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Alt 21.09.2007, 12:12
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Standard Descendant - He's a chip of the old book

Chapter One : Memories

Suko zog die Beute an Land. Er gab sich jeden Tag Mühe, doch heute war das Ergebnis besonders sehenswert.
Auch der alte Fischer war zufrieden.
„Jo Burschi, do hast was guts gmacht heut“, lobte er, „zur Belohnung kriegst heut zehn Fische.“
Trotz der Großzügigkeit des Alten sah die Grimasse, die Suko hinter seinem Rücken zog, nicht gerade glücklich aus.

Die Arbeit war getan, der Alte hatte sich in seine Hütte zurückgezogen, und die Sonne näherte sich dem Horizont.
Suko saß an seinem Platz an der Brandung neben einem Lagerfeuer.
Die Fische hatte er an Spießen über das Feuer gestellt, wo sie nun appetitlich brutzelten.
In Gedanken ließ er die letzten Tage Revue passieren.
Was hatte ihm sein Aufenthalt in Easttown bis jetzt gebracht?
Viel gelernt hatte er nicht. Sicher, die tägliche Arbeit hatte ihn fit gehalten, und das Essen war nahrhaft,
auch wenn er sich inzwischen Mühe geben musste, es herunterzuwürgen.
Doch er sah in dieser Eintönigkeit keine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.
Wo sollte es nun hingehen?
Was würde ihn als nächstes erwarten?
Die Zukunft lag so dunkel und unergründlich vor ihm wie das Meer. Nur eines war sicher.
Morgen früh würde er den Hafen verlassen.

„Naja, was solls“, dachte Suko, „das ganze Denken ist nicht meine Stärke, und hungrig macht es einen auch noch.“
Er verzog das Gesicht, als er an den Fisch dachte, der sein einziges Abendessen war,
aber sein Magen machte ihm klar, dass das besser als nichts war.
Also beugte er sich vor, um nach dem ersten Spieß zu greifen... und erstarrte.
Direkt vor ihm stand jemand. Ein Fremder. Ein Fremder mit weißen Haaren.

„Wo kommt der denn her?“ wunderte sich Suko.
Da bemerkte er, dass der Typ einen seiner Fischspieße in der Hand hielt.

Ihre Blicke trafen sich.

Beide sahen sich tief in die Augen.

...
...
*ein Prärieball rollt*
...
...

Suko erkannte die Gefahr. Hastig begann er, seinen Fisch zu verspeisen.
Die plötzliche Bewegung schien dem Fremden ein Signal zu geben, und er begann sofort, auch seinen Fisch zu verschlingen.
Die beiden kauten und schmatzten um die Wette.
Gleichzeitig griffen sie zum zweiten Spieß.
Dann der dritte...
Die Gräten knirschten zwischen den Zähnen und kratzten beim Schlucken im Hals.
Dann der vierte...
Die Köpfe der Fische knackten beim Zerkauen.
Dann der letzte...
Die Schwanzflossen waren ziemlich zäh.
...
...
Weit und breit war kein Trinkwasser, um nachzuspülen.

Die Dunkelheit brach endgültig herein und es wurde Nacht.
Die beiden lagen einander gegenüber gemütlich am Lagerfeuer.
„Verrat mir mal deinen Namen... Fremder, der sich ohne Erlaubnis an meinem Essen verging“, verlangte Suko.
„Mein Name ist Xell. Verrate mir deinen Namen, Typ, der mich deswegen nicht Verjagt“, antwortete Xell.
„Suko“, er grinste, „und um ehrlich zu sein, warst du mir eine willkommene Hilfe.
Mir hängt der Fisch zum Halse heraus, und ich hätte das alles nicht allein essen können.“
„Yep... der Würstchenburger von dem Mädchen hat auch besser geschmeckt als das“, bestätigte Xell.
„Würstchenburger?“, fragte Suko stirnrunzelnd.
„Ja... Diese runden, knackigen Enden, dieser mit Gefühl aufgetragene Ketchup, und diese frischen Gurken...
Ich dachte, ich hätte alles schon erlebt, aber das ist einfach der Himmel“, schwärmte Xell,
„und dieses Brötchen erst... Frisch und kross, aber dennoch nicht zu hart, wie wundervoll warm es ist..
wie aus dem Ofen geholt und wie es mich nur anschreit, verzehrt zu werden.“
Suko lauschte amüsiert, wie Xell mit dieser Hymne fortfuhr.
Sein Blick war in die Ferne gerichtet, und seine Augen glänzten im Feuerschein.
„Ich würde mit ihm alles tun, Surfen in Südafrika, die Katakomben von Rom erkunden, und ihn dann romantisch verschlingen.
Nur dieser eine Augenblick, wenn ich meine Zähne in ihn schlage und ihn zerkaue... ja, nur für diesen Moment lebe ich.
Es sind nicht einmal drei Sekunden, die es dauert, bis alles runtergeschluckt ist,
aber nur für solche drei Sekunden würde ich sterben“, beendete Xell seinen Traum.
„Du meinst Hotdogs?“, fragte Suko.
Xell sah ihn an. Seine Augen wurden glasig.
„Es hat einen Namen! Gott, ich danke dir!“
Suko sah, wie ihm eine Träne langsam die Wange herabrann. Er musste grinsen und schüttelte verständnislos den Kopf.

