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Alt 31.05.2010, 13:34
Rabenweib Rabenweib ist offline
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Standard AW: Russische Kriegsgefangenschaft

So, ich habe eben mit meiner Oma gesprochen und sie zu dem Thema gefragt.

Sie erzählte mir, daß mein Großvater 1941 eingerückt ist, und sofort an die Front musste, er war in Ungarn, dann kam er nach Rumänien, dort wurde er bei einem Kriegseinsatz ergriffen und in Konstanz auf ein Schiff gebracht, mit anderen, er fuhr dann mit diesem Schiff nach Sewastopol und kam dort in ein Lager, wo er die nächsten dreieinhalb Jahre verbringen sollte.

Er erzählte, sie hätten jeden Tag Brennesselsuppe bekommen, dazu Brot, sonst nichts.
Die ersten drei Wochen mussten sie nackt herumlaufen weil ihnen alles weggenommen wurde, auch die Marke, sie schliefen in einer Holzbaracke.
Opa hatte es zusätzlich schwer, weil er durch einen bauchschuss verletzt wurde und kurz vor seiner Gefangenschaft in einem Sanitätslager war, das Projektil steckte noch und wurde eitrig, er hatte Fieber...

Ihre Arbeit war es, auf Maisfeldern zu arbeiten, die Ernte einzubringen, wenn man dabei erwischt wurde, daß man von einem Maiskolben abbiss, wurde man verprügelt, es gab Schläge mit dem Gewehrschaft, manche sind während der Arbeit einfach "verschwunden", man wusste nicht wo die hingekommen sind, man wollte auch lieber nichts wissen.

Deutsche und Österreicher wurden dann getrennt, die Deutschen wurden "verräumt" (weg gebracht, wahrscheinlich getötet), die Österreicher durften zurück, sie fuhren dann mit dem Zug nach Rumänien, in Viehwaggons, auf Stroh, bis nach Wr. Neustadt.

Mein Großvater fuhr dann weiter nach Waidhofen/ Ybbs, als er aus dem Zug stieg sah er russische Soldaten und hatte Angst daß die ihn gleich wieder zurück schicken würden.
Aber die haben nicht reagiert, also schlich er sich an ihnen vorbei und
zusammen mit einem zweiten Opponitzer kam er dann zurück.

Opa war zu dem Zeitpunkt total ausgehungert, sein Bauch war aufgebläht, er hatte nur eine Hose am Leib, kein Hemd, er ging dann zu Fuß die 14 Kilometer nach Opponitz, da musste er noch auf einen Berg wo sein Elternhaus stand.
Da seine Mutter nichts wusste von seiner Ankunft (er hatte kein Geld um sie anzurufen), war das natürlich ein Wiedersehen das sich gewaschen hatte.
Aus Opas Hemden waren in der Zwischenzeit Schürzen genäht worden, eine Tante hatte Arbeit als Kellnerin bekommen und brauchte sie.
Es waren nur noch ein paar alte Arbeitshemden da die ihm nicht mehr passten.
Die Gemeinde spendete den Heimkehrern dann Geld für neues Gewand.

Erst einige Jahre später ist das Projektil dann auf natürliche Weise (durch eitern) raus aus seinem Körper, das hat Oma noch mit erlebt.

Opa hat nie viel geredet über die genauen Abläufe auf der krim, aber er liebte das Land. Er schwärmte sein ganzes Leben lang von der Krim und als Mama ihm Bilder im Internet zeigte hatte er leuchtende Augen wie ein Kind zu Weihnachten.
Er wäre auch immer gerne nochmal dort hin gefahren wegen dem schönen Land, traute sich aber nicht, weil - wie er sagte: "Wer weiß ob die mich wieder heim gelassen hätten"....


Liebe Grüße, Sonja
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