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Alt 30.05.2011, 09:56
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Elfie Elfie ist offline
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Standard AW: SAGEN.at-Fotowettbewerb - Gerüche - Mai 2011

Das Foto ist außer Konkurrenz, die Kamera – einfach hingehalten – hat lieber die Wiese scharf gemacht. Hätte ich das Mai-Thema geahnt…

Der herbe Duft der Mostbirnblüten haben meine Kindheit begleitet, ich rieche sie bis heute gern. Jeder Frühling eine Zeitreise, kostbar und nicht so beliebig zu wiederholen wie das ganzjährig mit Ziegenkäse geht: ich mach die Augen zu und sitz bei Oma im Stall – sie melkt gerade.
Im Garten der Großeltern standen drei dieser Bäume. Auf einem, er war am leichtesten zu besteigen, hatte ich mein Asyl: wenn ich trotzte, wenn ich traurig war und auch meinen ersten Cousin besah ich mir bei seiner Ankunft mit der Mutter aus der Klinik erst mal von oben.
Das kleine Haus, in einer Reihe mit 7 anderen, war einen knappen Kilometer vom Ort entfernt.
Fuhrwerke und Regen legten immer wieder die großen Steine in der Sandstraße frei und der kleine Handleiterwagen holperte dahin. Etwa die Hälfte des Weges war von Birnbäumen gesäumt. Große alte, deren Äste über der Straßenmitte ineinander reichten. Im Frühling ein Dach aus Duft und Blüten.
Ich lag auf dem Leiterwagen auf Jutesäcken mit Futter aus dem Lagerhaus und schaute in diesen weißen Himmel. Sand und Steine knirschten unterm Eisenring der Räder, das Wägelchen ruckte über die Unebenheiten und schaukelte mich durch dieses Paradies.
Einmal im Jahr quikte es im Sack: ein Ferkel kam ins Haus. Dann waren die Blüten nicht das Wichtigste: der Sack wurde immer wieder gestupst. Ein grelles Quiiiii…, ein strenger Blick des Großvater: „loss des Farl in Ruah, sunst gehst z´fuaß“
Die Bäume sind längst verschwunden, die alten Häuser auch – und die Menschen.
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duft.JPG  
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