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Alt 07.10.2008, 22:09
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Standard AW: Seilbahnen am Steyrischen Erzberg

Hallo Dresdner,

ich habe noch einen weiteren sehr guten Beleg zum Transportwesen und Frderung bzw zu den Eisenbahnen am steirischen Erzberg gefunden:

"Schrg- und Schachtfrderung

Am Steirischen Erzberg wurde nach Plnen von Johann Dulnig in den Jahren 1831 bis 1836 zur Abfrderung der fr die Vordernberger Hochfen bestimmten Erze ein System von Horizontalbahnen und drei Wassertonnenaufzgen zum Anheben der im Bereich unterhalb der Hauptfrderbahn anfallenden Erze erbaut.

Die Frdermaschinen der Wassertonnenaufzge waren jeweils mit zwei konischen Frdertrommeln ausgestattet, zur Verringerung der Geschwindigkeit dienten Backenbremsen. Die aus Holz und Eisenblech hergestellten Frdergefe liefen auf zwei Radpaaren, wobei die talseitigen Rder etwa den doppelten Durchmesser hatten wie die bergseitigen. Der Wagenkasten war durch eine Blechwand in zwei Teile geschieden, wobei der obere zur Aufnahme der Erze, der untere zur Aufnahme des Betriebswassers diente, das am Kopf des Bremsberges einem zirka 10 m3 fassenden Becken entnommen wurde. Auf der Rampe des Aufzuges waren zwei Geleise verlegt.

Im Verlauf eines Frderspieles wurde das am Fu des Aufzuges stehende Gef mit Erz beladen. Inzwischen wurde der Wasserraum des am Kopf der Rampe stehenden Wagens mit Wasser gefllt. Nach Lsen der Backenbremse wurde hierauf das mit Erz gefllte Frdergef durch das mit Wasser gefllte Frdergef aufwrts gezogen. Die Entleerung des mit Erz beladenen Frdergefes erfolgte durch Kippen ber die beiden Vorderrder, wodurch das Erz in den darunter stehenden Frderwagen gelangte. Nach Entleeren des Wassers aus dem am Fu der Rampe stehenden Gef konnte das Frderspiel wiederholt werden.

Von den tiefer gelegenen Bahnen gelangten die Erze ber den 192 m langen Leitenaufzug, den 254 m langen Zinobelaufzug bzw. den 125 m langen Wismathaufzug zur Frderbahn auf der Hhe des Prbichls.

Whrend der Zinobel- und Leitenaufzug im Jahr 1891 stillgelegt wurden, stand der Wismathaufzug, allerdings nach einem Umbau zu einem Gestellaufzug, bis zum Jahr 1934 in Verwendung, seine Frdermaschine blieb bis heute erhalten. In den Jahren 1844 bis 1847 erfolgte, ebenfalls nach Plnen von Johann Dulnig, die Errichtung der Erzfrderanlage Prbichl-Vordernberg. Die Erze wurden ber zwei Bremsberge - die Handlalmbremse und die Glaslbremse -mit Wasserflgelbremsmaschinen abgelassen. Die konischen Seilkrbe derselben standen ber Zahnkrnze mit einer Welle in Verbindung, die in ihrem oberen Drittel einen hlzernen Kranz, auf den eine Backenbremse wirkte, am unteren Ende vier Flgel trug, die in ein Wasserbecken eintauchte. Damit das Wasser im Bremsbecken nicht zu sehr in Bewegung gesetzt und damit die Bremswirkung herabgesetzt wurde, waren in diesem radiale Platten eingesetzt. Die Bahnlnge betrug bei einer durchschnittlichen Neigung von 13 Grad zirka 400 m. Es war jeweils nur ein Geleise verlegt mit einer Ausweiche in der Mitte. Die Frdergefe fassten je 4,5t Erz.

In den Jahren 1869 und 1870 erwarb die Steirische Eisenindustrie-Gesellschaft eine Reihe von Grubenmaen im Bereich des westlich vom Steirischen Erzberg gelegenen Tullecks. Das rund 700m ber der Talsohle gelegene Vorkommen wurde ber vier Frderhorizonte aufgeschlossen, die miteinander und mit dem Niveau des Eisenerzer Bahnhofes durch vier Bremsberge verbunden wurden. Das Frdersystem wurde nach zweijhriger Bauzeit im Jahr 1873 fertig gestellt.

Die Bremsung erfolgte ber selbstttige Luftflgelbremsen. Als Manvrier-und Notbremse war des weiteren jeweils eine Backenbremse vorhanden. Im Bereich der Bremsberge waren Geleisanlagen mit jeweils drei Schienen verlegt, etwas unterhalb der Mitte gingen diese in doppelte Geleise ber. Das berwechseln der Wagen erfolgte ber zwei Weichen. Die Wagen waren als Gestellwagen zur Aufnahme jeweils eines Huntes konstruiert.

Nach bernahme des Innerberger Erzberges durch die sterreichisch-Alpine Montangesellschaft wurden die Frderanlagen in diesem Bereich grozgig ausgebaut. Im Jahr 1883 wurde die von der Oswaldi-Etage zur Josefi-Koberhalde herabfhrende Erzrutsche durch den zweitrmmigen Glckauf-Bremsberg" ersetzt, 1886 fhrte ein weiterer groer Bremsberg von der Oswaldi-Etage zum Anschlag oberhalb der Mayrau-Halde. Hier kam zunchst eine der alten Ablamaschinen vom Tulleck zum Einsatz, 1888 wurde jedoch eine neue Bremsmaschine montiert. Nunmehr konnten auf jedem der beiden Gestellwagen zwei Hunte mit je 2,51 Nutzlast zu Tal gelassen werden. Die neue Maschine war mit je einer Windflgel- und Bandbremse ausgestattet.

