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Alt 19.02.2012, 12:51
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: Kindheit in der Großfamilie

Liebe Ulrike, da warst du ja trotzdem du deine Mutter verloren hattest noch ein Glückspilz mit deiner neuen (in dem Fall mag man gar nicht Stief- sagen) Mutter. Der Druck von Jugendamt war sicher nicht grad gut, vor allem ist es auf diese Weise vermutlich zu vielen wenig glücklichen Verbindungen gekommen - für Kinder und Vater.
Eine religiöse "Grundausstattung" ist sicher sehr wichtig. Deine kluge Uroma hat es auch richtig gesagt: man kann mit Gott reden, was ja beten heißt, aber ich glaube, das ist auch ein Grund: viele mögen nicht mehr irgendwas Vorgeschriebes hersagen. Wenn einem eine gewisse Geborgenheit als selbstverständliches Gefühl begleitet, fällt einem immer wieder was ein, oder? Jesus hat ja nicht umsonst vom "lebendigem Wort" gesprochen. Ich bedanke mich zum Beispiel, wenn ich einen guten Parkplatz in der Gasse finde, in der Stadt wirklich ein Geschenk .

Was frühere schlimme Zustände betrifft: vieles an Härte von Menschen und Situationen ist vermutlich aus bitterster Armut entstanden und dass heute das Umfeld sensibler auf Beobachtungen reagiert oder gesetzlich dazu verpflichtet ist, ist wirklich ein Segen.
Bewundernswert auch, wie manche Kinder mit solchen Belastungen und Erinnerungen ihr eigenes Leben meisterten.

„Familie“ (be)traf aber nicht nur Kinder:
Ich weiß von einem Bauern, der seine Mutter über die Kellerstiege stieß und sie blieb mit blutenden Krampfadern liegen. Ihr Enkel trug sie hinauf und sie erzählte selber, er habe ihr das Leben gerettet.
Als dieser später statt einer Bauerstochter mit Erbe eine junge Witwe mit Kleinkind heiraten wollte, warf ihn der Vater aus dem Haus und versuchte noch mit allen Mitteln (Verhinderung eines Arbeitsplatzes…), ihm zu schaden. Auch die Mutter hatte den Hass übernommen, sie spuckte aus, wenn sie die Schwiegertochter auf der Straße sah.
Als die Großmutter im Sterben lag, ließ sie durch den Pfarrer ausrichten, sie wolle den Enkel noch einmal sehen. Ja – aber ohne Frau. Die Großmutter verzichtete: „sie gehören zusammen“.
Jahre später gab es eine Annäherung, dann erkrankte die Mutter an Krebs. Sterbend bat sie im Spital die Schwiegertochter, sie solle sie nach Hause bringen.
Dem Vater war es egal: „Weibersache“. Die Tochter meinte, für so was habe sie keine Zeit, sich zu kümmern. Sie würde das übernehmen, sagte die Schwiegertochter. Darauf ihre Schwägerin : „Wenn du dich auf diese Weise hier als Bäuerin einschleichen willst, dann verfluche ich dir das Vieh, dass dir alles hin wird“
Ich (14) war dabei und mir standen die Haare zu Berge.
Geschehen Mitte der 1960er Jahre.
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