Währendessen am Flughafen

Dem Flugzeug aus Neo-Tokyo, das soeben gelandet war, entstieg ein junger Mann mit sportlicher Figur.
Auch innerhalb des Flughafens nahm er die Sonnenbrille nicht ab.
In seiner roten Lederhose und dem roten Mantel war er eine auffällige Erscheinung.
Er verließ die Ankunftshalle und stieg in die schwarze Limousine, die schon auf ihn wartete.
„Guten Tag, Sir, hatten Sie einen angenehmen Flug?“, erkundigte sich der Chauffeur höflich.
Der Mann ging nicht darauf ein. „Ist das meiner?“, fragte er und deutete auf den Koffer, der neben ihm auf dem Sitz lag.
„Ja, Sir, eine Desert Eagle aus purem Gold und Ihr Schwert, Sir“, bestätigte der Chauffeur.
„Ausgezeichnet. Fahren Sie mich zu meiner Residenz!“

Kurze Zeit später hielt die Limousine vor der Residenz der S.S. Corp. Der Chauffeur stieg aus und öffnete den Schlag.
„Nehmen Sie meinen Koffer und bringen Sie ihn in den Konferenzraum.“
„Ja, Sir.“
Der junge Mann ging auf den Eingang zu. In dem Augenblick, in dem er dieTürschwelle erreichte, schwang die große Tür auf.
„Willkommen zu Hause, Mr. Strife“, begrüte ihn ein Mann in der Uniform eines Butlers.
„Veranlassen Sie umgehend eine Sitzung im Konferenzraum.
Meine Agenten sollenn schleunigst Bericht erstatten“, befahl Strife im Vorbeigehen, während er das Haus betrat.
Der Butler sah ihm betroffen nach. „Mr. Strife, es ist drei Uhr nachts, und Sie hatten eine lange Reise...“
„SOFORT!“, unterbrach ihn Strife.

eine halbe Stunde später

An der Tür zum Konferenzraum klopfte es vorsichtig.
„Herein“, rief Strife, seine Desert Eagle schussbereit in der Hand.
Die Tür öffnete sich. Zwei bullige Männer, komplett in Schwarz gekleidet, traten zögernd ein.
„Sir?“
„Erstattet mir augenblicklich Bericht“, befahl Strife.
Einer der beiden Schwarzgekleideten atmete tief durch und begann zu reden.
„Nun, Sir... seinen Standort ausfindig zu machen, hat sich als äußerst schwierig herausgestellt...“
Es knallte laut. Die Tür hinter den beiden Männern zersprang in tausend Stücke.
Sie zuckten zusammen und sahen sich verwirrt an.
Dann wurde ihnen langsam klar, dass ihr Boss gerade auf sie geschossen hatte. Entsetzt blickten sie auf ihn.
Strife pustete gelassen den Rauch von der Mündung seiner Desert Eagle.
Ganz entspannt öffnete er den Koffer und holte Munition heraus.
„Seht ihr das hier?“, fragte er hämisch. „Das ist Pulsar-Munition.“
Die Männer erstarrten. Feine Tröpfchen von Angstschweiß sammelten sich auf ihren Stirnen.
Gebannt beobachteten sie, wie Strife die Patrone direkt in den Verschluss steckte.
“Versucht nicht, mich auf den Arm zu nehmen, und erspart mir eure Höflichkeitsform! Ich will Fakten!“, sagte er zornig.
„Wir... wir können ihn nicht ausfindig machen, Sir“, brachte einer zitternd heraus.
Squall legte eine Hand auf sein Gesicht und massierte sich sanft die Augen.
„Was ist daran so schwer, einen Befehl dieser Art auszuführen?“, fragte er seufzend.
„Ihr habt nicht den Auftrag, eine Firma zu manipulieren oder jemanden zu eliminieren...“
Er setzte sich wieder hin und legte die Desert Eagle auf den Tisch.
„S...Sir...Dieser Typ ist ein Meister der Tarnung, und das nicht nur im wörtlichen Sinne...“
„Geht! Ich sehe, dass ich das alleine machen muss.“