Zur Abfrderung der Erze vom Bergbau Bohnkogel bei Neuberg entstand im Jahr 1878 ein rund 500 m langer Seilbremsberg mit einem einzigen Tragseil und einer Ausweichstation in der Mitte. Zur Aufnahme der Erze waren zwei 170 kg fassende, selbstentleerende Seilbahnwagen eingesetzt. Die Maschine wurde von nur einem Mann, der auch die Gefe fllte, bedient.

Im Jahr 1897 wurde die Frdermaschine des Schachtes VII im Bereich des Liedemannstollens des Steirischen Erzberges mit einer elektrischen Frdermaschineausgestattet. Im Jahr 1912 schlielich wurde dieser Schacht durch die an der Sdseite des Steirischen Erzberges angelegten Schchte A und B ersetzt. Aus Grnden der Sicherheit und zur Erzielung einer entsprechend groen Leistung erhielt jeder der Schchte zwei vollkommen gleich ausgebildete Windwerke mit Reibscheibenantrieb, welche fr die Frderung in beiden Richtungen eingerichtet waren. Um die mglichst einfache Anordnung zu erhalten und um ein Umsetzen der Frderung von verschiedenen Horizonten zu vermeiden, wurde auf gegenlufige Frdergefe verzichtet und jede Schachthlfte nur mit einem Gef sowie einem Gegengewicht ausgerstet. Die Fllung der Gefe erfolgte durch pneumatisch angetriebene Fllschnauzen, die Entleerung ber eine selbstttige Bodenklappe. ber jeden der Schchte konnten innerhalb von 24 Stunden 3.600t Erz gefrdert werden.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Raum Eisenerz eine groe Anzahl von Wohnhusern errichtet. In diesem Zusammenhang wurde auch mit dem Bau eines gewaltigen Personenaufzuges - des Hugo-Stinnes-Aufzuges - begonnen, der den im Tal wohnenden Arbeitern den tglichen mhsamen und krfteraubenden Aufstieg auf den Erzberg ersparen sollte.

Nach dreijhriger Bauzeit wurde im Jahr 1924 die Anlage fertig gestellt, ihre Talstation lag in der Trofeng, die Bergstation unterhalb des Vordernberger Berghauses; erstmalig kam ein Vierwagensystem zur Anwendung. Im Gegensatz zu anderen unterteilten Aufzgen, welche fr jede Teilstrecke eine eigene Antriebsmaschine besaen, bestand hier nur ein einziges Windwerk am oberen Ende der Bahn. Dieses wurde von einem 200 PS leistenden Elektromotor angetrieben und besa zwei Treibscheiben mit Kraftausgleich durch Differentialantrieb.

An das ber das Windwerk laufende Seil waren zwei Wagenpaare im Abstand einer halben Bahnlnge angeschlagen. So pendelten je ein Ober- und Unterwagen in der oberen bzw. unteren Hlfte der Bahn, wobei beide jeweils im ersten und dritten Viertel kreuzten. In der Bahnmitte befand sich eine Umsteigstelle. Mit dem Aufzug konnten innerhalb einer Stunde 800 Mann von der Talsohle bis auf die Hhe des Vordernberger Berghauses, also um 500 m, gehoben werden.

Im Jahr 1965 wurde der Betrieb beim Hugo-Stinnes-Aufzug eingestellt, das Vordernberger Berghaus und die Bergstation wurden abgetragen.

Zur Abfrderung von Bergen bestand ein seigerer Bergefrderschacht, durch den diese auf hhere Horizonte aufgezogen und mit den brigen im Tagbau anfallenden Bergen an den Flanken des Erzberges verstrzt werden konnten. Der knapp vor dem Zweiten Weltkrieg abgeteufte Bergefrderschacht hatte eine Teufe von 140 m. Er war mit einer Trommelfrdermaschine - Trommeldurchmesser 6.000mm - und einem 15t fassenden Skipgef mit Gegengewicht ausgerstet.

Im Jahr 1955 wurde der Leitenschacht in Betrieb genommen, der sowohl den Bergefrderschacht als auch den Hugo-Stinnes-Aufzug ersetzen sollte. Der neue Schacht war daher sowohl zur Mannsfahrt als auch zur Erz- und Bergefrderung eingerichtet. Seine Teufe betrug 325m. Die maschinelle Einrichtung bestand aus zwei Koepefrdermaschinen, wobei die Hauptfrderanlage mit einer eintrmmigen Skipfrderung mit Gegengewicht, die Nebenfrderung mit einer eintrmmigen Skipfrderung mit Seilfahrt am Skip und einem vierbdigen Korb als Gegengewicht ausgestattet waren. Das Skipgef der Hauptfrderung war fr 211 Nutzlast, das Skipgef der Nebenfrderung fr 15t Nutzlast ausgelegt. Im Jahr 1971 wurde der Betrieb bei der Leitenschachtanlage eingestellt und die Bergefrderung ab diesem Zeitpunkt unter Einsatz von Schwerlastkraftwagen, die Mannsfahrt mit Omnibussen durchgefhrt."

Quelle: Alfred Weiss, Eisenerzbergbau in der Steiermark, in: Erz und Eisen in der grnen Mark, Beitrge zum steirischen Eisenwesen. HG Paul W. Roth. Beitragsband zur steirischen Landesausstellung 1984, S. 45 - 81. Zitat: S. 70-73.

Wolfgang (SAGEN.at)
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