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Alt 13.12.2008, 13:11
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Standard AW: Alte Weihnachtslieder

Dort oben vom Berge weht kühler Wind,
- altes Weihnachtslied aus der Steiermark.

1. Strophe und Noten im Anhang.

2. Es kommen die Engel und sehen ihr zu
Und schützen dem schlummernden Kindlein die Ruh;
Sie bringen ihm Blumen vom Paradies,
Drum schlafet das Kindlein so ruhig und süß.

3. Die Vöglein umsingen die Mutter gar fein
Und gucken zum Kindlein in die Wiege hinein.
Sie fliegen hinzu, sie fliegen empor
Und singen dann fröhlicher noch wie zuvor.

4. Da singt auch Maria vom Himmel gar viel,
Dort oben, mein Kindlein, ist wohl nur dein Ziel,
Und bist du gekommen, ein Heiland der Welt,
Zu lösen die Sünder, vom Vater bestellt.

Alte Handschrift aus dem Besitz von Karl Reiterer aus dem steirischen Ennstal.
Verbreitung. Der älteste Beleg findet sich bei Arnim-Brentano, Wunderhorn (Anhang: Kinderlieber, Heidelberg, 1808, S. 60, „Da oben auf dem Berge, da rauschet der Wind", 1 Ges. ohne Weise); Schellnegger, Weihnachtslieder, Nr. 48 (7 Ges. mit Weise = Hölzl, Gott grüaß enk Leutl, Nr. 25); Zack, Krippen- und Hirtenlieder I, Nr. 8 (7 Ges. mit Weise — Liederbuch für Volksschulen III, S. 50 3 Ges. mit gleicher Weise), die Weise ist den „Alten und neuen Kinderliedern" von Pocci und Raumer (Leipzig 1852) entnommen, der Wortlaut mündlich aus der Palfau (Steiermark). Zu dieser Weise vgl. auch Hoffmann-Richter, Schlesische Volkslieder Nr. 271 (1 Ges.). — Ztschr, Das deutsche Volklslied, XXIV = 1922, S. 43 (3 Ges. mit Weise, Tragöß, Steiermark); Anfang: „Da drinnen im Stalle." Ähnlich Zeitschr. „Stadt Gottes" LIX = 1936, S. 166 (3 Ges. mit Weise, steir. Salzkammergut); „In dulci jubilo", II, Nr. 7 (2 Ges. mit Weise, Ybbstal, N.Ö.) Pailler, Weihnachtlieder, Nr, 91 (7 Ges. ohne Weise, O. Ö., mit Literatur); Commenda, Hoamatklang, I, Nr. 4 (6 Ges. mit Weise, O.Ö.,): A. Jungbauer, Weihnachtspiel des Böhmerwaldes, Nr. 72 (7 Ges. mit Weise): Vogt, Schles, Weihnachtsspiele, S. 480 (1 Ges. mit Weise); Stöcklin, Weihnachts- und Neujahrslieder a. d. Schweiz, Nr. 60 (1 Ges. mit Weise).
Karl Reiterer äußert sich in der „Sängerzeitung des Steir. Sängerbundes" VIII (1928), S. 151 u. a. über dieses Lied: „. . . Als ich den Organistendienst in Donnersbachwald antrat (im Jahre 1886), kam der Pfarrer Johann Schwarzkogler aus Petersberg bei Haus, der alle melodiösen, althergebrachten Gesänge in der Kirche abstellte und nur Hosianna-Lieder (gemeint ist das eben (1885) erschienene Seckauer Gesangbuch „Hosanna“) vortragen ließ. Er ging so weit, dass er mir vorschrieb, welche Lieder vor und welche nach der Wandlung gespielt werden durften. Auch das bekannte Krippenlied „'s Bergerl“ (Dort oben am Berg weht kühlender Wind), das ich auch als fliegenden Blattdruck fand, verbot er mir, worüber die an die alten Weisen gewöhnten Bauern sich sehr erbosten. Der Bauer Michael Reitegger, vulgo Rabenhaupt, spottete: ‚Enker Musi kimmt mir haz grad so für, als ob s’ tät’:
Geh na ton, geh na ton
Und hänk’ dein Kreuz am Buggl on!’
Wichtig ist, dass ich dieses Krippenlied bereits als vierjähriger Bub in St. Peter i. S. antraf. Mein Vater, Jakob Reiterer, Oberlehrer und Organist, ließ es zur Aufführung bringen, und als ich dann später (1884 und 1885) Lehrer und Organist in benanntem Dorfe war, spielte ich das Lied nebst dem ‚Engelchor’ und ‚Sei uns gegrüßt’ ebenfalls.


Quelle: Karl M. Klier, Schatz österreichischer Weihnachtslieder aus den ältesten Quellen mit den Weisen, Weihnachtslieder und Hirtenspiele aus Steiermark, Klosterneuburg, o. J. (ca. 1936), Nr. 84.


Wolfgang (SAGEN.at)
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