Währenddessen am Hafen

Suko und Xell lagen neben dem leise knisternden Lagerfeuer. Keiner von beiden konnte schlafen,
und so starrten sie in den Himmel und ließen ihre Gedanken wandern.
Schließlich brach Suko das Schweigen.
„Xell...”
Xell drehte ihm den Kopf zu und grinste. „Yep?”
„Wer bist du eigentlich? Erzähl mal deine Geschichte.”
Xells Gesicht wurde ernst.
„Wenn ich das wüsste, wäre ich ein Stück weiter... Ich... hab eine Ameise”, erklärte er.
„Eine Ameise!?”, fragte Suko verwirrt.
„Ja... Ich kann mich an meine Vergangenheit nicht erinnern. Nur an die Geschehnisse vor Kurzem.”
„Ach so... du meinst eine Amnesie!”
„Ja, sag ich doch, eine Ameise.”
Suko zog die Brauen hoch, beschloss aber, nichts mehr dazu zu sagen.
„Naja... erzähl mir dennoch deine Geschichte”, bat er stattdessen.
Xell sah wieder in den von Sternen funkelnden Himmel. Sein Blick verlor sich in der Ferne.
„Da gibt’s nicht viel zu erzählen”, wehrte er ab, „ich wandere umher,
auf der Suche nach irgendwelchen Hinweisen.
Hinweise, die mir auf die Sprünge helfen, meine Identität herauszufinden.” Er verstummte.
Nach einer Weile fragte er zurück: „Was treibst du eigentlich hier? Gibt’s für dich kein Zuhause?”
„Sieh dich um... Die Freiheit ist mein Zuhause”, antwortete Suko leichthin.
„Das ist ja wohl die blödeste Antwort, die mir ein Vagabund je gegeben hat”, spottete Xell.
„Ameise”, dachte Suko. Dann erzählte er: „Ich hab da so ein Ähnliches
Problem wie du. Ich leide unter einer Art Zwangsneurose oder wie man das nennt.”
Xel warf ihm einen neugierigen Blick zu.
„Ich habe Probleme mit der Orientierung”, erklärte Suko.
„Das heißt soviel, wie dass ich an Orten ankomme ohne zu wissen wie. Oder ich Orte aufsuche und dabei woanders lande.
Würde ich ein Haus besitzen, würde ich’s wahrscheinlich nie wieder finden.”
Xell starrte ihn ungläubig an. Dann brach er in schallendes Gelächter aus.
Er kugelte sich auf dem Boden und hielt sich den Bauch.
Suko seufzte und ließ den Spott über sich ergehen und wartete, bis es vorbei wäre.

Stunden später

Endlich beruhigte Xell sich ein bisschen. Er hörte auf zu lachen und wischte sich die Tränen vom Gesicht.
Sukos Körpertemperatur sank wieder... noch eine Minute länger, und er wäre doch noch auf ihn losgegangen.
„Oh Mann, ich kann nicht mehr”, seufzte Xell glucksend.
Es vergingen noch mehrere Minuten, bis er endgültig zur Ruhe gekommen war und Stille zurückkehrte.
Die beiden betrachteten wieder das sternübersäte Firmament.

Diesmal war es Xell, der das Schweigen brach.
„Suko...”
„Yep?”
„Erzähl jetzt du mir deine Geschichte”, forderte er.
„Meine Geschichte...” Sukos Blick verdüsterte sich. Xell musterte ihn von der Seite, doch Suko sah ihn nicht an.
Stille senkte sich wieder Über den Strand.
„Hey, bist du eingedöst?!”, beschwerte sich Xell.
„Xell... ich... kann dir meine Geschichte nicht erzählen... weil... ich mich
auch nicht erinnern kann.”
Xell grinste.
„Irgendwie kauf ich dir das nicht ab. Wäre ja wohl echt purer Zufall, dass wir beide ne Ameise hätten.”
„Nein... das ist es nicht...”, versuchte Suko zu erklären.
„Was dann?”, jetzt war Xell doch ein wenig besorgt.
„Es ist... ich hab mir nie darüber Gedanken gemacht. Es ist so... als ob ich einfach alles vergessen hab.” Er zögerte.
Dann fuhr er stockend fort: „Ich weiß zwar, wer ich bin und wie die letzten Jahre so abgelaufen sind. Aber...
ich kann dir nicht sagen, wie genau...
Du bist der Erste, der mich in meinem Leben gefragt hat, wer oder was ich bin...
Ich hab... Es ist... Ich mache mir jeden Tag Gedanken darüber, was ich als nächstes mache,
aber noch nie habe ich so richtig darüber nachgedacht,
wie die letzten Tage so vergingen.” Sukos Stimme klang leicht verängstigt.
Dieses Thema war für ihn ungewohnt und unangenehm.

