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Alt 30.04.2006, 00:27
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Oksana Oksana ist offline
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Standard AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl

Am 26.April wurde in Archangelsk der Kirche aller Heiligen gegenüber ein Stein eingeweiht, zum Andenken an die gestorbenen Teilnehmer der Unfallfolgenbeseitigung in Tschernobyl 1986.


Die Kirche aller Heiligen, Archangelsk, April 2006


Der Gedenkstein „Den umgekommenen Teilnehmern der Unfallbeseitigung in Chernobyl am 26.April 1986“ Archangelsk, April 2006.




In jenem schrecklichen Jahr sind 1500 Menschen aus Archangelsker Gebiet als „Teilnehmer“ nach Tschernobyl gefahren. Sie wussten aber am Anfang nicht genau, wohin und wozu sie fahren. Im Kriegskommissariat sagte man, sie fahren, um die neue Stadt Slawutitsch zu bauen. Und erst später erfuhren sie, dass sie die Folgen der Katastrophe beseitigen mussten.

Zitat:
Zitat von Pawel. Im Winter hat Moderatorteam von pripyat.com die Stadt Pripyat wieder besucht und dort Reporterteam einer russischen Zeitung getroffen. Mit Infrarotkameras ausgerüstet, wollten die nachts Wildschweine filmen.
Stimmt. Die Zeitung heißt „Komsomolskaja Prawda“ und die Reportage von diesem Team erschien in der Zeitung in 3 Teilen, am 21, 22 und 25.April. Ich glaube aber nicht, dass die Wildschweine ihr Ziel waren. Sie beschreiben in ihrem Bericht, was sie in der Zone gesehen haben, welche Menschen sie getroffen haben, wie sie dort wohnen.
Der Link zu dieser Reportage (da sind auch ziemlich viele Fotos) ist:

http://www.kp.ru/chernobyl/

(eher für Pawel interessant, denn der Artikel ist auf Russisch).

Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages des Tschernobyl-Unfalls wurden im russischen Fernsehen einige Dokumentarfilme gezeigt. Ein Film erzählte, wie die Menschen im Brjanskaja Gebiet (Russland) wohnen, das mehr als die anderen Gegenden unter den Folgen der Katastrophe gelitten hat. Trotz aller Vorschriften und Verbote gehen die Dorfeinwohner in den Wald und essen dann die gesammelten Beeren und Pilze, züchten das Vieh und Geflügel, trinken das verseuchte Wasser und baden in Flüssen. Sie können nicht anders leben und wollen nicht umziehen. Die Lebensumstände dieser Menschen sind schwer beeindruckend, sie bekommen auch keine gute Hilfe vom Staat. Die monatliche staatliche Unterstützung ist sehr wenig Geld, und im Föderalen Gesetz 122 vom August 2004 wurden den Menschen, die als Folge der Katastrophe in Tschernobyl krank oder Invalide geworden waren, viele Sonderrechte und Sozialleistungen abgenommen

Dieser Film steht in einem großen Kontrast zum Spielfilm, den ich mir heute angeschaut habe – „I remember“ von Weißrussland-Film. Es ist eine Geschichte eines jungen Mannes, der die Tschernobyl-Katastrophe erlebt hat, und dessen Familie dabei gestorben war. Er war auch krank, lebte aber weiter, und wurde sogar zum Maler. Aber seine Bilder waren sehr traurig, genau so wie seine Seele. Die Menschen auf seinen Bildern lächelten nie, er erinnerte sich immer wieder an den Frühlingstag, an dem er Schnee gesehen hat, der so schön vom Himmel kam. Der Vater sagte aber, es sei Asche. So lebte der Mann, tief in sich versunken, bis er endlich die Entscheidung getroffen hat, „heim zu fahren“. Er kam in sein Dorf in die Zone, wo seine Familie begraben war. Da lebten die Menschen, die jetzt als Selbstansiedler (самосёлы) bezeichnet werden. Das sind die Menschen, die ihre Heimat so stark lieben, dass sie nirgendwo anders leben können und darum kehrten sie in ihre Häuser zurück und leben weiter, ohne die Radioaktivität in Acht zu nehmen. Die schönste Natur wurde im Film gezeigt und die Menschen sagten, sie können nicht glauben, dass eine solche Schönheit gefährlich sein kann. Sie lebten da also, und bauten sogar eine Kirche. Und sie träumten davon, dass diese Kirche für ihre Enkelkinder als ein Andenkenszeichen an sie und an ihre Heimatliebe dienen sollte. So hat auch der Mann sein Glück nicht in der Ferne gefunden, sondern in seiner Heimat. Das glückliche Bild am Ende des Filmes (er, seine Frau, die ihm aus der Stadt nachgefolgt hat, ihr Baby und die neuen „lustigen“ Bilder) gibt die Hoffnung auf die bessere Zeit, nur wann kommt sie?

In der Nähe von Archangelsk wollte man in den 80-er Jahren auch ein Kernkraftwerk bauen. Aber die „Anti-Atom-Stimmung“ der Menschen nach Tschernobyl hat damals die entscheidende Rolle gespielt und das Projekt wurde eingefroren. Aber 2001 wurde es wieder zum Leben gerufen und von der Regierung und von unserem Präsidenten unterstützt. Die Bauarbeiten sollten gemäß dem Plan 2007 beginnen und der erste von vier Leistungsblöcken sollte 2010 in Betrieb genommen werden..

Und wir wissen immer noch nicht, was uns in der Zukunft erwartet.

Oksana
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