. Ähnliche Unterschiede gab es beim Kraftbedarf." (Krüger 2002, 15).

- der Besteller (im Fall der Marmorbahn) musste in Laas VOR Eintreffen der Ingenieure die komplette Infrastruktur (alle Hoch- und Tiefbauten, Dämme, Gleisanlagen, Gebäude, Seilbahnstützen, Seile, Energieversorgung, Kräne, Lokomotiven, Waggons, ja selbst die Generatoren und Motoren) stellen. Für diese doch recht aufwändige Anlage waren die verschiedensten italienischen Firmen etwa 2 Jahre lang nach den Plänen von der Firma Bleichert tätig. Die italienische Wertschöpfung war auch ein entscheidendes Argument, damit Bleichert den Auftrag bekam.

Wolfgang (SAGEN.at)
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