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Alt 17.08.2010, 09:02
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Hornarum48 Hornarum48 ist offline
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Standard AW: Ein Weberschiffchen aus dem Waldviertel

Bei Handwebstühlen war diese einfache Art der Weberschiffchen in abgelegenen ländlichen Gegenden bis in das 19. Jahrhundert durchaus üblich. Man kann dies auch an zahlreichen Beispielen sehen. Über die Funktionstüchtigkeit kann es daher keine Diskussion geben. Diese wurde durch die Praxis hinlänglich bewiesen.
Wie bei der Vorstellung des Objektes bereits vermittelt, dürfte es sich bei der in Kerbschnitttechnik hergestellten Verzierung um die symbolhafte Darstellung des Männlichen und Weiblichen handeln. Dargestellt wurde an einem Ende des Stückes die Vulva und am anderen Ende eine menschliche Gestalt (wohl ein Mann). Beide sind durch das Stäbchen verbunden. Wenn man diesem die Funktion eines Penises zugesteht, liegt somit eine Koitusdarstellung vor. In der Praxis wird diese durch die Funktion des Weberschiffchens, welches bei der Arbeit hin und her bewegt wird, noch zusätzlich unterstützt.
Werke der religiösen Volkskunst sind jedem bekannt, Werke der erotischen Volkskunst dagegen werden nur ganz selten besprochen. Dieses Thema war nicht nur früher verpönt. es dürfte es auch heute noch sehr oft sein.
Kerbschnittverzierungen sind in der Volkskunst nicht selten, man denke nur an die Buttermodel oder an Hornschnitzereien. Ob diese erotische Darstellung originell ist oder eher auf irgend eine Vorlage zurückgeht, läßt sich nicht so ohne weiteres beurteilen. Zentren der Holzkunsterzeugung, wie beispielsweise solche im Erzgebirge, haben neben den bekannten Produkten auch erotische Objekte produziert. Diese scheinen allerdings in den veröffentlichten Verkaufskatalogen meines Wissens nicht auf. Die Darstellung in abstrahierter Form sollte wohl bewirken, dass nicht jedem Betrachter ein sofortiger geistiger Zugang möglich ist.

Geändert von Hornarum48 (17.08.2010 um 10:19 Uhr)
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