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Alt 06.01.2010, 21:33
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Dresdner Dresdner ist offline
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Standard AW: ÖBB wollen Regionalbahnen einstellen

Du sprichst ein allgemeines Problem des ÖPNV an. Den Kommunen steht finanziell gesehen das Wasser schon jetzt bis zum Halse und da wird versucht, Dienstleistungen immer billiger einzukaufen.
In diese Bresche springen private Anbieter welche massiv versuchen, öffentliche Aufträge zu ergattern. Eigentlich eine normale Angelegenheit, wenn mit fairen Mitteln gekämpft würde.
Fakt ist, dass die Privaten die Infratruktur der ehemaligen Monopolisten mit nutzen und da ist es nur richtig, dass sie auch dafür zahlen.

Das sind die Methoden der Privatanbieter:
* absolute Dumpinglöhne für ihr Personal - Bereitschaftszeiten bei einem großen privaten überregional tätigen Anbieter werden z.B mit 50 Cent brutto / Stunde "bezahlt"
* Gewerkschaften und Betriebsräte werden erst nach massiven Protesten der Beschäftgten toleriert
* zum großen Teil nur befristete Arbeitsverträge, welche nach Gutdünken verlängert werden oder auch nicht
* Freizeitregelungen am gesetzlichen Limit und teilweise auch darunter - der Mitarbeiter ist dort Bittsteller und nicht Partner
* das gleiche betrifft die Dienstpläne - diese sind nicht wie bei den öffentlichen Unternehmen bindend, sondern tragen maximal einen allgemeinen Orientierungscharakter
* besonders beliebt ist die befristete Einstellung von Praktikanten, da bezahlt das Arbeitsamt einen Großteil der Lohnkosten
* Beschäftigung von Mitarbeitern, welche z.B aus den öffentlichen Unternehmen in Altersteilzeit gegangen sind - man bekommt gut ausgebildete Fachkräfte kostenlos und zum Schnäppchentarif
* keine Bezahlung von Pausen- und sonstigen Ruhezeiten
* bei Bahnunternehmen Arbeitsbeginn und -ende in hunderten km Entfernung ohne Entschädigung für die Mitarbeiter
* möglichst kostenlose Nutzung der Infrastruktur der öffentlichen Unternehmen
* katastrophale Bedingungen was z.B. Pausenräume, Toiletten an den Endpunkten etc. betrifft
* teilweise keine Lohnzahlung bei betrieblichen Problemen
* keine Ausbildung von Lehrlingen bzw. nur dann, wenn das Amt den Großteil der Kosten übernimmt
* keine Abfederung von Mitarbeitern, welche aus gesundheitlichen Gründen z.B. nicht mehr in den Fahrdienst gehen können - Entlassung dieser oft schon älteren Kollegen; in den öffentlichen Unternehmen werden diese Mitarbeiter zum Großteil in anderen Bereichen weiter beschäftigt
* keine freiwilligen Schulungsmaßnahmen wie Sicherheitstraining und Dienstunterricht, was bei öffentlichen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist und ja auch dem Kunden zugute kommt.

Ist ja in Deutschland aber auch nicht weiter schlimm. Wenn das Geld nicht reicht, wird man halt Aufstocker und das Arbeitsamt zahlt die Differenz zum Existenzminimum.

Ich weis wovon ich spreche, bin selbst seit 20 Jahren im ÖPNV-Geschäft.

Dresdner
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