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Alt 04.11.2009, 11:56
Dachstein Dachstein ist offline
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Standard AW: seilbahngeschichte.de - Updateinfos

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Zitat von Verkehrsarchiv Beitrag anzeigen
Danke für Deine guten Diskussionspunkte, die ich sehr wichtig in diesem Kontext finde! Es ist nämlich interessant, dass bezüglich Funitel verschiedene Ansatzpunkte zur Definition herangezogen werden. Einerseits ist es richtig, dass der Ausdruck Funitel erst mit der Anlage von Val Thorens im Jahre 1990 auftaucht, der Erfinder dieser Doppeleinseilumlaufbahnen, Denis Chreissels sprach aber immer von der 1.) Generation und der 2.) Generation, so wie das auch Schmoll beschreibt. Es war eine historische Weiterentwicklung eines an und für sich vergleichbaren Systems von einer Doppelseilführung mit getrennten Seilen im Abstand von 700 mm (DMC) zur Funitel mit 3.200 mm breiter Seilführung. Heute kann man unter dem Namen DUB bzw. Funitel aber alles haben, was man will, obwohl streng genommen der Ausdruck Funitel schon die Seilführungsbreite thematisiert. Vielleicht kann man es so am besten ausdrücken, dass alles vor Val Thorens 1990 als konzeptionelle Vorläufer zur Funitel gesehen werden kann (z.T. Einzelanlagen, wie etwa die DUB in Sölden!) und erst ab 1990 eine Systematisierung und Vereinheitlichung im grösseren Stile und auch international statt.
Was Österreich betrifft wird heute alles als Doppeleinseilumlaufbahnen, umgangssprachlich auch als Funitel bezeichnet, im Ministerium geführt, sobald Sölden Geschichte ist stimmt dann auch der Ausdruck Funitel endgültig, zumindest für Österreich.
Eben, weil es um eine Weiterentwicklung geht, bin ich der Meinung, dass das auch aus der Bezeichnung her heraus ableitbar sein muss, ob das jetzt DMC und Funitel ist, oder Generation 1 und Generation 2 ist, halte ich persönlich für nebensächlich.
Es ist ja auch bei der Eisenbahn so, dass Lokomotiven, die verwandt sind, aber dennoch unterschiede Aufweisen, dementsprechend gekennzeichnet werden, Beispiel: 1042 - 1142, 1018 - 1118 - 1018.1.
Auch findet man soche Beispiele in der Seilbahnbranche. Die gute alte ZUB. Hier fand ja mit dem Bau der beiden 3S Bahnen in der Schweiz eine gewisse Revolution dieses Types statt.
Von Anfang an und in aller Kürze: die ZUB (damals als Gondelbahn bezeichnet) wurde ja von Georg Wallmannsberger erheblich geprägt. Gut, es wurden relativ viele ZUBs in Österreich gebaut, dann verebbte die ZUB Welle wieder. Letzte Bahnen waren imo. die Eisjochbahn und die Rendlbahn. Dann wurde lange Zeit gar nichts ZUB mäßiges gebaut. Schließlich baute man Bahnen mit Pendelprinzip (die Kapazitäten reichten mittlerweile an die einer ZUB heran, Beispiel Wurzeralm, SSB ersetzt ZUB), oder später dann EUBs (Bsp. Kitzbüheler Horn). Dann besinnt sich Waagner Biro (die schon vorher ZUBs gebaut haben - Rendl und Eisjoch) auf die ZUB, und baut mit der Penkenbahn eine außergewöhnliche ZUB: Kurve auf einer Stütze, hohe Förderleistung. Die moderne ZUB war in Österreich geboren. Leitner übernimmt Waagner Biro und installiert weitere Anlagen. Grundsätzlich immer noch das gleiche Prinzip wie die Wallmannsberger ZUB, wenn sich auch die Technik wesentlich verändert hat. Wallmannsbergerklemmen gibt es keine mehr. Hier wird ja herstellermäßig auch schon differenziert: zuerst ZUB, dann BGD / 2S. Ich denke mal, der Name wurde gewechselt, um sich von der antiquierten Bezeichnung ZUB abzuheben und zu differenzieren.
Die Schweizer (von Roll) gingen her, und erweiterten die BGD ("moderner" eher englischer Name für ZUB) zu einer Dreiseilbahn. Nachdem aber immer nur die Seiltypen gezählt werden und nicht die Seilanzahl, gelten diese Bahnen auch immer noch als Zweiseilumlaufbahnen. Hier wird aber auch unterschieden. Also zwischen S2 und S3, wobei die 3S ja nur ein Tragseil erweiterte 2S mit vergrößerten Fahrbetriebsmitteln ist. Hier wird differenziert, daher gehört bei der "Funitel" auch differenziert. In beiden Fällen haben sich jednefalls die verwendeten Technologien verändert. Wie man jetzt differenziert, erscheint mir, wie oben geschrieben, nebensächlich.
Interessant ist ja imo. auch die Bezeichnung DMC Double - Mono Cable. Im Wort steckt immer noch der Begriff Einseil drinnen, wobei das Wort davor das Einseil verdoppelt und so Hinweise auf die angewandte Technik gibt - rein praktisch fällt aber auch das DMC unter die Sparte EUB, weil es nur einen Seiltyp hat.

Also meinetwegen können wir wie folgt verfahren:

DMC, DLM (erste Generatiuon), DLM (Zweite Generation) = Funitel
ZUB (erste Generation), BGD / 2S (zweite Generation), 3S

Zitat:
In den anerkannten Termini geht der Typus Bahn soweit auch klar heraus: Seilschwebebahn (kurz Pendelbahn) – eine Bahn die auf einem Seil schwebt, funivia (Seilweg) – der zu befahrende Weg ist das Seil,…. Da macht die oben zitierte Unterteilung ja auch durchwegs Sinn. Und damit sind wohl auch drei unterschiedliche Quellen mit den jeweiligen Argumenten genannt! Allesamt von Experten der Branche verfasst.
Um die Wissenschaft wieder etwas Kontroverse hinzuzufügen (aber ohne dabei an den Konventionen zu rütteln): Der Begriff Pendelbahn ist für den Laien etwas irreführed. Tatsache ist, dass neben den Bahnen, die an einem Seil hängen und zwischen zwei Stationen pendeln, auch die Standseilbahnen zwischen 2 Stationen [b]pendeln[/p]. Die Bahn in Dresden tut das auch.
Ich gehe mal davon aus, dass hierbei dieser eventuell etwas suboptimale Ausdruck (auch wenn wir alle wissen, was unter einer PB zu verstehen ist), vielfach für Missverständnisse verantwortlich ist. Besser wäre in meinen Augen der Überbegriff Pendelbahn für alle Seilbahnen, die pendeln (was ja der Name eigentlich impliziert, er sagt auch nichts über die Farbahn aus - steht ja diesbezüglich nichts drinnen) und dann eine weitere Unterteilung in Standseilbahnen (stehen auf Schienen), Luftseilbahnen (den Audruck gibt es ja tatsächlich, ich halte ihn aber auch für suboptimal, zumal auch eine EUB sich durch die Lüfte am Seil gezogen bewegt, ich nehme den Ausdruck trotzdem, zu dem Zeitpunt, wo hätte differenziert werden müssen, gab es noch keine EUB) und Hängebahnen (auch wenn es jetzt nur eine gibt). Das wäre in meinen Augen das Einfachste, auch wenn mir bewusst ist, dass es eben anders gekommen ist.

MFG Dachstein
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