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Alt 29.01.2013, 17:51
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: SCHENK-Raum für Flüchtlingsfamilien

Was dabei entstehen kann, wenn Flüchtlinge auf die Menschen treffen, die Warenspenden in den Schenkraum bringen, durfte ich heute hautnah miterleben. Ich hatte gerade Besuch von Frau Mariam aus Afghanistan. Sie ist mit ihren Kindern 2005 von dort nach Syrien geflüchtet. Sie hatte ein gutes Leben in Afghanistan, war gut situiert, hatte ein großes Haus, ihre Kinder besuchten gute Schulen, der Sohn war Ingenieur, die Tochter besuchte ein College. Nach der Flucht lebten sie in Syrien und begannen dort, sich ein neues Leben aufzubauen. Aber auch hier kam der Krieg und erneut musste Frau Mariam mit ihren Kindern flüchten. Nun leben sie hier in Opponitz in einem kleinen Zimmer und warten auf Abschiebung oder Bleiberecht. Die Decke fällt ihnen nach kurzer Zeit schon auf den Kopf. Sie besitzen nichts mehr. Frau Mariam war heute bei mir und ich schenkte ihr gerade gespendete Teppiche, Kaffeehäferl und Kleidung, als es an der Tür läutete und Bea, eine Frau die Warenspenden für den Schenkraum brachte, zu uns stieß.
Bea ist Waidhofnerin und begann spontan ein Gespräch mit Mariam. Diese wollte erzählen, wie sie hierhergekommen ist, brach aber dabei in Tränen aus und erzählte, sie ginge Nachts alleine durchs Dorf spazieren, damit die Kinder sie nicht weinen sehen und sie würde zu Gott beten, dass er ihr helfen solle. Bea bot Mariam dann spontan an, sie nächste Woche auf einen Ausflug mit zu nehmen, damit Mariam mal aus ihrem Zimmer raus komme, die Kinder dürften natürlich mitkommen und sie würde alle auf einen Kaffee einladen.
Mariam freute sich riesig und Bea half ihr dann noch die geschenkten Sachen runter zu tragen und fuhr sie zurück in die Pension.
DAS ist Schenkraum, so wie ich mir das erträumt hatte. Ein Ort der Begegnung, wo sich Schenkende und Beschenkte treffen und zusammen etwas auf die Beine stellen.

Was mir heute aber auch durch den Kopf ging: Menschen die reich waren und nun vor dem NICHTS stehen haben größere Probleme damit zu mir zu kommen, als solche, die ohnehin nie viel hatten.

Diese Frau sagte heute, sie würde sich schämen, zu mir kommen zu müssen und um Dinge betteln zu müssen. Da haben andere weit weniger Probleme damit als sie. Menschen die von Haus aus nie viel Besitz hatten, kommen leichter mit der Situation klar...
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