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Alt 07.09.2008, 16:07
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Standard AW: Untergegangene Berufe

Ein Beruf, der mir auch ausgestorben erscheint, ist der Feilenhauer:


Die Werkstätte eines Feilenhauers (gez. v. Alois Greil)
(Bildquelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)


F. X. von Neumann-Spallart schreibt dazu:
"Einer der Vorzüge, welcher dem Wiener Gewerbetreibenden zuerkannt werden muss, besteht in der Findigkeit, die sich häufig bis zum Erfindungsgeiste steigert und namentlich in der geschickten Ausbildung des Werkzeuges äußert. Daraus erklärt sich auch, dass die Anfertigung der Werkzeuge eine der besonders entwickelten Richtungen des Wiener Gewerbebetriebes darstellt. In vielen Fällen bis zur rationell eingerichteten "Fabrication" hinaufreichend, so z. B. bei den Werkzeugen für Holzbearbeitung, für Blechbearbeitung leisten aber selbst die nach ältestem Stile eingerichteten Werkstätten für die aktiven Hilfsmittel des Gewerbebetriebes noch immer Rühmenswertes. Ein Beispiel prägnantester Art hierfür sind die Feilenhauereien, deren heute noch in Wien eine große Zahl existiert. Diese Feilenhauereien, meist in den bescheidensten Räumen installiert, mit wenigen Arbeitern betrieben, liefern ein vorzügliches Produkt, das dem auf maschinellem Wege im In- und Auslande erzeugten noch immer Stand hält."
(Quelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)

Wie also aus dem etwas umständlichen Text hervorgeht, gab es zu dieser Zeit sehr wohl schon maschinelle Feilenproduktion und trotzdem auch händische Feilenproduktion.

Das Bild lässt etwas interessantes erkennen: offenkundig werden hier die Feilenzähne eingehauen, daher wohl auch der Name "Feilenhauer".

Wolfgang (SAGEN.at)
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