Xell verstand seine Lage. Er wusste nur allzu gut, wie Suko jetzt empfand.
Dennoch... wenn ein Mensch seine ganze Vergangenheit scheinbar „vergessen“ hatte, war das doch seltsam.
„Nun... was ist, wenn du jetzt versuchst, mal nicht über die letzten Tage,
sondern über die letzten Jahre nachzudenken?”, schlug er vorsichtig vor.
„Vielleicht... zurück in deine Kindheit?” Er bemühte sich, aufmunternd zu klingen.

Suko zog die Brauen zusammen. Sein Herz klopfte schneller.
Wieso hatte er sich nie Gedanken über seine Vergangenheit gemacht?
Was würde er finden, wenn er seine Erinnerungen durchsuchte?
„Ich versuch’s”, sagte er betont trocken und schloss die Augen.
...
.....
Es war dunkel.
Schwarz.
Suko sah sich selbst…
nein, er sah nichts, er erinnerte sich an diese Szene…
an einem Ort, an dem er nicht einmal die eigenen Hände vor Augen sehen konnte.
Aber er hörte etwas...
Er hörte... Kinder... weinende Kinder... doch sie weinten unterdrückt, so leise, wie sie nur konnten.
Er sah sie nicht... aber er fühlte ihre Angst.
Wovor fürchteten sie sich so sehr? Mein Gott... eine solche Furcht hatte er noch nie gespürt... Wer waren diese Kinder??

Suko spannte seine Muskeln an. Seine Augenlider zuckten, pressten sich zusammen.
Ein Stöhnen entrang sich seiner Brust.
Xell richtete sich besorgt auf. „Alter... ist alles in Ordnung mit dir?”

Der Schrei der Kinder zerriss die Dunkelheit.
„NEEEIN!”
Was zum Teufel ging hier vor!?
Suko hörte ein hämisches Lachen hinter sich.
„JETZT... gibt es kein Entkommen!”
Er drehte sich um und erkannte die Silhouette eines Teenagers.
“STERBT!”, schrie der Junge und lief an Suko vorbei.
Er versuchte, ihn aufzuhalten, doch das war die Vergangenheit... eine Vergangenheit, die er nicht verhindern konnte...
Er drehte sich wieder zurück, als er die qualvollen Schreie der Kinder hörte.
Er hörte alles... er hörte, wie Fleisch aufgeschlitzt wurde und Blut an die
Wände spritzte.
Es hallte...
Suko erkannte, dass er sich in einer Höhle befand.
Dann wurde es plötzlich still.

„Alter... Mann, was ist los mit dir?” Xell packte Suko, dessen verkrampfter Körper unregelmäßig zuckte.

Suko atmete stoßweise.
Was ging hier nur vor?
Was sollte das alles!?
Er atmete immer schneller... er war kurz davor, zu Hyperventilieren...
Plötzlich spürte er eine starke Aura.
Die Höhle wurde schlagartig grell erleuchtet. Seine Augen brannten in dem plötzlichen Licht.
Er blinzelte und versuchte die Quelle zu erkennen.
Er sah eine kleine Gestalt vor sich stehen... Das Licht kam von ihr... Das Kind... war ein Feuerbändiger!
Und direkt vor ihm stand sein Killer... Suko konnte ihn noch immer nicht erkennen...
Der Mörder schrie vor Schmerz, hielt sich das Gesicht... er war im Gesicht verwundet worden.

Suko kam mit einem Schrei wieder zu sich.
„Alter...du machst mir Sachen! Alles in Ordnung?”, erkundigte sich Xell mit einer Mischung aus Angst und Erleichterung.
Suko war immer noch völlig verwirrt. Schwer atmend blickte er sich um.
Was war das?
Er sah Xell an...
„Suko...?”, fragte Xell erschrocken, als er seinem neuen Freund in die Augen sah.
Diese Augen... sie... glühten... Xell stand auf und ging mit langsamen
Schritten rückwärts.
Suko biss die Zähne zusammen. Er streckte eine Hand in die Flammen des Lagerfeuers.
Statt zu verbrennen, saugte er das Feuer in sich hinein.
Als Xell das sah, erstarrte er.
Suko stand auf, ohne den Blick von Xell zu lösen. Sein Arm brannte lichterloh.
„Xell... woher hast du diese Narbe?”

Geändert von Terry (21.09.2007 um 12:17 Uhr)
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