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Alt 23.04.2009, 07:25
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Mein Großvater war Sensenschmied, hat am Schmiedehammer des "schwarzen Grafen" hier im Ort gearbeitet und Sicheln, Sensen und Gabeln gemacht.

Meine Großmutter war Magd am selben Hof, wusch das Pferdegeschirr der Kutschen die das Eisen vom Erzeberg brachten und war zuständig für Milchausgabe an die Leute die sich in Kannen früher die Milch noch jeden Tag holten. Sie hat auch die vielen Kühe noch mit der Hand gemolken.
Dafür bekam unsere ganze Familie gratis Milch und Fleisch.

Später hat Opa als Holzknecht unter den Rothschilds gearbeitet.
Er ist noch mit dem "Goaßschlitt`n" gefahren, mit dem das Holz transportiert wurde, hat die Rinden der Bäume mit einem "Sappe`l" abgeschält und roch immer gut nach Baumharz wenn er nach Hause kam.

Auch meine andere Oma war Magd auf verschiedenen Höfen, da sie in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, wurde sie von einem Bauern zum anderen "weiter gereicht" und musste immer hart arbeiten. Der Lohn für zwei Jahre Arbeit auf einem Hof in Seeburg im Ybbstal war ein Fahrrad.
Sie hatte das getragene Gewand der Altbäurin zu tragen. Nicht selten gab es sexuelle Übergriffe des Bauern auf die Mägde, wurde eine schwanger, wurde sie meist vom Hof vertrieben oder umgebracht. Auch Beziehungen unter den Mägden und Knechten waren nicht erwünscht. Zog eine Magd oder ein Knecht an einen anderen Hof, passte sein ganzes Hab und Gut in eine hölzerne Kiste. Solche Kisten findet man heute noch oft bei Altwarenhändlern, innen steht oft noch das Datum am Deckel.

In Waidhofen gab es in der Stadt früher einen Nachtwächter.
Für Touristen werden deshalb heute noch in Waidhofen Nachtwächter-Führungen angeboten.

Sonja (Erfahrene Benutzerin)
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